Wie arbeitet das Robert-Koch-Institut?

11.05.2020 | 15:46 Uhr
von Nils Metzger
Das Robert-Koch-Institut soll Deutschland durch die Corona-Krise führen. Aber wie arbeitet es eigentlich, wer finanziert es, und welche Kritik gibt es an seinem Vorgehen?
Das RKI steht im Zentrum der AufmerksamkeitQuelle: dpa

Was ist die Aufgabe des Robert-Koch-Instituts (RKI)?

Mit der Auflösung des Bundesgesundheitsamtes 1994 wurde das RKI als Bundesoberbehörde zentral dafür verantwortlich, Deutschland vor Infektionskrankheiten und nicht übertragbaren Krankheiten zu schützen.
Dafür betreibt das RKI eigene Forschung, bildet neue Wissenschaftler aus, und unterhält zahlreiche Projektkooperationen mit Universitäten in Deutschland und weltweit.

Am RKI tagen auch eine ganze Reihe von Kommissionen, die bei der Erstellung von Standards und Handlungsempfehlungen für Ärzte, Gesundheitsämter und einfache Bürger das RKI beraten.
Im Video: RKI sieht steigende Ansteckungsrate
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts liegt die Reproduktionsrate nun bei 1,13. Statistisch gesehen steckt ein Infizierter im Schnitt damit mehr als eine Person an.

Wie funktionieren die Kommissionen des RKI?

Grundidee der Kommissionen ist Experten aus ganz Deutschland regelmäßig an einem Tisch zu versammeln.
Ein Großteil der Mitglieder wird vom Bundesgesundheitsministerium auf begrenzte Zeit berufen. Es handelt sich meist um Universitätsprofessoren, seltener aber auch um Mitarbeiter privatwirtschaftlicher Labore oder staatlicher Behörden.

Die Listen der Mitglieder können auf der Webseite des RKI eingesehen werden. Jede Kommission gibt sich eine eigene Geschäftsordnung.

An zentralen Dokumenten wie dem Nationalen Pandemieplan arbeiten mehrere, voneinander unabhängige Kommissionen. Deren Standpunkte zu koordinieren, ist eine der Aufgaben des RKI als Behörde. Diese Publikationen spiegeln dann auch nicht die Meinung eines einzelnen Forschers wieder, sondern versuchen einen Konsens der Experten abzubilden.

Von wem wird das RKI bezahlt?

Ein Großteil seiner Finanzierung erhält das RKI aus dem Bundeshaushalt. In den vergangenen Jahren waren das jährlich zwischen 91 und 112 Millionen Euro.
Darüber hinaus erhält das RKI in geringerem Umfang zweckgebundene Drittmittel von privaten Geldgebern. Diese Zahlungen müssen veröffentlicht werden. Der aktuelle Sponsoringbericht der Bundesregierung listet für die Jahre 2017 und 2018 folgende Zahlungen auf:
Aktuellere Spenden wurden noch nicht veröffentlicht, allerdings weist zum Beispiel die Bill und Melinda Gates-Stiftung auf ihrer Webseite eine Zahlung von 253.000 US-Dollar an das RKI für die Entwicklung eines Pocken-Impfstoffes im November 2019 aus.

Welche Kritik gibt es an der Unabhängigkeit des RKI?

Viele Wissenschaftler am RKI forschen parallel auch an anderen Instituten und Universitäten – das ist in der Wissenschaft üblich und soll den Wissenstransfer begünstigen.
Organisationen wie Transparency International kritisieren aber seit Jahren, dass das RKI unzureichend offen lege, welche finanziellen Verbindungen vor allem zwischen den Mitgliedern der am RKI ansässigen Kommissionen und Unternehmen bestehen.
Einzelne Gremien haben auf diese Kritik reagiert – die Mitglieder der Ständigen Impfkommission (STIKO) etwa müssen seit 2008 angeben, ob sie oder ihre Forschungsprojekte finanziell durch Unternehmen unterstützt werden. Dabei kam heraus, dass ein Großteil der Mitglieder direkte Kontakte zu Unternehmen und Organisationen haben, die sich mit der Entwicklung von Impfstoffen befassen.
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Warum kommuniziert das RKI nicht besser?

Das Rechercheportal Correctiv schreibt, das RKI erhalte aktuell 100 Presseanfragen täglich – deutlich mehr als in nicht-Krisenzeiten.
Der Informationsbedarf ist groß und nahezu täglich müssen neue Entwicklungen kommuniziert werden. Dieses Rampenlicht ist eine Herausforderung für eine Institution, deren Arbeit zuvor vor allem von Experten und weniger von einfachen Bürgern wahrgenommen wurde. So vorsichtig die Handlungsempfehlungen auf der RKI-Webseite und in den Pressekonferenzen formuliert sind - Neubewertungen etwa bei Schutzmasken oder der Frage der Obduktionen von Corona-Toten verwirren Laien schnell.
Auch in der Sendung Berlin direkt kritisieren mehrere Experten die Kommunikationsstrategie des RKI:
In der Corona-Krise sind Wissenschaftler extrem in den Fokus gerückt, haben an Einfluss gewonnen - so auch das Robert-Koch-Institut. An seinen Zahlen, Daten und Fakten orientiert sich die Bundesregierung und fällt politische Entscheidungen, wie Kontaktverbot oder Lockdown. Doch nun gerät das RKI zunehmend unter Druck. Der Vorwurf lautet: schlechte Kommunikation. Hätte der Lockdown vermieden werden können?
Das RKI sitzt als zentrale Meldestelle auf einem enormen Datenschatz. Diesen ungefiltert herausgeben, möchte es in vielen Fällen aber nicht. Das bemängelt ein Rechercheteam des NDR, das versuchte, regional aufgeschlüsselte Falldaten vom RKI zu erhalten.
Die langsame Verarbeitung der Corona-Meldedaten durch das RKI und die vorgeschalteten Meldeketten hat dazu geführt, dass viele Medien, darunter auch ZDFheute, inzwischen auf andere Datenanbieter zurückgreifen, die die Meldungen der lokalen Gesundheitsämter schneller bereitstellen.

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