Die Corona-Krise hilft dem Klima, aber ...

von Maike Wurtscheid
24.05.2020 | 13:32 Uhr
Emissionen sinken, Smog verschwindet, Gewässer werden klar: Die Corona-Krise bietet der Natur eine Atempause. Von Dauer wird sie allerdings nicht sein.
Der Lockdown hat positive Folgen: Weniger Flüge, weniger Autofahrten senken den CO2-Ausstoß. Die Umwelt atmet auf. Doch wird die Erholung auch von Dauer sein?
Spektakuläre Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA zeigen: Die Konzentration des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid (NO2) ist in den letzten Wochen drastisch zurückgegangen. In manchen Großstädten wie Mailand, Rom oder Barcelona um bis zu 60 Prozent. Das ist auch für den Leiter des Erdbeobachtungsprogramms der ESA, Josef Aschbacher, überraschend: "Es gibt Modellrechnungen, was theoretisch passieren könnte. Aber diese drastische Änderung jetzt zu sehen, ist etwas ganz anderes."

Stickstoffdioxid-Konzentration wird wieder steigen

Vor allem Verkehr und Industrie verursachen Stickstoffdioxid. Da sich NO2 nur ein paar Stunden in der Luft hält, machen sich Verbesserungen schnell bemerkbar - Verschlechterungen allerdings auch. Sobald Produktion und Verkehr wieder zunehmen, steigt auch die NO2-Konzentration schlagartig wieder an, prognostiziert Aschbacher.
Noch sorgt der Stillstand aber für beeindruckende Effekte. In Venedig sind die Kanäle neuerdings kristallklar, in Shanghai oder Neu-Delhi können die Einwohner ungewohnt häufig blauen Himmel sehen.

40 Prozent weniger Ultrafeinstaub

Am Frankfurter Flughafen ist die Konzentration von gesundheitsschädlichem Ultrafeinstaub um 40 Prozent geringer als vor der Corona-Pandemie. Die ultrafeinen Partikel werden vor allem bei Starts und Landungen von Flugzeugen in die Atemluft getragen. Viele Flüge fallen derzeit allerdings aus. Am Frankfurter Flughafen ist der Passagier-Betrieb um 97 Prozent zurückgegangen. Doch schon bald wollen die Airlines ihren Betrieb wieder hochfahren.
Normale Bedingungen erscheinen wieder absehbar. Trotzdem nutzen viele Städte den Corona-Stillstand zur Einleitung einer Verkehrswende. In Berlin sind im Rekordtempo Pop-Up-Radwege entstanden. In London soll erreicht werden, was in Brüssel schon funktioniert: fast autofreie Innenstädte. Auch Paris hat zentrale Straßen zu Fahrradzonen erklärt.

Waldrodungen in Brasilien nehmen zu

Alle Zeichen auf Fortschritt? Nein. Im Schatten der Corona-Krise macht der Umweltschutz mancherorts Rückschritte. In Brasiliens Regenwäldern ist der illegale Goldabbau lukrativer denn je, dank eines Goldpreises auf Rekordniveau. Und im Amazonas-Gebiet wurden von Januar bis März 1.200 Quadratkilometer Wald gerodet - 55 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.
Rekordhitze, Überflutungen, Dürre: normale Wetterphänomene oder bereits die Folgen des Klimawandels? Die Dokumentation mit Harald Lesch fasst den Stand der weltweiten Klimaforschung zusammen.
Bei genauem Hinsehen zeigen auch die weltweiten CO2-Werte: kein Grund zur Entwarnung. Denn obwohl die Emissionen von Januar bis April um acht Prozent sanken, erreichte die weltweite Konzentration aufgrund der langen Verweildauer des Treibhausgases im April einen neuen Höchststand.
Selbst, wenn wir alle CO2-Emissionen sofort stoppen, würde es Dekaden dauern, bis sich der Planet erholen würde.
Josef Aschbacher, Leiter des ESA-Erdbeobachtungsprogramms
Aktuelle Verbesserungen durch die Corona-Krise seien da nur ein kleiner Tropfen im großen Ozean.

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