Alles zu Corona-Impfstoffen im Überblick

28.02.2021 | 14:13 Uhr
Welche Impfstoffe sind zugelassen und wie wirken sie? In welcher Priorisierungsgruppe bin ich? Und bekomme ich durch die Impfung gesellschaftliche Privilegien? Fragen und Antworten
Immer mehr Impfstoffe werden zugelassen. Alles was sie dazu wissen müssen. Quelle: picture alliance / SvenSimon
Weltweit sind mittlerweile schon einige Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. In der EU wird bereits mit Biontech und Astrazeneca geimpft, während beispielsweise Johnson & Johnson noch auf die Zulassung für sein Vakzin wartet. Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Lagerung und benötigte Dosen: Alle wichtigen Fragen zu den einzelnen Impfstoffen, Terminvergaben und Priorisierung im Überblick.

Biontech/Pfizer

  • Funktion: mRNA-Impfstoff, der Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen Covid-19 anregen soll
  • Wirksamkeit: 95 Prozent vor Erkrankungen
  • Mögliche Nebenwirkungen: Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Schmerzen an der Einstichstelle
  • Lagerung: -70 Grad
  • Dosierung: Zwei Dosen werden benötigt

Astrazeneca

  • Funktion: Vektor-Impfstoff, der Immunsystem auf Coronavirus vorbereitet
  • Wirksamkeit: 70 Prozent vor Erkrankungen
  • Mögliche Nebenwirkungen: Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Schmerzen an der Einstichstelle
  • Lagerung: zwei bis acht Grad
  • Dosierung: Zwei Dosen werden benötigt

Moderna

  • Funktion: mRNA-Impfstoff, der Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen Covid-19 anregen soll
  • Wirksamkeit: 94,1 Prozent vor Erkrankungen
  • Mögliche Nebenwirkungen: Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle
  • Lagerung: -20 Grad, 30 Tage bei bis zu maximal acht Grad
  • Dosierung: Zwei Dosen werden benötigt

Johnson & Johnson

  • Funktion: Vektor-Impfstoff, der Immunsystem auf Coronavirus vorbereitet
  • Wirksamkeit: gegen moderate Symptome 66 Prozent, gegen schwere Verläufe 85,9 Prozent.
  • Mögliche Nebenwirkungen: Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle
  • Lagerung: zwischen zwei und acht Grad
  • Dosierung: Eine Dosis wird benötigt
noch nicht in der EU zugelassen

Sputnik V

  • Funktion: Vektor-Impfstoff, der Immunsystem auf Coronavirus vorbereitet
  • Wirksamkeit: 91,6 Prozent
  • Mögliche Nebenwirkungen: grippeähnlichen Symptome und Schmerzen an der Einstichstelle
  • Lagerung: zwischen zwei und acht Grad
  • Dosierung: Zwei Dosen werden benötigt
noch nicht in der EU zugelassen
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Wer wird wann geimpft?

Wer in Deutschland wann geimpft wird, regelt die Corona-Impfverordnung. Sie unterteilt Menschen, die beim Impfen priorisiert werden sollen, in drei Gruppen: höchste Priorität, hohe Priorität und erhöhte Priorität. Wer zu welcher Gruppe zählt, zeigt unsere Faktenbox:

Höchste Priorität:

  1. Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, die in stationären und teilstationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,
  3. Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen, sowie Personen, die im Rahmen der ambulanten Pflege Begutachtungs- oder Prüfungstätigkeiten ausüben,
  4. Personen, die in medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind, insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in den Impfzentren sowie in Bereichen, in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden,
  5. Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht, insbesondere in der Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Hinweis zur Priorisierung von unterschiedlichen Impfstoffen: Sofern Impfstoffe von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut ausschließlich für Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, empfohlen werden, sollen diese Personen vorrangig mit diesen Impfstoffen versorgt werden. Sofern für Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder das 65. Lebensjahr vollendet haben, von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut nur bestimmte Impfstoffe empfohlen werden, sollen diese Personen bei der Versorgung mit diesen Impfstoffen vorrangig berücksichtigt werden.

Hohe Priorität:

  1. Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht: Personen mit Trisomie 21, Personen nach Organtransplantation, Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung, oder mit psychiatrischer Erkrankung (insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie und schwere Depression), Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen, nicht in Remission befindlichen Krebserkrankungen oder Krebserkrankungen vor oder während einer Krebsbehandlung oder einer onkologischen Anschlussrehabilitation, Personen mit interstitieller Lungenerkrankung, COPD oder anderer, ähnlich schwerer chronischer Lungenerkrankung, Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c ≥58 mmol/mol bzw. ≥7,5 Prozent), Personen mit Leberzirrhose und anderer chronischer Lebererkrankung, Personen mit chronischer Nierenerkrankung, Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30), Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung ebenfalls ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 besteht,
  3. bis zu zwei enge Kontaktpersonen, 1) von nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Personen, die von dieser Person oder von ihrer rechtlichen Vertretungsperson bestimmt werden, 2) von schwangeren Personen, die von dieser Person oder von ihrer rechtlichen Vertretungsperson bestimmt werden,
  4. Personen, in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig oder psychisch behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,
  5. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf Sars-Cov-2 tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbaren Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste und in Sars-Cov-2-Testzentren,
  6. Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung öffentlicher Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sowie Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind,
  7. Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind,
  8. Personen, die in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 3 oder 4 des Infektionsschutzgesetzes untergebracht oder tätig sind.

Erhöhte Priorität:

  1. Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 besteht: Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen, Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen, Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertonie, Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen oder Apoplex und anderer chronischer neurologischer Erkrankung, Personen mit Asthma bronchiale, Personen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CED), Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c <58 mmol/mol bzw. <7,5 Prozent), Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 besteht,
  3. bis zu zwei enge Kontaktpersonen von nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Personen, die von dieser Person oder von ihrer rechtlichen Vertretungsperson bestimmt werden,
  4. Personen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen tätig sind, insbesondere in den Verfassungsorganen, in den Regierungen und Verwaltungen, bei den Streitkräften, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und in der Justiz und Rechtspflege, in den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland oder bei Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland,
  5. Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der Kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, im Bestattungswesen, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen,
  6. Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus Sars-Cov-2 tätig sind, insbesondere in Laboren, und Personal, welches keine Patientinnen oder Patienten betreut,
  7. Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind,
  8. Personen, die als Erzieher oder Lehrer tätig sind.
  9. Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

Quelle: Corona-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums vom 8. Februar 2021

Bundeskanzlerin Merkel hat zudem angekündigt, dass bis zum Ende des Sommers im September jedem Bürger in Deutschland ein Impfangebot gemacht werde soll.
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Wie bekomme ich einen Impf-Termin?

Das ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Die Terminvergabe wird telefonisch, über Online-Plattformen oder persönliche Einladungen per Brief organisiert.
Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen deutschlandweit an. Doch bei der Terminvergabe gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Verfahren – per Post, Telefon oder online.
In Rheinland-Pfalz etwa kann man sich über eine Hotline oder eine Webseite einen Termin geben lassen, auf diesen Wegen kann ein bestätigter Termin auch storniert werden. In Berlin wiederum erhalten Menschen entsprechend der Priorisierung eine Einladung per Post - darin ein Code, mit dem sie dann online oder per Hotline einen Termin vereinbaren können.
Doch bei der Terminvergabe hakt es oft. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat ergeben, dass 29 Prozent der Befragten, die versucht haben, für sich oder andere einen Termin zu vereinbaren, 50 oder mehr Anläufe unternehmen mussten.

Bekomme ich durch die Impfung gesellschaftliche Privilegien zurück?

Der Deutsche Ethikrat lehnt eine Lockerung der Corona-Regeln für Menschen, die bereits gegen das Virus geimpft sind, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. In einer Stellungnahme heißt es aber, es könne Gründe geben, dass sich für Geimpfte in bestimmten Bereichen andere Regeln ergeben. Dies könne gelten
  • langfristig für die Privatwirtschaft und
  • kurzfristig in stationären Einrichtungen für pflegebedürftige und behinderte Menschen.
Jedoch will die EU schon bis zum Sommer einen digitalen Impfpass einführen, um Geimpften unter anderem das Reisen wieder zu ermöglichen. Die Politik ist in dieser Frage gespalten. Während die eine Seite Geimpften Freiheitsrechte zurückgeben möchte, befürchtet die andere durch Impf-Privilegien eine "Impfpflicht durch die Hintertür". Entschieden ist derweil noch nichts.
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Quelle: dpa, AFP, ZDF

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