FAQ

: Kann man auch zu oft geimpft werden?

von Katja Belousova und Oliver Klein
13.10.2022 | 16:02 Uhr
Angesichts hoher Corona-Zahlen fragen sich auch jüngere Menschen, ob sie eine zweite, an Omikron angepasste Boosterimpfung brauchen. Kann es zu einer "Überimmunisierung" kommen?
Wer sollte sich den vierten Piks geben lassen?Quelle: dpa
Soll ich mich ein viertes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen? Diese Frage stellen sich aktuell viele Menschen - denn die die Wirksamkeit der bisherigen Impfungen lässt nach und die Infektionszahlen steigen unaufhörlich. Zudem gibt es inzwischen gegen die Omikron-Varianten angepasste Impfstoffe.
Doch für wen ist eine weitere Impfung geeignet? Kann man zu oft gegen Corona geimpft werden? Und was, wenn man als dreifach Geimpfter schon eine Infektion durchgemacht hat? ZDFheute hat Antworten auf die wichtigsten Fragen.
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Wem wird eine vierte Impfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt einen zweiten Booster mit an Omikron angepassten Impfstoffen:
  • allen Menschen ab 60
  • Personal in medizinischen Einrichtungen
  • allen Menschen über fünf Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Covid-Verläufe infolge einer Grunderkrankung.
Zuvor hatten sich bereits die europäischen Behörden ECDC und EMA dafür ausgesprochen, Menschen ab 60 ein zweites Mal zu boostern.

Wen schützt die vierte Impfung?

Stiko-Mitglied Christian Bogdan, Infektionsimmunologe am Universitätsklinikum Erlangen, weist darauf hin, dass es mit der neuen Empfehlung "nach wie vor um die Verhinderung von schweren Verläufen, Hospitalisierung und Tod" gehe.
Das belegen erste Studien: So zeigte beispielsweise eine Analyse von Daten aus Israel, dass bei über 60-Jährigen das Risiko wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu kommen um 68 Prozent gesenkt wurde, vor Tod durch Covid schützte die zweite Auffrischung sogar zu 74 Prozent. "Es gibt Daten, dass auch Menschen über 50 Jahre vom zweiten Booster profitieren können", sagt Immunologe Luka Cicin-Sain vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung.

Die Stiko hat ihre Empfehlungen zu den neuen, angepassten Impfstoffen aktualisiert. Sie schützen vor schweren Erkrankungen, so der Präsident der Bundesärztekammer Reinhardt.

21.09.2022 | 06:12 min

Wer sollte sich nicht ein viertes Mal impfen lassen?

Wenn seit der letzten Corona-Infektion oder Impfung weniger als sechs Monate vergangen sind, rät die Stiko von einer Impfung ab. Denn eine Corona-Infektion kann wie ein weiterer Booster wirken: "Wenn man sich einige Zeit nach der dritten Impfung infiziert, dann steigen die Antikörper und T-Zellen wieder auf das Level an, auf dem sie nach der dritten Impfung waren", erklärt der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Reinhold Förster. Damit hätten alle dreifach Geimpften, die sich in den letzten Monaten infiziert haben, "eine vierfache Impfposition" - eine zusätzliche Boosterimpfung jetzt ist also sinnlos.
Förster weist außerdem darauf hin, dass es derzeit noch zu wenige Daten gibt, die zeigen, ob auch jüngere Menschen von einer vierten Impfung profitieren würden. Dies müsse immer gegen mögliche Nebenwirkungen abgewogen werden, die jede Impfung mit sich bringt - auch, wenn diese bei den Corona-Impfstoffen "extrem gering" seien, so Förster.

Kann sogar eine fünfte Impfung sinnvoll sein?

Über die empfohlenen Impfungen hinaus können Ärzte in besonderen Fällen sogar eine fünfte Impfung verabreichen: Laut Stiko-Empfehlung kann das bei besonders gefährdeten Personen sinnvoll sein, beispielsweise Hochbetagte, Bewohner von Altenpflegeheimen, Menschen mit Immundefizienz. Auch hier sollte der Auffrischimpfung ein Mindestabstand von sechs Monaten zur vorangegangenen Impfung oder Infektion vorangehen. In begründeten Fällen könne der Abstand auf vier Monate verkürzt werden, heißt es vom Robert-Koch-Institut.

Kann man auch zu oft geimpft werden?

Stiko-Chef Mertens betonte unter anderem im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update", dass eine Impfung keine Lakritze, sondern "ein medizinischer Eingriff" sei, für den es eine entsprechende Indikation geben müsse. Zudem verwies die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bereits im Januar darauf, dass mehr als zwei Boosterimpfungen innerhalb relativ kurzer Zeit die Immunreaktion des Körpers beeinträchtigen könnten.
Es gebe aber keine Studien, die gezeigt hätten, dass Menschen nach einer vierten Impfung weniger geschützt seien, so Reinhold Förster. Wenn jedoch innerhalb kurzer Zeit mehrere Impfungen verabreicht werden, könne theoretisch die Gefahr einer Gewöhnung bestehen, erklärt Förster - das Immunsystem würde die ​Informationen des Impfstoffs möglicherweise "tolerieren" und nicht mehr wie gewünscht reagieren, um den Körper zu verteidigen. Dieses Risiko sei jedoch "extrem unwahrscheinlich".
Die Gefahr einer Art "Überimpfung" sehen Expertinnen und Experte aber nicht. "Eine 'Überimmunisierung' kann es im Prinzip nicht geben", sagt die Würzburger Immunologin Marina Prelog. Ideal wären aber ein Abstand von drei bis sechs Monaten zwischen den Erreger-Kontakten oder Impfungen.
Immunkranke profitieren eher von engeren Abständen, bei Immungesunden sind ca. 6 Monate ideal.
Martina Prelog, Immunologin
"Es macht also keinen Sinn, jemanden alle drei Wochen zu piksen", sagt ihr Kollege Luka Cicin-Sain. Aber es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass das Risiko nach der Impfung größer ist, als die Risiken nach einer Durchbruchsinfektion.

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