Drosten: Schiller würde Maske tragen

08.11.2020 | 11:53 Uhr
Wissenschaft und Politik sind nicht immer im Einklang. Virologe Christian Drosten räumt in seiner Schillerrede Schwierigkeiten ein, appelliert aber zugleich.
Quelle: Christophe Gateau/dpa/ArchivDer Berliner Virologe Christian Drosten hielt die Festrede anlässlich Schillers Geburtstag.
Individuelle Freiheit und Verantwortung für die Gemeinschaft lassen sich laut Virologe Christian Drosten gerade in der Corona-Zeit nicht voneinander trennen. Drosten hielt vor dem Deutschen Literaturarchiv Marbach die Festrede zum Geburtstag von Friedrich Schiller.

Drosten: Schiller würde Maske tragen

Wissenschaftliches Arbeiten sei für politische Entscheider eine "regelrechte Zumutung". Während Politiker möglichst langfristige Rahmenbedingungen schaffen wollten, müssten Wissenschaftler auch Irrungen und Rückschläge in Kauf nehmen.
Der Dichter Friedrich Schiller würde nach Überzeugung von Drosten heute Maske tragen. In seiner online veröffentlichten Marbacher Schillerrede betont er, jeder sei aufgefordert, nicht nur aus Pflicht und Verantwortung zu handeln; auch Neigung und Lust gehörten untrennbar dazu. Drosten würdigt Schiller als "überzeugten Kämpfer für die Freiheit". Auch Forscher und Wissenschaftler wollten frei und unabhängig arbeiten und "keinem Fürsten, sondern der Erkenntnis dienen".

Pandemie "kein unabwendbares Schicksal"

Mit Blick auf die Covid-Erkrankung betont Drosten, die Pandemie sei "kein unabwendbares Schicksal". Die Menschen bestimmten durch ihr Verhalten selbst, ob sich die Lage verschlimmere oder verbessere. Für Schiller sei klar gewesen, dass persönliche Freiheit nicht losgelöst von der Gesellschaft gelingen könne. Das Virus könne nicht wegretuschiert werden, so Drosten.
Eine Herausforderung ergebe sich "aus dem begrenzten öffentlichen Verständnis für die Logik wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns". Der Weg dahin sei mit einer Expedition ins Unbekannte zu vergleichen, die Irrungen und Rückschläge einschließe. Für politische Entscheider sei das "wissenschaftliches Treiben eine regelrechte Zumutung", weil das politische Handeln einer grundlegend anderen Logik folge. Kurskorrekturen im Umgang mit der Pandemie sind für den Virologen "absehbar und naheliegend". Dass die Politik sie vollzogen habe, "spricht klar für und nicht gegen sie".

Schillerreden zum Dichter-Geburtstag

Die Schillerreden erinnern an den Geburtstag des Dichters Friedrich Schiller am 10. November 1759. Drosten hatte 2003 den Erreger von Sars entdeckt und gilt als Experte für Coronaviren. Bislang haben unter anderen auch Cem Özdemir, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Jan Philipp Reemtsma, Norbert Lammert, Monika Grütters, Jan Assmann und Richard von Weizsäcker eine Schillerrede gehalten.
Quelle: KNA, EPD

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