Was Schüler und Lehrer zur Abi-Debatte sagen

25.03.2020 | 21:27 Uhr
von Jan-Frederik Fischer und Nils Metzger
Eigentlich wollte Schleswig-Holstein die Abiturprüfungen ausfallen lassen. Das haben andere Länder gestoppt. Eine gute Entscheidung? Was folgt jetzt für Schülerinnen und Schüler?
Auch wenn die Schulen schließen mussten: Nach einer Einigung der Kultusminister sollen auch dieses Jahr Abiturprüfungen stattfinden. Sie sollen höchstens verschoben werden.
Die Corona-Krise wirbelt den Alltag Durcheinander - auch den vieler Schüler. Bislang ist vielerorts völlig unklar, wann der Unterricht wieder wirklich beginnt. Fest steht jedoch seit heute: Die Abiturprüfungen finden statt - und zwar bundesweit. Das hat die Kultusministerkonferenz (KMK) in einer Telefonschalte beschlossen.
Jetzt müssen sich Schülerinnen und Schüler doch auf ihre Abiturprüfungen vorbereiten. Diese finden für gewöhnlich über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg zwischen März und Mai statt - jedes Land hat ein eigenes Zeitfenster. Wann und wie sie aber in Zeiten der Corona-Krise stattfinden, sollen die Bundesländer jetzt einzeln auf Basis des Infektionsschutzes entscheiden. Dieser Beschluss wird kontrovers diskutiert.

Schleswig-Holstein scheitert mit Abi-Absage-Initiative

Ursprünglich war Schleswig-Holstein unter CDU-Bildungsministerin Karin Prien vorgeprescht und hatte eine komplette Absage der diesjährigen Abi-Prüfungen und die Erteilung eines Not-Abiturs auf Basis bisherigen Notenleistungen gefordert. Diesen Vorschlag hat die KMK deutlich abgelehnt.
In Schleswig-Holstein ist man mit dieser Entscheidung nicht glücklich: "Wenn die Prüfungen immer wieder verschoben werden, und danach sieht es jetzt aus, dann ist das eine Belastung für die jungen Menschen", sagt Astrid Henke, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein. Mit Blick auf die Corona-Krise sagt Henke:
Es gibt jetzt schon genug Prüfungen anderer Art, denen sich junge Menschen im Moment stellen müssen.
Astrid Henke
Sie hätte eine Absage der Prüfungen präferiert. Doch habe man jetzt keine andere Wahl, als die Prüfungen abzuhalten. Denn: "Es bestand die Gefahr, dass Abschlüsse von anderen Bundesländern nicht anerkannt werden könnten. Die Anerkennung ist aber das Wichtigste." Henke kritisierte, dass der Vorstoß ihrer Landesregierung wohl politisch nicht gut geplant gewesen sei.

Warum war eine Entscheidung jetzt notwendig?

In Hessen und Rheinland-Pfalz laufen die Abiturprüfungen längst. Eine einheitliche Lösung zu finden, wird immer schwieriger, wenn manche Länder bereits Tatsachen schaffen. Eine Sorge von Lehrern und Schülern: Dass die Abschlüsse bei einer Abitur-Absage zwischen verschiedenen Ländern kaum vergleichbar seien.
Und die Schülerinnen und Schüler brauchen Planungssicherheit. Schon bald müssen sie sich um Ausbildungs- und Studieplätze bewerben. Das Abiturzeugnis darf da eigentlich nicht fehlen. Und obwohl das Coronavirus auch in Betrieben und Universitäten die Zeitpläne durcheinanderwirft, Absolventen sind besorgt, dass sie nicht rechtzeitig zum Stichtag die nötigen Dokumente erhalten.

Lehrer pro Abi-Beibehaltung, Schüler contra

Auf die Abitur-Prüfungen zu verzichten? "Das wäre zwar der einfachste, aber auch der ungerechteste Weg", erklärt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Denn würden einige Länder die Prüfungen ausfallen lassen, gäbe es einen Flickenteppich.

Die Abiturnoten - einige mit Prüfung, andere ohne - wären schwer zu vergleichen. Und: Schülern die sich schon länger gut vorbereitet haben würde die Chance genommen sich zu verbessern. Aus seiner Sicht ist es möglich, die Prüfungen - ein höchstmöglicher Gesundheitsschutz vorausgesetzt - zu organisieren.
Und die Schüler? Die schleswig-holsteinische Landesschülerinnensprecherin Anna Weigand sieht Probleme. Es gebe immer noch keinen endgültigen Fahrplan. Die Ungewissheit bleibt weiter: Was passiert, wenn die Fallzahlen weiter steigen?

Auch eine Verschiebung sieht sie kritisch. Denn:
Die meisten Absolventinnen haben bereits feste Pläne. So beginnt das Wintersemester an Hochschulen und Universitäten, die Ausbildung in den verschiedenen Betrieben bereits am 1. August.
Anna Weigand

Ferien könnten Prüfungen in die Quere kommen

Die Uhr tickt zu Ungunsten der Länder. Der Handlungsdruck auf die Länder ist unterschiedlich groß, weil ihre Schul- und Ferienzeiten unterschiedlich sind. Während etwa in Bayern oder Baden-Württemberg die schulfreie Zeit erst Ende Juli beginnt, ist Schleswig-Holstein rund Monat früher dran. Das erklärt auch, weshalb der Vorstoß zum Aussetzen der Abi-Prüfungen von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) kam.
Die Länder müssen jetzt schnellstmöglich entscheiden, unter welchen Umständen die Abschlussprüfungen stattfinden können. Die Sorge der Schülerinnen und Schüler, ob ein mögliches Not- oder Durchschnittsabitur anerkannt wird, ist vom Tisch. Die Unsicherheit, wann sie genau ihr Abitur ablegen werden, bleibt.

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