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Was Sie über Dexamethason wissen müssen

von Jan Schneider
17.06.2020 | 16:16 Uhr
Eine britische Studie belegt, dass ein Mittel gegen Entzündungen die Sterblichkeitsrate bei schweren Covid-19-Erkrankungen erheblich senkt. Das Wichtigste dazu im Überblick.
Quelle: dpaDexamethason - ein Hoffnungsschimmer in der Bekämpfung von Covid-19?
Mit euphorischen Worten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ergebnisse einer britischen Studie zur Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem Wirkstoff Dexamethason begrüßt. Es handele sich um einen "lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch", erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in der Nacht zum Mittwoch in Genf. Nach den Ergebnissen der Forscher kann Dexamethason die Sterblichkeit von schwerstkranken Covid-19-Patienten deutlich senken. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Welchen Patienten konnte geholfen werden?

Dexamethason kann laut der Studie vor allem Patienten helfen, denen Sauerstoff zugeführt werden muss. Die größte Verbesserung im Krankheitsverlauf fanden die Wissenschaftler bei Patienten, die künstlich beatmet werden mussten. Patienten, die Sauerstoff zum Beispiel über eine Maske oder Nasenbrille erhielten, profitierten ebenfalls. Diese Patienten sind besonders gefährdet. Während der Studie verstarben 41 Prozent der Patienten, die künstlich beatmet werden mussten. Bei denjenigen, denen Sauerstoff zugeführt wurde, lag die Sterblichkeitsrate bei 25 Prozent.
Bei Patienten, die keinen Sauerstoff benötigen, stellten die Forscher keine Veränderung nach der Behandlung mit Dexamethason fest.

Wie vielen Patienten wurden gerettet?

Bei den künstlich beatmeten Patienten sank die Sterblichkeitsrate nach der Behandlung mit Dexamethason um ein Drittel. Bei Patienten, die Sauerstoff bekamen, ging die Sterblichkeitsrate in 20 Prozent der Fälle zurück. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei der Behandlung mit Dexamethason im Mittel von je acht schwerkranken Covid-19-Patienten ein Todesfall verhindert werden könnte.

Wie wirkt Dexamethason?

Dexamethason wird seit über 50 Jahren eingesetzt und ist in vielen Medikamenten enthalten, die das Immunsystem unterdrücken, um allergische und entzündliche Prozesse zu stoppen. Es wird in der Neurologie, der Onkologie, bei Atemwegserkrankungen und in vielen anderen Bereichen genutzt. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Glucocorticoiden, zu denen etwa auch Kortison zählt.
Bei schweren Covid-19-Erkrankungen leiden die Patienten häufig an einer zu heftigen Entzündungsreaktion des Immunsystems. Die körpereigenen Abwehrzellen bekämpfen dann nicht nur die Coronaviren, sondern zerstören auch das Lungengewebe des Patienten. "Kortison ist ein klassischer Behandlungsansatz, um das Immunsystem zu unterdrücken", erklärt Prof. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt. Sie ist allerding überrascht, wie stark der in der Studie nachgewiesenen Effekt der Behandlung mit Dexamethason sei.
ZDF-Korrespondent Andreas Stamm berichte aus London über die erfolgreiche Studie mit Dexamethason:
Wissenschaftler in Großbritannien haben bestätigt, dass das preiswerte Medikament Dexa-Methason Corona-Kranken helfen kann. Dazu ZDF-Korrespondent Andreas Stamm aus London.

Ist das Medikament verfügbar?

Dexamethason ist bereits zugelassen und kann als Injektion verabreicht oder als Tablette eingenommen werden.

Was kostet die Behandlung?

Der Studienleiter Peter Horby betonte bei der Vorstellung der Studie, dass das Mediakament sehr preiswert sei. Je nach Hersteller und Dosierung kosten 100 Tabletten zwischen fünf und zehn Euro. Injektionslösungen sind teurer, hier kosten 100 Dosen zwischen 60 und 105 Euro.

Ist es klug, Dexamethason prophylaktisch einzunehmen?

Zur Frage, ob es klug sei, das Medikament profilaktisch einzunehmen, hat sich Professor Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie der München Klinik Schwabing, geäußert. Er vermutet, dass sich durch die Einnahme keine direkten Effekte auf die Viruslast im Körper erzielen lassen. "Auch eine prophylaktische Anwendung bei ambulanten Patienten mit wenig Symptomen kann aus dieser Studie in keiner Weise abgeleitet werden, da ausschließlich schwer symptomatische Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt benötigt hatten, behandelt wurden."
Quelle: Mit Material von AFP und dpa

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