Ist das noch Fake oder schon Verschwörung?

von Katja Belousova
26.03.2020 | 17:38 Uhr
Krisen wie die jetzige befeuern Verschwörungstheorien. Dabei unterscheiden diese sich erheblich von reinen "Fake News". Doch wie widerlegt man die aktuellen Theorien?
Quelle: dpaGraffiti in Frankreich: Fake News und Verschwörungstheorien sorgen für Verunsicherung in der Bevölkerung.
Ist das Coronavirus durch den Verzehr von Fledermaussuppe auf den Menschen übertragen worden? Hilft regelmäßiges Wassertrinken dabei, den Erreger aus dem Rachen in den Magen zu spülen? Und wurde das Virus aus einem Labor in Wuhan gezielt auf die Menschheit losgelassen?
Die Antwort auf all das ist: Nein. Solche Thesen entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. ZDFheute hat diese und andere Corona-Mythen überprüft und widerlegt:
Sowohl die EU-Kommission als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben vor der Verbreitung solcher Falschinformationen rund ums Coronavirus gewarnt. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die Online-Netzwerke zu mehr Engagement im Kampf gegen Fake News aufgefordert.

"Infodemie" als Folge der Corona-Krise

Doch diese "Infodemie", wie die WHO sie bezeichnet, ist typisch für eine Krise, wie wir sie jetzt erleben: Je verunsicherter Menschen sind, desto empfänglicher werden sie für Fake News - und in der Folge auch für Verschwörungstheorien, sagt Professor Michael Butter von der Universität Tübingen. Er erforscht Mechanismen und die Geschichte von Verschwörungstheorien:

Im Fall des Coronavirus sind die "Bösewichte" mal die Bundesregierung, die der Bevölkerung die wahren Gründe für die Angst vor dem Virus verschleiert, und mal Wissenschaftler, die das Virus aus wirtschaftlichen Interessen auf die Welt losgelassen haben. Der Fokus auf eine Verschwörergemeinschaft ist der Kern einer jeden Verschwörungstheorie:

Eine weit verbreitete Fake News zum Coronavirus: die Annahme, dass das Virus bei einer Temperatur von 26 bis 27 Grad Celsius stirbt und nicht hitzebeständig ist. Dem hat die WHO klar widersprochen. Bei einer Ansteckung mit dem Virus sei die Temperatur nach aktuellem Erkenntnisstand unerheblich. Auch Menschen in warmen Regionen haben sich bereits mit dem Virus infiziert.

Ist Verschwörungstheoretikern mit Fakten beizukommen?

Deutlich schwieriger und zeitintensiver ist es hingegen, eine der vielen Verschwörungstheorien rund ums Coronavirus zu widerlegen. Denn dort laufen pauschales Misstrauen gegenüber Regierungen und Eliten gepaart mit einer Vielzahl von Verkürzungen und falschen Fakten zu einer komplexen Geschichte zusammen.
Michael Butter weiß, wie schwer es ist, Verschwörungstheoretiker von Fakten zu überzeugen:

Doch solche "Überzeugungstäter" stellen nur eine Minderheit dar im Vergleich zu all jenen, die den Theorien zwar etwas abgewinnen können, aber noch nicht vollends davon überzeugt sind. Mit diesen Menschen kann man durchaus diskutieren, sagt Butter.

Tipps im Kampf gegen Coronavirus-Verschwörungstheorien

Ihnen kann man Tipps an die Hand geben, um Verschwörungstheorien besser zu erkennen:

Um eine Verschwörungstheorie zu widerlegen, ist es also wichtig, ihre verschiedenen Bestandteile zu erkennen und diese zu überprüfen. Dabei können die folgenden sechs Tipps hilfreich sein:

Tipps zum Umgang mit Fakes und Verschwörungstheorien

  1. Informieren Sie sich nicht über soziale Medien zum Stand der Coronavirus-Pandemie, sondern über die offiziellen Kanäle des Robert Koch-Instituts, der WHO oder des Bundesgesundheitsministeriums.
  2. Überprüfen Sie, ob bestimmte Aussagen, Zitate oder Informationen aus dem Zusammenhang gerissen wurden - etwa ob sie sich auf den lange bekannten Stamm der Coronaviren beziehen oder auf den aktuell grassierenden Erreger Sars-CoV-2.
  3. Überprüfen Sie die Quelle der Information. Ist sie vielleicht voreingenommen oder stammt von einem Kanal, der auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien spezialisiert ist?
  4. Viele seriöse Nachrichtenseiten haben Faktenchecks zu Mythen rund ums Coronavirus gemacht. Recherchieren Sie auch dort.
  5. Sollten Sie auf vermeintlich spektakuläre Bilder zum Coronavirus stoßen: Machen Sie eine Bilderrückwärtssuche bei Google oder Yandex. Dort kann man schnell erkennen, ob das Bild vielleicht schon länger im Internet steht und vor welchem Hintergrund es entstanden ist.
  6. Vergessen Sie nicht, auch den Faktor Zufall zu berücksichtigen. Denn die Tatsache, dass sich etwa das nationale chinesische Labor für Biosicherheit ausgerechnet in Wuhan befindet, ist kein Grund, darin die Quelle der aktuellen Pandemie zu vermuten.

Mehr über Coronavirus-Fake-News