Wie auf Masken-Verweigerer zugehen?

von Jacqueline Vieth
30.08.2020 | 20:09 Uhr
Trotz Bußgeld: Es wird wohl weiterhin Menschen geben, die auf einen Mund-und-Nasen-Schutz verzichten. Wie kann man sie zum Umdenken bewegen?
Nicht Alle halten sich an die vorgeschriebene Maskenpflicht.Quelle: EPA
Die Maske am Hals oder lapidar unterhalb der Nase: Nicht immer wird da, wo ein Mund-und-Nasen-Schutz vorgeschrieben ist, auch einer getragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder haben sich zwar fast alle auf eine Strafe von mindestens 50 Euro bei Verstößen geeinigt.
Es ist aber davon auszugehen, dass es trotz Bußgeld und stärkerer Kontrollen weiterhin Personen geben wird, die keine Maske zum Schutz in der Corona-Pandemie tragen werden - ob absichtlich oder aus Vergesslichkeit. Wie kann man als Privatperson in der Öffentlichkeit auf sie zugehen und sie zum Einhalten der Maskenpflicht bewegen?
Die Einigung von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten im Überblick.

Durchatmen

"Bevor ich die Person anspreche, erst einmal durchatmen", sagt Gernot Barth. Der Mediator rät dazu, drei bis zehn Mal Luft zu holen, bis man zu reden anfängt. Und sich dabei zu verinnerlichen: "Nur wer eine andere Meinung hat oder sich anders verhält, ist nicht mein Feind." Diese Haltung helfe, eine gute Gesprächsgrundlage zu schaffen - nicht nur bei Maskenmuffeln.

Ich-Botschaften senden

Wie kann ich ein Gespräch beginnen? Nicht mit Vorwürfen, rät der Experte. Er empfiehlt, über sich selbst zu sprechen und mit Ich-Botschaften in das Gespräch zu gehen. Zum Beispiel: "Ich sehe, Sie haben keine Maske auf. Mir geht es schlecht damit."
Es sei wichtig, ohne einen Vorwurf in das Gespräch zu gehen, so Barth. Man kenne die Beweggründe des anderen nicht. Es könne schließlich sein, dass er oder sie schlicht vergessen habe, die Maske aufzuziehen. Wenn dem so ist, dann wird der- oder diejenige die Maske nun tragen, ohne dass es zu einem Konflikt gekommen ist.

Inhaltliche Diskussionen vermeiden

Was aber, wenn das nicht zum Erfolg führt und zum Beispiel der Mitfahrer in der Straßenbahn zu diskutieren anfängt? Über fehlende Studien zur Wirksamkeit der Maßnahmen? Bloß nicht in die Diskussion gehen, rät Barth, das führe nur zu Streit. "Sie können sicher sein, dass Sie so zu keinem guten Abschluss kommen. Es wird ganz sicher nicht passieren, dass Sie jemand Fremden in der Öffentlichkeit argumentativ überzeugen."
In einer solchen Situation Finger weg von der Sachebene und lieber sagen: "Es ist möglich, dass Sie recht haben. Vielleicht habe auch ich recht. Ich weiß es nicht," - auch wenn man es eigentlich besser weiß - und die Debatte auf sich und eine emotionale Ebene zurückbringen: "Wissen Sie, ich habe Angst, wenn ich auf engem Raum mit Menschen zusammen bin, die keine Maske tragen."
Immer noch kein Erfolg? Dann hilft nur noch: Rückzug und raus aus der Situation, rät Mediator Gernot Barth.
Bei der Ahndung von Verstößen gegen die Maskenpflicht befürchten Zugbegleiter Konflikte mit Fahrgästen. Die Zugbegleiter-Gewerkschaft fordert deshalb Kontrollen durch die Polizei.

Umgang mit Familie, Freundinnen und Freunden

Und im privaten Umfeld? Hier könne man versuchen, sich mit Zeit und Ruhe auf Sachebene auszutauschen. Allerdings mahnt der Mediator zur Vorsicht: "Es hilft nicht, darauf zu bestehen, dass man recht hat. Lieber sagen: Es kann auch sein, dass wir in ein paar Wochen wieder neue Erkenntnisse haben und neu entscheiden." Also auf die sich ständig verändernde Lage eingehen und anerkennen, dass man selbst auch nicht als Einzige oder Einziger allwissend ist.
Bis dahin aber an das Gemeinschaftsgefühl appellieren: "Das ist der Wissensstand, den wir gerade haben, deshalb haben wir uns gemeinsam darauf geeinigt. Vielleicht kannst du dabei ja mitmachen?" Im Zweifelsfall rät Barth aber auch hier zur emotionalen Ebene.
Ganz grundsätzlich müsse man abwägen, was einem wichtiger ist: "Familiäre Zusammenhänge zu erhalten oder sich an solchen Sachen zu entzweien."
"maybrit illner“ mit dem Thema "Masken, Tests und neue Strafen – was nützen die Corona-Regeln?" vom 27. August 2020, um 22:15 Uhr im ZDF.

No Go Moralkeule

Für beide Fälle gilt: Die Situation bloß nicht moralisieren und dem Gegenüber sofort vorwerfen, er oder sie handle verantwortungslos. "Das will sich niemand sagen lassen." Lieber offen in die Situation gehen und zuhören - und dann versuchen, eine Lösung zu finden.
Der Autorin auf Twitter folgen: @bunnytsukinoo

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