Europas Gesundheitssysteme unter Druck

09.10.2020 | 22:36 Uhr
In Europa steigen die Corona-Infektionszahlen. Das belastet auch die Gesundheitssysteme. Wie ist die Lage bei Deutschlands europäischen Nachbarn?
Quelle: ZDFDie Gesundheitssysteme in Europa sind angesichts der steigenden Infektionszahlen stark belastet.
Die Zahl der gemeldeten Ansteckungen mit dem Coronavirus in Europa steigt wieder deutlich an. Vielerorts sind die Kliniken bereits am Limit. Ein Überblick:

Spanien

Mit 850.000 Infektionen ist das Land besonders schlimm betroffen. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag zuletzt bei 115. In einer Woche starben 541 Menschen. Der Anteil der Covid-19-Patienten in den Kliniken steigt.
Landesweit gelten strenge Beschränkungen und Maßnahmen, auch Maskenpflicht im Freien. Viele Gebiete und Gemeinden sind abgeriegelt. Über die Hauptstadt verhängte die spanische Regierung am Freitag den Notstand. In Madrid und einigen Vororten dürfen die Menschen ihre Wohngemeinde nur mit triftigem Grund verlassen. Betroffen sind knapp 4,8 Millionen Menschen. Der Notstand soll zwei Wochen gelten.

Frankreich

In mehreren Großstädten wurde bereits die höchste Corona-Warnstufe verhängt - unter anderem in Paris, Lyon und Marseille. Gesundheitsminister Véran warnt, dass es noch schlimmer wird. Sorge herrscht über die Lage in den Pariser Krankenhäusern. Der Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen steigt.
"40 Prozent der Intensivbetten im Großraum Paris sind bereits belegt", so ZDF-Korrespondentin Christel Haas über die Corona-Neuinfektionen in Frankreich.
Die Regierung reagiert etwa mit Schließungen von Bars in den Regionen, in denen die Lage besonders ernst ist. Mit mehr als 20.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gab es heute einen Tageshöchstwert.

Tschechien

Ehemals ein Corona-Musterschüler, ist Tschechien nach den jüngsten Zahlen der EU bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zum traurigen Spitzenreiter geworden. Im Schnitt steckten sich binnen 14 Tagen rund 375 Menschen je 100.000 Einwohner an.
Die Regierung hat Kultur- und Sportveranstaltungen verboten. Sollte die Kurve nicht abflachen, fürchten Experten bald einen Engpass im Gesundheitssystem.

Großbritannien

Zu wenige Tests, ein Regel-Flickenteppich, marode Kliniken, Zehntausende Todesfälle: Der im Frühjahr selbst erkrankte Premier Boris Johnson steht zunehmend in der Kritik, ein schlechter Krisenmanager zu sein. Die Regierung spricht von einer "gefährlichen" Lage.
Besonders betroffen sind der Norden Englands, Schottland, Nordirland und Teile von Wales. Experten sehen vor allem in Nordengland die Kliniken vor dem Kollaps. Am Freitag meldeten die Behörden landesweit knapp 14.000 neue Fälle.

Italien

Das Land, das im März Europas Corona-Hotspot war, registrierte am Freitag 5.372 neue Ansteckungen. Der große Unterschied: Jetzt sterben pro Monat so viele Menschen an Covid-19 wie damals an einem Tag. Die Intensivstationen sind mit annähernd 400 Covid-Patienten nicht am Limit.
Rom verschärft ständig die Maßnahmen - nun gilt eine Maskenpflicht auch im Freien. Besonders stark kletterten die Werte am Freitag in der Lombardei und in Kampanien.
Mittlerweile steigt die Zahl der Corona-Neu-Infektionen in fast allen europäischen Ländern stark an. In Spanien und Frankreich wird derweil überlegt, den Notstand zu verhängen.

Niederlande

Im Land wurden am Freitag knapp 6.000 Neu-Infektionen gemeldet. Die Zahl der Patienten in Kliniken und auf Intensivstationen steigt schnell. Kliniken haben die Versorgung für andere Patienten drastisch reduziert und Hunderte Operationen abgesagt.
Innerhalb von sieben Tagen infizierten sich zuletzt 841 je 100.000 Einwohner. Vergangene Woche wurden im Schnitt 16 Tote am Tag gemeldet. Bürger und Experten fordern deutlich strengere Maßnahmen. Masken sind für öffentliche Räume zwar dringend empfohlen, bislang aber keine Pflicht.

Belgien

Die 14-Tage-Inzidenz - die Zahl an Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb zwei Wochen - lag zuletzt bei rund 281. In der Hauptstadt Brüssel sind Cafés und Bars nun für einen Monat geschlossen. Die Regierung verschärfte auch die landesweiten Regeln: Bürger dürfen pro Monat nur noch mit drei Personen außerhalb der Familie engen Kontakt pflegen. Um 23 Uhr ist Sperrstunde.
Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, unter der Überschrift Spanien: In einer Woche starben 1.330 Menschen - diese Zahl haben wir auf 541 korrigiert.
Quelle: dpa

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