Wird Corona durch Mutationen gefährlicher?

von Oliver Klein
18.06.2020 | 19:37 Uhr
Der neue Corona-Ausbruch in Peking hängt vermutlich mit einer Mutation des Virus zusammen. Machen solche Veränderungen Sars-CoV-2 gefährlicher? Nicht unbedingt.
Wie andere Viren verändert sich auch Sars-CoV-2. Quelle: colourbox.de
Coronavirus ist nicht gleich Coronavirus. Wie alle anderen Viren auch, verändert sich Sars-CoV-2 immer wieder: Weltweit wurden bereits 100 verschiedene Variationen des Virus registriert, berichtet die Deutsche Welle.
"Die unterschiedlichen Virusvarianten sind einer der Gründe, warum die Infektionen in verschiedenen Regionen unterschiedlich schwer verlaufen", sagt der Virologe Albrecht von Brunn von der Ludwig-Maximilians-Universität München im Gespräch mit ZDFheute. Ein bestimmter Typ des Virus könne eben pathogener sein als ein anderer, so von Brunn.

Neue Virusvariante in Peking

Offenbar hängt auch der neuerliche Ausbruch des Coronavirus in Peking mit einer Virusvariante zusammen, die anders ist als der Typ, der das Land vorher heimgesucht hatte. Das sei das Ergebnis einer Analyse des Genstamms, berichtet Zeng Guang, Epidemiologe des Gesundheitsamtes nach Angaben der chinesischen Tageszeitung "Global Times".
Das neuartige Sars-CoV-2-Virus mutiert, wenn es sich vermehrt, wofür es eine Wirtszelle benötigt. Es ist weniger mutationsfreudig als andere Viren. Doch noch ist unklar, inwieweit es infektiöser ist und was das folglich für den Impfstoff heißt.
Doch wenn sich das Virus ständig weiterentwickelt, können dann Menschen nach überstandener Krankheit oder einer irgendwann möglicherweise durchgeführten Impfung dennoch auf Immunität bauen? Ja, sagt von Brunn: "Die Antikörper des Menschen reagieren auf die Proteine des Virus. Das Coronavirus hat um die 30 Proteine - auch wenn sich davon welche ändern, wird trotzdem schon irgendeine positive Immunantwort hängenbleiben."

Wie entstehen Viren-Mutationen?

Um sich zu vermehren, brauchen Viren die Zellen von Lebewesen. Sie docken an, schleusen ihre Erbinformationen ein und zwingen die Wirtszelle so, Millionen neue Viren zu produzieren. Bei diesem Kopiervorgang passieren immer wieder Fehler. So entstehen häufig Viren mit leicht veränderten Genen - also Mutationen. Erweist sich eine solche Mutation als vorteilhaft für die Vermehrung, kann sich das mutierte Virus natürlich sehr gut ausbreiten.
Wie sich das Coronavirus weiterentwickelt, ob es gefährlicher oder harmloser wird, können die Virologen nicht voraussagen. "Es kann in beide Richtungen gehen", so von Brunn.

Wie das Virus gefährlicher wird

Laut einer aktuellen Studie des Scripps Research Institute aus den USA, könnte Sars-CoV-2 durch eine Mutation ansteckender geworden sein. Diese Erkenntnis sei womöglich der Grund dafür, dass frühe Ausbrüche von Covid-19 weniger dramatische Folgen hatten als solche etwa in Italien oder New York, heißt es in der am Montag öffentlich gewordenen Studie.
Die Mutation - D614G genannt - erhöht die Zahl der "Stacheln" an dem Viruskörper teilweise um das Vier- bis Fünffache. Diese braucht das Virus, um andere Zellen zu befallen. Die D614G-Mutation gilt als eine der häufigsten Veränderungen, die beobachtet wurden.

Wie das Virus harmloser wird

Andererseits ist es genau so gut möglich, dass das Virus harmloser wird. Der Virologe Christian Drosten weist im NDR-Podcast darauf hin, dass beispielsweise auch Mutationen entstehen könnten, durch die das Virus "noch besser in der Nase repliziert und besser übertragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon".
Auf diese Weise würde die Corona-Pandemie, die derzeit noch die ganze Welt in Atem hält, auf lange Sicht ihren Schrecken verlieren. Sie wäre bloß noch ein harmloser Schnupfen.
Quelle: Mit Material von dpa, Reuters, AFP

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