: Wie sich die Ausflugsziele abriegeln

von Oliver Klein
09.01.2021 | 13:06 Uhr
Die Sonne scheint vielerorts, die Mittelgebirge sind tief verschneit - in den Ausflugszielen wachsen die Sorgen vor einem erneuten Massenansturm. Sperrungen sollen das verhindern.
Die Stadt Winterberg im Sauerland hat aufgerüstet. Die Zahl der Mitarbeiter des Ordnungsamts wurde um das Dreifache erhöht. Unterstützt werden sie laut einer Pressemitteilung durch die Polizei, die Freiwillige Feuerwehr, private Sicherheitsdienste und freiwillige Helfer - ehrenamtlich versorgt von der Winterberger Gastronomie. Ihre Mission: Diesmal das Chaos der vergangenen Wochenenden zu verhindern, das Tagestouristen ausgelöst hatten.
Es herrscht ein Betretungsverbot für alle Rodelhänge und Skipisten im Stadtgebiet inklusive deren Parkplätze. Zufahrtsstraßen zu Wohngebieten wurden abgesperrt. Wer sich nicht an das Betretungsverbot hält, muss laut Ordnunsamt mit einem Bußgeld von 250 Euro rechnen.

Besucheransturm trotz aller Appelle

Die Stadt war dem beispiellosen Besucheransturm der vergangenen Wochen nicht mehr gewachsen. Teilweise hatte sich der Verkehr auf den Straßen nach Winterberg auf insgesamt 45 Kilometern gestaut.
Parkplätze waren hoffnungslos überfüllt, auf den Hängen konnten Mindestabstände der Menschen nicht mehr eingehalten werden. Ein Appell der Stadt bei Facebook - "reist nicht mehr an oder dreht um" - half wenig.

Orte im Thüringer Wald, Taunus, Rhön, Vogelsberg machen dicht

Ein ähnliches Bild in anderen Mittelgebirgsregionen Deutschlands: Der Wintersportort Oberhof im Thüringer Wald wurde am Freitag weitgehend abgeriegelt. Die Zufahrten zur Stadt wurden gesperrt, die Polizei kontrollierte, wer mit berechtigtem Grund ins Zentrum fahren darf.
Im Vogelsberg bleibt die Zufahrt zum Hoherrodskopf und zur Herchenhainer Höhe gesperrt. Dort hatten Besucher an den vergangenen Wochenenden selbst Rettungswege zugeparkt, wie Landrat Manfred Görig dem Portal "Osthessen-News" berichtet.

Tagesbesucher im Taunus verursachten "nachhaltige Schäden"

Auch im Taunus sind etliche Straßen, Parkplätze und Wege gesperrt, teils auch wegen der Gefahr von Schneebruch und umstürzenden Bäumen. So hat die Stadt Schmitten beispielsweise die Zufahrten zum Feldberg abgeriegelt. Taunusstein sperrt Wohngebiete und zentrale Orte sowie Feld- und Waldwege.
Dort hätten Tagesbesucher am letzten Wochenende durch "rücksichtsloses Fahr- und Parkverhalten auch nachhaltige Schäden an Feldern, Privateigentum und Natur verursacht", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.
Es stehen weder ausreichend Parkplätze noch sanitäre Anlage zur Verfügung, um mit diesen Besuchermassen umgehen zu können. Wer zu Fuß in den Schnee kommt, kann gerne spazieren gehen, sofern Menschenansammlung in Hinblick auf die Corona-Pandemie vermieden werden.
Julia Lupp, Pressesprecherin der Stadt Taunusstein
In der Rhön sind laut Mitteilung der Stadt Gersfeld die Zufahrten zur Wasserkuppe und alle Parkplätze in der Umgebung gesperrt. Im Magazin "Spiegel" berichtet der Bürgermeister von Gersfeld, dass Schneetouristen ihn bereits beschimpften, keinen Abstand hielten und in Vorgärten pinkelten.

25.000 Euro Bußgeld für Verstoß gegen Betretungsverbot

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) kündigte verstärkte Polizei-Kontrollen in Wintersportgebieten an, beispielsweise im Hunsrück, wo mancherorts auch die Gefahr von Schneebruch besteht. Er riet von Ausflügen ab.
Vor allem mit Blick auf die dort am Montag in Kraft tretenden Verschärfungen des Shutdowns warnte Lewentz davor, das Wochenende "noch einmal besonders überschwänglich zu nutzen".
Die Sonne scheint vielerorts, die Mittelgebirge sind tief verschneit - in den Ausflugszielen wachsen die Sorgen vor einem erneuten Massenansturm. Sperrungen sollen das verhindern.
Ähnlich äußerte sich auch Tourismusminister Guido Wolf (CDU) aus Baden-Württemberg. Wer die bekannten Ausflugsziele ansteuere, der müsse damit rechnen, am Wochenende wieder nach Hause geschickt zu werden, sagte er.
Auch der Landkreis Holzminden im niedersächsischen Weserbergland verbot das Betreten vieler Rodelwiesen vorübergehend. Verstöße gegen die seit Freitag geltende Allgemeinverfügung sind hier besonders teuer: Fällig werden bis zu 25.000 Euro.
Quelle: mit Material von dpa

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