: Booster-Impfungen: Vorbild Israel?

von Pia Steckelbach
27.10.2021 | 18:01 Uhr
Als erstes Land impft Israel seit fast drei Monaten seine Bevölkerung mit einer dritten Impfdosis. Die niedrigen Zahlen zeigen Wirkung - besonders bei den Schwerkranken.
In Israel werden Auffrischimpfungen verteilt - zuerst bei den Älteren, doch mittlerweile können fast alle ihre dritte Impfung bekommen.Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Seit dem 30. Juli wird er in Israel verabreicht: der sogenannte "Booster-Shot", die dritte Impfung. Zunächst wurden nur Menschen über 60 Jahren zur Immunisierung aufgefordert, mittlerweile jeder über zwölf.
Aktuell sind in Israel fast vier Millionen Menschen dreimal geimpft - bei einer Bevölkerung von etwa neun Millionen Menschen. Am Dienstag gab es insgesamt 10.914 Corona-Fälle im Land, davon sind aber nur 226 schwer erkrankt. 180 von ihnen sind nicht geimpft. Die niedrigen Zahlen beweisen die Wirksamkeit des Booster-Shots.

Befragung: Weniger Nebenwirkungen bei dritter Impfung

Die Chefin der Abteilung für Qualität, Forschung und Digitales der Krankenversicherung Maccabi, Anat Ekka Zohar, betont, dass die dritte Impfung besonders die schweren Krankheitsverläufe verhindert. Auch gegen die Delta-Variante zeige sie sich wirksam. Zohar fordert alle infrage kommenden Menschen auf, den Booster-Shot in Anspruch zu nehmen. Darin sieht sie die einzige Möglichkeit, eine erneute Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Die Nebenwirkungen sollen bisher nicht anders ausfallen als bei den ersten beiden Impfungen: Viele klagen über Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Unwohlsein. Laut einer Befragung der israelischen Krankenversicherung Clalit treten bei der dritten Impfung sogar weniger negative Begleiterscheinungen auf.

Israelis brauchen den Grünen Pass

Wie die ersten beiden Impfungen ist auch der Booster-Shot an Vorteile im gesellschaftlichen Leben Israels gebunden: Zu Beginn des Monats wurde ein neuer "Grüner Pass" eingeführt. Den Pass braucht man, um etwa an Veranstaltungen in geschlossenen Räumen teilnehmen zu können, Restaurants zu besuchen oder Universitäten zu betreten.
Er wird allerdings nur an Personen der für die Impfung berechtigten Altersgruppe ausgestellt, wenn sie den Booster-Shot wirklich bekommen haben. Wichtig ist dabei, dass die zweite Impfung länger als sechs Monate zurückliegt. Zweimal Geimpften, deren Impfung innerhalb des letzten halben Jahres erfolgt ist, wird der Pass ebenfalls ausgestellt. Er verliert seine Gültigkeit aber, sobald der Booster-Shot fällig wird.

Israel ist Vorreiter beim Impfen

Der "Grüne Pass" besteht aus einem QR-Code, dessen Aktualität beim Abscannen festgestellt wird. Das Gesundheitsministerium verlängert die Pässe automatisch. Allerdings nur, wenn die dritte Impfung im System vorliegt. Doch bei der Durchsetzung der Kontrollen gibt es noch Schwierigkeiten. An vielen Orten werden die Pässe nur mangelhaft geprüft.
Israel plant außerdem, in wenigen Wochen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zum ersten Mal zu impfen. Das Land folgt damit der Entscheidung der amerikanischen Behörde für Arzneimittelüberwachung, FDA. Diese hatte den Biontech/Pfizer-Impfstoff am Dienstag für Kinder genehmigt. Israel ist seit Beginn der Pandemie weltweiter Vorreiter im Impfen.
Obwohl fast 60 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft sind, steigt die Zahl der Neuinfektionen, der schweren- und der Todesfälle. Zukünftig gilt eine Quarantänepflicht von sieben Tagen für alle Einreisenden, auch für vollständig Geimpfte.

Maskenpflicht wurde wieder eingeführt

Dafür waren die Einschränkungen für die Bevölkerung in der Hochphase der Pandemie vergleichsweise streng. Drei strikte Lockdowns mit Ausgangssperren und Homeofficepflicht liegen hinter den Israelis. Als eines der ersten Länder hatte Israel die Maskenpflicht in Innenräumen im Juni für kurze Zeit abgeschafft, wurde dann aber von der Delta-Variante getroffen und führte sie schnell wieder ein.
Darüber hinaus gibt es aber kaum mehr Einschränkungen für Geimpfte. Israels Grenzen werden wahrscheinlich ab November für Touristen unter bestimmten Voraussetzungen wieder geöffnet. Nach anderthalb Jahren strikter Einreiseregeln ist das die Hoffnung vieler Israelis, die im Tourismus-Sektor ihren Lebensunterhalt verdienen.
Quelle: ZDF

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