Hilft die Corona-Maske Kriminellen?

16.09.2020 | 08:47 Uhr
Ladendiebe, Taschenräuber und Schläger: Viele Delikte werden mittlerweile durch Gesichtserkennung aufgeklärt - der Mund-Nasen-Schutz könnte dabei ein Hindernis sein.
Zehntausende Recherchen werden laut Bundeskriminalamt pro Jahr mit einem Gesichtserkennungssystem durchgeführt.Quelle: dpa
Strumpfhose, Clown-Maske, Motorradhelm: Kriminelle haben sich schon alles Mögliche über den Kopf gezogen, um nicht erkannt zu werden. Nun, da ein Mund-Nasen-Schutz zum Alltag gehört, stellt sich die Frage: Spielt die Maskenpflicht zum Eindämmen des Coronavirus Straftätern in die Hände?
Corona-Alltagsmasken erschwerten zwar die Gesichtserkennung von Tätern oder Verdächtigen, sagt Bernhard Egger, Abteilungsleiter beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Das bedeute aber nicht, dass diese eine Identifizierung automatisch verhinderten.

Augenpartie ist wichtig

Bei der Gesichtserkennung komme es immer insgesamt auf die Qualität des vorhandenen Bildmaterials an, erläutert Egger. Auf die Entfernung der Kamera zur abgelichteten Person zum Beispiel oder auf die Pixelzahl. Und: Wichtig sei vor allem auch die Augenpartie.
"Natürlich: je besser das Bild, umso wahrscheinlicher die Identifizierung", sagt der Experte des LKA in München. Die Computersoftware sei in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Und man habe auch Bilder mit Masken, bei denen die Täter schon identifiziert worden seien.
Die Bilder von Videokameras, aber auch Handyfotos liefern das Material für die Gesichtserkennungssoftware.Quelle: Oliver Berg/dpa

2.100 Personen per Software identifiziert

Bilder haben eine wachsende Bedeutung bei der Ermittlung von Tatverdächtigen. Zehntausende Recherchen werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden pro Jahr mit einem Gesichtserkennungssystem durchgeführt. Im vergangenen Jahr seien damit mehr als 2.100 Personen identifiziert worden.
Liegt ein Bild eines mutmaßlichen Täters vor, wird dieses mit den Millionen gespeicherten Bildern der Datenbank abgeglichen. Die Arbeit übernimmt ein Algorithmus.

Maske gehört zur Täterbeschreibung

Zwar erschwere das Tragen von Schutzmasken das Wiedererkennen von Tatverdächtigen, "allerdings lassen Aufnahmen von Überwachungskameras grundsätzlich auch andere Merkmale zur Identifizierung zu", heißt es beim hessischen LKA. Beispielsweise Größe, Statur, Kleidung, Schuhe, die Fluchtrichtung sowie mögliche Mittäter.
"Da das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aktuell gesetzlich vorgeschrieben ist, ist zwangsläufig davon auszugehen, dass diese auch bei der Begehung von Straftaten eine Rolle spielt und somit auch als Teil der Täterbeschreibung zu erfassen ist", teilt das hessische LKA in Wiesbaden dazu mit.

LKA: Bisher wird Mund-Nasen-Schutz nicht missbraucht

Es seien auch bereits Straftaten mit dem Hinweis "Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung" oder "Maskierung des Täters" erfasst worden. Es könne aber keine Aussage darüber getroffen werden, ob die Täter die Corona-Masken gezielt einsetzten.
Man bekomme zwar schon Bilder und Videos, auf denen zum Beispiel Ladendiebe mit Masken zu sehen seien, berichtet der Leitende Kriminaldirektor Egger vom LKA in München. "Aber wir haben jetzt keine Hinweise, dass die Maske bewusst in Bereichen getragen wird, wo sonst keine Maskenpflicht wäre, um eine Straftatenverfolgung zu verhindern oder zu erschweren."
Quelle: Carolin Eckenfels, dpa

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