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: Die neue Aerosol-Studie und was sie bedeutet

von Katja Belousova
12.08.2020 | 21:35 Uhr
Eine US-Studie hat zum ersten Mal nachgewiesen, dass Aerosole lebende Coronaviren enthalten können. Was bedeutet diese Erkenntnis für unseren Alltag?
Aerosole können durch Singen, Reden und sogar Atmen entstehen.Quelle: dpa
Dass Aerosole eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-Cov-2 spielen, haben Wissenschaftler längst angenommen. Eine neue Studie aus den USA, über die unter anderem der "Spiegel" berichtet, soll nun den Beweis dafür erbracht haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind Aerosole?

Aerosole sind sehr kleine Schwebeteilchen, in denen sich das neuartige Coronavirus befinden kann. Anders als Tröpfchen, die zu Boden fallen, können die unter fünf Mikrometer kleinen und leichteren Aerosole noch längere Zeit in der Luft stehen und ansteckend sein. "Diese Partikel, die sind in Flüssigkeit, in Wasser eingehüllt, und dieses Wasser verdunstet relativ schnell. Dadurch werden die Partikel noch kleiner", erklärte Christian Drosten in seinem NDR-Podcast. Er nimmt an, dass fast die Hälfte der Übertragung von Sars-Cov-2 durch Aerosole erfolgt.

Was macht die neue Studie besonders?

Einer Gruppe von Forschern der University of Florida ist es zum ersten Mal gelungen, Sars-Cov-2-Lebendviren in Aerosolen nachzuweisen. "Lebendviren und nicht nur das Genom von Sars-Cov-2 in Aerosolen zu isolieren, war bisher immer die Schwierigkeit", erklärt der Virologe Friedemann Weber von der Uni Gießen im Gespräch mit ZDFheute.
Beispiele von Übertragungen bei Chören hätten auf die Gefahr durch Aerosole beim Singen und lauten Sprechen hingewiesen. Jetzt gebe es den Beweis, dass die Schwebeteilchen tatsächlich lebende Viren enthalten können. Bisher wurden nur Coronavirus-Genome in Aerosolen nachgewiesen - diese können theoretisch aber auch von toten Erregern stammen.

Wie fundiert sind die Ergebnisse?

Das Team aus Florida hat Luftproben aus einem Raum mit nur zwei Patienten genommen - außerdem ist der Artikel bisher nur ein Preprint. Das bedeutet, dass er noch von anderen Wissenschaftlern bewertet werden muss. "Das hat natürlich noch keine statistische Robustheit und Signifikanz", sagt Weber. Es spreche aber trotzdem nichts dagegen, diese Studie als Fallbeschreibung zu veröffentlichen. Denn der Beweis von Lebendviren in Aerosolen sei in diesem Fall erbracht worden.

Was bedeutet das Studienergebnis für unseren Alltag?

Die Forscher fanden die Viren bis zu über vier Metern entfernt von den Patienten. Bedeutet das nun, dass wir noch mehr Abstandsregeln brauchen? "Ich bin mir nicht sicher, ob man so viel aus der Studie ableiten sollte, denn die Mengen an infektiösen Viren waren nicht sehr hoch", sagt Weber. Er ist vielmehr der Ansicht, dass die Studie den Sinn der geltenden Hygieneregeln unterstreicht - vor allem das Tragen von Masken. Denn Studien haben bereits gezeigt, dass Masken die Gefahr einer Übertragung durch Aerosole verringern können, auch wenn sie die Schwebeteilchen nicht zu hundert Prozent herausfiltern.

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