Reisen aus Risikogebieten - Was gilt wo?

15.10.2020 | 14:06 Uhr
In Corona-Zeiten sind auch Reisen innerhalb Deutschlands kompliziert. Was gilt als Risikogebiet? Wo gelten welche Regeln? Ein Überblick.
"maybrit illner" mit dem Thema "Corona-Chaos – gerät die Pandemie außer Kontrolle?" vom 15. Oktober 2020, um 22:30 Uhr im ZDF.
In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen wieder drastisch an. Zur Eindämmung des Virus haben einige Bundesländer Beschränkungen für Reisende aus Gegenden mit besonders hohen Corona-Zahlen beschlossen. Vielen Urlaubern bereitet das Kopfzerbrechen: Wo gelten nun welche Corona-Regeln für Urlauber im Inland?

Was gilt als Risikogebiet?

Die Bundesländer gehen individuell mit der Ausweisung von innerdeutschen Risikogebieten um. Eine wichtige Grundlage dafür, ob eine Region als Risikogebiet eingestuft wird, ist die 7-Tage-Inzidenz, die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesen wird.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat der Verwaltungsgerichtshof hat das Beherbergungsverbot des Landes für Gäste aus deutschen Risikogebieten mit sofortiger Wirkung gekippt. Das Verbot greife in unverhältnismäßiger Weise in das Grundrecht auf Freizügigkeit ein und sei daher voraussichtlich verfassungswidrig, erklärt das Gericht. (Az. 1 S 3156/20) Es gab damit einem Eilantrag eines Urlaubers aus Nordrhein-Westfalen statt.

Bayern

In Bayern läuft das Beherbergungsverbot an diesem Freitag aus. Die Staatsregierung verzichte auf eine Verlängerung der Vorschrift, "wir belassen es dabei", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Damit endet das Beherbergungsverbot mit Ablauf des Tages. Zur Begründung sagte Herrmann, dass man darauf setze, dass die Länder die Beschlüsse der Bund-Länder-Vereinbarung aus dieser Woche umsetzten.

Berlin

Für die Einreise nach Berlin gibt es keine Beschränkungen. Der Senat hat noch kein Beherbergungsverbot beschlossen.

Brandenburg

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg stoppte das Beherbergungsverbot in Brandenburg für Gäste aus Corona-Hotspots vorläufig. Damit ist das Übernachtungsverbot in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätzen für Besucher aus Regionen in Deutschland mit über 50 neuen Infektionen je 100.000 Einwohnern in einer Woche vorläufig außer Kraft gesetzt.

Bremen

In Bremen gibt es kein Einreiseverbot und keine Quarantänepflicht für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten.

Hamburg

Es gibt in Hamburg kein Einreiseverbot für Menschen aus inländischen Risikogebieten. Übernachtungsgäste müssen schriftlich bestätigen, dass sie sich in den vorangegangenen 14 Tagen nicht in einem inländischen Risikogebiet aufgehalten haben. Gäste aus solchen Gebieten können übernachten, wenn sie ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Bei Verstößen droht Inhabern von Beherbergungsbetrieben ein Bußgeld von 500 bis 1.000 Euro.

Hessen

Es gibt kein Einreiseverbot. In Hessen gilt bereits seit einiger Zeit ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten außerhalb Hessens, wenn in dem Gebiet in den letzten sieben Tagen vor der geplanten Anreise die Inzidenz höher als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner war. Für Menschen, die ein ärztliches Attest vorlegen können, dass keine Anhaltspunkte für eine Corona-Infektion vorliegen, gilt das Beherbergungsverbot nicht.

Mecklenburg-Vorpommern

Menschen aus einem Risikogebiet dürfen theoretisch zum Urlaub nach Mecklenburg-Vorpommern kommen. Aber: Neben einem aktuellen negativen Corona-Test schreibt die Corona-Landesverordnung weiterhin eine 14-tägige Quarantäne unmittelbar nach der Einreise vor. Die Wartezeit kann durch das zuständige Gesundheitsamt verkürzt werden, wenn ein zweiter, selbst zu bezahlender Test nach fünf bis sieben Tagen ebenfalls negativ ausfällt.

Niedersachsen

Die Einreise innerhalb Deutschlands ist nicht beschränkt. Tagestourismus ist möglich. Es gelten keine Quarantänevorgaben für deutsche Risikogebiete. Ein Beherbergungsverbot wurde am Donnerstag vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in einem Eilverfahren für rechtswidrig erklärt. Zuvor war eine Beherbergung zum Beispiel nur mit einem höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test möglich.

Nordrhein-Westfalen

In NRW gibt es vorerst keine Einreisebeschränkungen oder Beherbergungsverbote für Urlauber aus innerdeutschen Corona-Hotspots.

Rheinland-Pfalz

Reisende, die aus einer Risikoregion im Ausland in Rheinland-Pfalz einreisen, müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben, wenn sie keinen negativen Corona-Test vorweisen können. Zunächst hatte es geheißen, diese Regelung solle auch für Risikoregionen im Inland gelten, doch der Beschluss, sowie ein zunächst ab Dienstag (13. Oktober) angekündigtes Beherbergungsverbot für Reisende aus inländischen Risikogebieten, wurde von Ministerpräsidentin Malu Dreyer wieder gekippt. Erste Erfahrungen und Rückmeldungen aus den Kommunen hätten große Zweifel an der Wirksamkeit aufkommen lassen, teilt die Landesregierung mit.

Saarland

Im Saarland gab es seit Ende Juni ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten. Am Donnerstagabend kippte die Regierung das Verbot. Von diesem Freitag an entfällt damit für Reisende aus innerdeutschen Hotspots die Pflicht, bei der Übernachtung einen negativen Corona-Test vorzulegen, der nicht älter als zwei Tage ist.

Sachsen

Die Einreise nach Sachsen ist erlaubt. Die Regierung kündigte am Donnerstag, 15.10. nach einem Gespräch mit Landräten und Bürgermeistern aus dem Freistaat an, das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten aufzuheben. Die Regelung soll ab Samstag gelten.

Sachsen-Anhalt

Die Einreise nach Sachsen-Anhalt ist erlaubt. Aber: Die Beherbergung von Personen aus Risikogebieten zu touristischen Zwecken ist verboten, außer der Gast kann ein Attest vorlegen, wonach es keine Anhaltspunkte für eine Covid-19-Erkrankung gibt.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gelten keine Einreisebeschränkungen. Ein Beherbergungsverbot besteht für gewerbliche Betriebe. Es gibt allerdings die Möglichkeit, einen negativen Corona-Test vorzulegen, der höchstens 48 Stunden alt ist.

Thüringen

In Thüringen gibt es keine Einreisebeschränkungen oder andere Beschränkungen für Menschen aus deutschen Risikogebieten.
Das RKI listet derzeit mehr als 60 Stadt- und Landkreise als Gebiete mit mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Datenstand: 16.10.2020).

Welche Regeln gelten in den Bundesländern?

Bei der Einreise und Beherbergung von Urlaubern aus Corona-Hotspots sind je nach Region andere Vorschriften in Kraft.
Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, hat sich im Zuge der Corona-Lage in Deutschland gegen eine Lockerung der Beherbergungsregeln ausgesprochen.
Quelle: dpa

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