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Statistik zum Krankenstand unter der Lupe

von Jan Schneider
01.05.2020 | 17:53 Uhr
Eine Zeitung schreibt von einer Explosion der Krankschreibungen während der Corona-Pandemie. Doch dabei spielt auch die Datenerhebung eine entscheidende Rolle. Ein Faktencheck.
Quelle: dpaEine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt oftmals bis Freitag einer Woche.
"Das Coronavirus treibt den Krankenstand in Deutschland auf Rekordwerte" berichtet die "Augsburger Allgemeine" und bezieht sich damit auf einen Bericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Viele weitere Medien, darunter auch ZDFheute, übernehmen die Meldung.
Demnach verzeichnete die GKV im April 43 Prozent mehr Krankschreibungen von Arbeitnehmern als im März. Absolut stieg die Zahl der wegen Krankheit arbeitsunfähigen, krankengeldberechtigten Mitglieder von 1,49 Millionen im März um über 640.000 auf 2,13 Millionen im April. Diese Daten der GKV liegen auch ZDFheute vor.

Zahlen sind nur "Stichtagserfassung"

Doch die Daten haben einen Haken, und ob das Coronavirus tatsächlich erst im April so einen starken Einfluss auf das Gesundheitssystem hatte, ist fraglich. Bei den Zahlen zum Krankenstand in Deutschland handelt es sich um eine Stichtagserfassung: Es wird in der amtlichen Statistik lediglich verglichen, wie viele Personen jeweils am 1. eines Monats krankgeschrieben waren. Nun ist der 1. Januar jedes Jahr ein Feiertag, die ersten Tage im Februar und März waren 2020 jeweils in Samstag und ein Sonntag.
Die Menschen in Deutschland dürfen sich bei leichten Atemwegserkrankungen nun zwei Wochen am Telefon krankschreiben lassen. Bisher bestand die Möglichkeit für sieben Tage.

Krankschreibung oft wochenweise

Der 1. April war der erste Werktag, der in die Statistik eingegangen ist. Auch die Pressestelle des GKV-Spitzenverbandes hält die Interpretation eines dramatischen Anstiegs des Krankenstandes auf Anfrage für gewagt.
Denn da Krankschreibungen in der Regel für je eine Woche gelten und häufig am Freitag enden, ist es fraglich, ob Corona wirklich für die "Explosion" der Krankmeldungen verantwortlich ist oder eher die statistische Schwäche der Datenerfassung in Kombination mit Monatsanfängen am Wochenende.

Belastbare Zahlen erst im Juni

Als ein möglicher Grund für den Anstieg wird in der "Augsburger Allgemeinen" genannt, dass sich wegen der Corona-Pandemie derzeit Arbeitnehmer mit Erkältungsbeschwerden per Telefon vom Arzt krankschreiben lassen. Diese Regelung gilt noch bis zum 18. Mai.
Einen realistischen Vergleichswert zu den hohen Zahlen im April wird es also wohl erst wieder im Juni geben, dann ist der erste Tag des Monats nämlich ein Montag und nicht wie im Mai ein Feiertag.
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