Was Sie zum Coronavirus wissen müssen

06.04.2020 | 10:17 Uhr
Wie kann man sich gegen das Coronavirus schützen? Was sind die Covid-19-Symptome? Was müssen Arbeitnehmer beachten? Hier bekommen Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Das Coronavirus breitet sich aus: Antworten auf die wichtigsten Fragen.Quelle: DPA

1. Was sind die Symptome von Covid-19?

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann zu Symptomen wie Fieber, trockenem Husten und Erschöpfung führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Einige Erkrankte berichten auch von starken Kopfschmerzen oder Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Besonders ältere Menschen entwickeln nicht unbedingt hohes Fieber.
Laut RKI kann das Virus bei einem schweren Verlauf auch zu Atemproblemen und Lungenentzündung führen. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit in den meisten Fällen aber mild, teilweise sogar ganz ohne Symptome.
Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand im Schnitt 5-6 Tage, kann aber auch bis zu 14 Tage dauern. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

2. Wie ansteckend ist das Coronavirus?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt, lässt sich noch nicht gesichert angeben. Klar ist, dass sich das Virus durch Tröpfcheninfektion verbreitet. Dies kann beim Husten oder Sprechen geschehen, aber auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2: Begriffe im Überblick

Der Erreger, der derzeit für Schlagzeilen sorgt, wird landläufig Coronavirus genannt. Wissenschaftlich hatte er zunächst das Kürzel 2019-nCoV erhalten, später durch die WHO den offiziellen Namen "Sars-CoV-2". Das Kürzel "Covid-19", ebenfalls von der WHO vergeben, steht für die Lungenkrankheit, die das Virus auslösen kann.
  • "Sars" steht für Severe Acute Respiratory Syndrome, übersetzt: schweres akutes Krankheitsbild, das die Atmung betrifft.
  • "Covid" steht schlicht für Corona Virus Disease, also Coronavirus-Krankheit.
Der Erreger soll zudem deutlich infektiöser sein, als anfangs angenommen: Anders als beim eng verwandten Sars-Erreger vermehrt sich das Coronavirus auch im Rachenbereich. Bei den oberen Atemwegen ist der Ansteckungsweg deutlich kürzer, als wenn ein Erreger erst aus der Lunge heraus und in die Lunge eines anderen Menschen hinein gelangen muss.
Laut RKI wurden die Viren auch in Stuhlproben von Betroffenen gefunden. Ob sich Sars-CoV2 auch über das Verdauungssystem verbreiten kann, sei aber noch nicht klar.
Eine Übertragung des Virus über Oberflächen von Gegenständen ist noch nicht dokumentiert. Es ist aber nicht ausgeschlossen , dass es auch per Schmierinfektion übertragen werden kann, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Durch die geringe Überlebensdauer der Coronaviren in der Umwelt ist die fragliche Zeitspanne aber sehr kurz.

3. Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen?

Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützt Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen, eine "gute Husten- und Nies-Etikette" sowie circa zwei Meter Abstand zu Erkrankten, empfiehlt das RKI. Maßnahmen, die auch während der Grippewelle überall und jederzeit angeraten sind.
Von Nutzen könne sein, auf Umarmungen und Händeschütteln zu verzichten und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

Übrigens: Experten zweifeln daran, dass einfache Atemmasken einen guten Schutz vor dem Virus bieten. Die WHO empfiehlt, die Masken nicht als Vorbeugung für Gesunde, sondern für Patienten und Leute, die sich möglicherweise angesteckt haben, damit sie das Virus nicht verbreiten.

Der Virologe Christian Drosten ergänzt im NDR-Podcast, dass das Tragen von Schutzmasken auch als eine Art "Geste, Signal, als Höflichkeit" zu werten sei. Zudem hätte es einen wichtigen psychologischen Effekt. "Wenn viele in der Öffentlichkeit eine Maske trügen, werde man daran erinnert, dass die Lage ernst sei", so Drosten.

4. Wie wird eine Infektion mit dem Coronavirus behandelt?

Es gibt bisher keine Impfung oder Therapie zur Behandlung der Erkrankung. Die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden, zum Beispiel mit fiebersenkenden Mitteln, um bakteriellen Zusatzinfektionen vorzubeugen.
Ein Impfstoff könne zwar in drei bis vier Monaten entwickelt werden. "Aber dann braucht es eine klinische Erprobungsphase, die acht bis zehn Monate dauert. Wichtiger sind deshalb derzeit Arbeiten an einer Therapie", so Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts.
Die Entwicklung eines Impfstoffs dauert meist viele Jahre. Doch diesmal muss es schnell gehen.

5. Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Bei den bisher hauptsächlich aus China berichteten Fällen verliefen der WHO zufolge vier von fünf Krankheitsverläufen mild bis moderat. Bisher gibt es zudem relativ wenige Fälle bei Kindern, auch Schwangere scheinen keine Risikogruppe zu sein.
Bei einem Teil der Patienten kann das Virus zu einem schwereren Verlauf mit Atemproblemen und zu Lungenentzündungen führen. Das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod haben den Daten aus China zufolge Menschen über 60 Jahre und Menschen mit Grunderkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Immunschwäche, Diabetes und Erkrankungen des Atmungssystems.

Die Sterblichkeitsrate variiert von Land zu Land stark. Während in Italien bis zum 31. März 2020 etwa 11,4 Prozent der Erkrankten starben, errechnete Statista in Deutschland eine Fallsterblichkeit von etwa einem Prozent.

6. Warum haben Hamsterkäufe keinen Sinn?

Viele Supermarktketten melden Hamsterkäufe wegen des Coronavirus. Bilder von leeren Regalen werden verbreitet. Dabei sind übermäßige Vorräte gar nicht nötig. Im Gegenteil: Sie sind gefährlich. Denn: Wer vor leeren Regalen steht, neigt selbst zum Großeinkauf - aus diesem Herdenphänomen können dann wirklich Engpässe entstehen, die allein durch das Virus nie entstanden wären.
"Ich rate davon dringend ab, es wird keine Mangelsituation eintreten", sagt Nils Hübner vom Institut für Hygiene der Uni Greifswald. Nicht mal in Wuhan würde irgendjemand hungern müssen. "Die Lieferketten für Mehl und Nudeln sind keineswegs gefährdet", beruhigt auch Helmut Fickenscher, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

Dafür seien Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel vielerorts ausverkauft - eine Gefahr für Menschen, die etwa chronisch herz- oder lungenerkrankt sind oder unter Immunschwäche leiden.

7. Erhalte ich als Arbeitnehmer weiterhin meinen Lohn, wenn ich in Quarantäne bin?

Ja. Sowohl bei der Quarantäne einer Einzelperson als auch bei der Abriegelung einer ganzen Stadt ist der Lohn für Arbeitnehmer weiterhin gesichert.
Das Infektionsschutzgesetz sorgt in Deutschland dafür, dass für sechs Wochen nach Beginn des Verdienstausfalls das Entgelt weitergezahlt wird. Wenn die Quarantäne nach den sechs Wochen noch andauert, wird Krankengeld gezahlt.

Wenn der Arbeitgeber hingegen freiwillig sagt, er schließt den Betrieb, ist er verpflichtet, weiterhin den Lohn zu zahlen. Dies gilt auch dann, wenn die Schließung nicht freiwillig erfolgt ist. Situationen wie diese gehören zu seinem Betriebsrisiko.
Um Firmen und Arbeitsplätze zu schützen, hat die Bundesregierung einen Schutzschild eingerichtet: Von der Pandemie betroffene Unternehmen sollen in unbegrenztem Umfang Hilfen bekommen. Außerdem senkt die Regierung die Hürden für Kurzarbeit.

8. Wie kann ich mich auf häusliche Quarantäne vorbereiten?

Wer sich darauf vorbereiten will, zwei Wochen zu Hause in Quarantäne bleiben zu müssen, kann sich an einem Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) orientieren. Darin empfiehlt das BBK unabhängig von der Ausbreitung des Coronavirus "Maßnahmen zur Bevorratung von Lebensmitteln" im Sinne eines effektiven Selbstschutzes, so ein Sprecher des Innenministeriums.
Für die Versorgung einer Person für zehn Tage wird empfohlen:
  • 20 Liter Wasser
  • 3,5 kg Getreideprodukte, wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis
  • 4,0 kg Gemüse, Hülsenfrüchte im Glas oder Dosen
  • 2,5 kg Obst, Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier
  • 0,36 kg Fette, Öle

Wichtig sei es, bei der Vorbereitung auf die Haltbarkeit der Produkte, Allergien und Diät-Vorschriften zu achten.

9. Kitas und Schulen schließen - darf ich als Elternteil zuhause bleiben?

In allen Bundesländern findet seit Mitte März in den Schulen kein Unterricht mehr statt, auch Kitas sind zu. Eltern in sogenannten kritischen Berufen, wie Polizei, Feuerwehr, Krankenpflege oder Rettungsdienst, sollen weiterhin zur Arbeit gehen können. Für deren Kinder wurden Notbetreuungen eingerichtet.
Großeltern sollten nicht bei der Betreuung einspringen - ältere Menschen zählen zur Risikogruppe, bei denen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eher zu einem schweren Verlauf führen kann.
Das Bundesarbeitsministerium hat alle Arbeitgeber aufgerufen, pragmatische Lösungen mit ihren Beschäftigten zu finden. Auf die Schließung könne mit Homeoffice, kreativen Arbeitszeitmodellen, der Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten reagiert werden.
Da aber viele Eltern wegen der Kita- und Schulschließungen zu Hause bleiben müssen, will der Staat Entschädigung zahlen, wenn Familien deshalb Einkommen einbüßen. Die Regelung ist Teil eines großen "Sozialschutzpakets".
Eine Idee ist eine stufenweise Schulöffnung - mehr dazu im Video:
Virologe Alexander Kekulé hat sich dafür ausgesprochen, das Coronavirus langsam und vorsichtig von Jung nach Alt in die Bevölkerung zu bringen.

10. Weltweite Reisewarnung - was bedeutet das für bereits gebuchte Reisen?

Mittlerweile wurde eine weltweite Reisewarnung bis Ende April ausgesprochen, auf die die Veranstalter reagieren mussten: Pauschalreisen wurden abgesagt, Urlaubern steht eine Reisepreis-Rückzahlung zu. Allerdings wollen Tui und Co. ihre Kunden halten und machen teils besondere Angebote. Ein Überblick:
  • Tui: Beim Marktführer ruht das Reiseprogramm bis zum 30. April. Urlaub in dieser Zeit fällt aus. Wer bis zum 18. April eine Reise für Mai oder später bucht, kann diese 14 Tage vor Reiseantritt bis zum 30. April kostenlos wieder stornieren oder umbuchen, also solange die Reisewarnung gilt.
  • DER Touristik: Alle Reisen bis 30. April sind auch hier abgesagt. Denjenigen Kunden, die Urlaube mit einem Beginn im Mai geplant haben, bietet der Veranstalter eine kostenlose Umbuchung an, die spätestens zehn Tage vor Abreise erfolgen muss.
  • FTI: Der Veranstalter aus München hat ebenfalls alle Reisen bis 30. April storniert. Für Urlaube mit einem Starttermin zwischen 1. Mai und 30. Juni bietet FTI kostenlose Umbuchungen auf einen späteren Zeitraum an. Die Umbuchung müsse bis zehn Tage vor Abreise erfolgen.
  • Alltours: Der Veranstalter aus Düsseldorf hat alle Reisen bis einschließlich 30. April storniert. Wer eine Reise im Mai gebucht hat, muss erst einmal abwarten, ob dann noch für das gebuchte Urlaubsland eine Einreisesperre oder Ähnliches besteht.
Mehr zur Rückerstattung von Reisen im Video:
Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale erklärt, dass geplante Reisen, die durch das Coronavirus nicht angetreten werden können, "rückerstattet werden".
Mit Blick auf den Sommerurlaub müssen sich viele Urlauber aktuell aber gedulden. Niemand kann vorhersagen, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. An den bestehenden Reisebuchungen ändert sich erst einmal nichts. Wer jetzt vom Vertrag zurücktritt, zahlt aber entsprechend Stornokosten. Verbraucherschützer raten deshalb: Abwarten!
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