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: Britische Mutante: Was man weiß und was hilft

von Katja Belousova
13.04.2021 | 14:42 Uhr
Neue Daten zur Corona-Variante aus Großbritannien zeigen: Die Mutante ist wohl doch nicht tödlicher. Was man zu Impfungen, Übertragbarkeit und "Gegenmitteln" weiß.
B.1.1.7 ist die aktuell vorherschende Corona-Variante in Deutschland.Quelle: AP
Ist sie nun tödlicher oder nicht? Diese Frage zur britischen Coronavirus-Mutante B.1.1.7 beschäftigt Wissenschaft, Gesellschaft und Politik noch Monate nach ihrem Auftreten. Nun scheint es neue Erkenntnisse zu geben, die der These von schwereren Erkrankungen durch B.1.1.7 widersprechen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte das auf Twitter "ein gutes wie überraschendes Ergebnis".
Lauterbach zu B.1.1.7-Studie

Was ist zur Tödlichkeit bei B.1.1.7 bekannt?

Zuletzt deuteten die Daten noch darauf hin, dass die Variante schwerere Krankheitsverläufe hervorruft. Jetzt kommen zwei separate Studien aus Großbritannien doch zu einem anderen Schluss: Wie Forschende in den Fachmagazinen "The Lancet Infectious Diseases" und "The Lancet Public Health" berichten, ist die britische Corona-Variante nicht tödlicher als die Ursprungsform des Virus.
In der ersten Studie heißt es: "Wir fanden keine Hinweise darauf, dass die B.1.1.7-Variante mit schwerer Krankheit oder Tod assoziiert ist". Dafür gehen die Forschenden von einer höheren Viruslast durch B.1.1.7 aus. Hinweise auf diese These gab es bereits in früheren Studien.
In der zweiten Untersuchung steht: "Die B.1.1.7-Variante konnte weder mit Veränderungen der berichteten Covid-19-Symptome noch mit deren Dauer assoziiert werden." Auch Hinweise auf eine erhöhte Gefahr der Reinfektion durch B.1.1.7 fanden die Forschenden in der zweiten Untersuchung nicht.

Was ist mit Kindern?

Auch bei Kindern scheint es durch die Variante keine erschwerten Krankheitsverläufe zu geben. "So wie die Kinder-Infektiologen sagen, sind die Verläufe bei Kindern jetzt nicht auf einmal ganz anders, sondern die sehen im Moment, zumindest zum heutigen Tag, keinen großen Unterschied zu den Verläufen vor B.1.1.7", erklärte Virologin Sandra Ciesek vergangene Woche im Coronavirus-Podcast des NDR.
Die Forschung steht noch am Anfang: Erste Studien zeigen, auch Kinder haben nach einer Corona-Infektion mit Spätfolgen zu kämpfen. Zu den Symptomen zählen unter anderem Muskel-Schmerzen und permanente Erschöpfung.

Britische Variante mit höherer Übertragbarkeit - Warum?

Während beim Blick auf Tödlichkeit und Viruslast das letzte Wort sich noch nicht gesprochen ist und weitere Untersuchungen folgen müssen, ist eines klar: B.1.1.7 hat eine höhere Übertragbarkeit - und das in allen Altersgruppen. Dies unterstreicht auch die Studie aus "The Lancet Public Health". Wie vorangegangene Untersuchungen kommt auch sie zum Schluss, dass mit der britischen Coronavirus-Variante eine erhöhte Reproduktionszahl einhergeht.
Etwa ein halbes Jahr nach ihrer Ausbreitung in Großbritannien macht B.1.1.7 aktuell ca. 90 Prozent der Corona-Fälle in Deutschland aus, wie Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen. Ende September 2020 begann die Mutante, sich in Großbritannien auszubreiten, im Dezember vergangenen Jahres berichteten britische Behörden zum ersten Mal von ihr.
Ein Grund für die schnellere Ausbreitung der britischen Virus-Variante sollen Mutationen sein, die das sogenannte Spike-Protein betreffen und dafür sorgen, dass das Virus besser an Zielzellen andocken kann. Eine dieser Mutationen heißt N501Y.
Die zuerst in Großbritannien entdeckte, sehr ansteckende Corona-Variante hat sich rasch in Deutschland ausgebreitet. Laut RKI erreichte sie letzte Woche einen Anteil von 88 Prozent.

Welche Auswirkungen gibt es auf Impfungen?

Hinweise auf eine "substantiell verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe" durch B.1.1.7 gibt es derzeit laut RKI nicht. Sorgen bereitet aber eine Sonderform der Variante, genannt B.1.1.7 E484K. Diese weist eine zusätzliche Mutation auf, die "das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper macht", wie das RKI schreibt.
Deswegen wird vermutet, dass die derzeit erhältlichen Impfstoffe gegen diese Variante eine geringere Wirksamkeit aufweisen könnten.
Robert-Koch-Institut

Welche Methoden helfen gegen neue Corona-Variante?

"Für Virologen sind Mutationen nicht erstaunlich", sagte der Gießener Virologe Friedemann Weber gegenüber ZDFheute. Um erfolgreich zu sein, müsse ein Virus eben mutieren. Damit der Mensch wiederum erfolgreich gegen die Mutanten ist, braucht es Abstands-, Hygiene- und Lüftungsregeln. Diese gängigen Standards seien im Kampf gegen die neuen Varianten ebenso effektiv wie gegen die anderen Varianten, so Weber.
Eine weitere Methode, die den Virusvarianten Einhalt gebieten kann, ist der Lockdown. Das hatte Großbritannien bewiesen. Die dort im Winter verhängten Lockdown-Methoden ließen die Inzidenzen sinken - selbst in Gebieten, wo das Infektionsgeschehen außer Kontrolle geraten schien.
Quelle: mit Material von dpa

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