: Wie geht der Ausbau der Ladesäulen voran?

von Oliver Klein
22.06.2021 | 11:43 Uhr
Deutschland investiert Milliarden in neue Ladestationen. Wie geht der Ausbau voran? Wo wird am meisten investiert? Was sollten Verbraucher wissen? ZDFheute mit einem Überblick.
Ein Elektroauto wird an einer Ladestation geladen.Quelle: dpa
Die Umstellung vom Verbrenner- hin zum Elektroauto kommt mit großen Schritten. Die Anzahl der neu zugelassenen E-Autos hat 2020 nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) um über 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.
Auch die Hersteller rüsten um, das sind nur die Meldungen aus der vergangenen Woche: Audi will nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" schon ab 2026 keine neuen Verbrenner-Autos mehr vorstellen. Mercedes plant laut "Manager Magazin", etliche E-Autos ein Jahr früher auf den Markt zu bringen als ursprünglich vorgesehen.
Doch wer sich heute ein Elektroauto anschaffen will, kommt ins Grübeln: Wo lässt sich das Auto schnell und einfach aufladen? Die meisten Deutschen leben in Wohnungen und haben keinen Stellplatz, an dem sie eine private Ladestation installieren könnten - und sind so auf öffentliche Ladepunkte angewiesen.

Wie viele Ladepunkte gibt es - und wo?

Knapp 50.000 Ladepunkte gibt es hierzulande derzeit insgesamt. Doch das Netz ist löchrig: Die Website ladesäulenregister.de des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt einen umfangreichen Überblick über die aktuell verfügbaren Ladestationen in Deutschland. Während in den Ballungszentren noch vergleichsweise viele Lademöglichkeiten verfügbar sind, gibt es auf dem Land oft Gegenden, in denen die nächste Ladesäule 30 Kilometer und mehr entfernt ist.
Andererseits: Auch das Tankstellen-Netz ist auf dem Land weniger dicht - und mehr Menschen leben in Einfamilienhäusern, wo sie einfacher die Möglichkeit haben, eine sogenannte "Wallbox" zum Laden des Autos zu installieren.
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Wie wird die Infrastruktur ausgebaut?

Deutschland will massiv aufrüsten. Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung: eine Million Ladepunkte bis 2030. Der Bund hat eine Reihe von Gesetzen erlassen, um die Lade-Infrastruktur zu verbessern:
  • Das Bundesverkehrsministerium will bis Ende 2025 den weiteren Aufbau von Ladesäulen mit rund sechs Milliarden Euro finanzieren.
  • Vor allem Schnellladen soll massiv gefördert werden: Im Sommer sollen 1.000 solcher Stationen ausgeschrieben werden. Bei dem "Deutschlandnetz" genannten Konzept handelt es sich um rund 1.000 Standorte mit jeweils mehreren Ladepunkten. Außerdem soll bis Ende 2022 Schnellade-Infrastruktur mit mindestens 150 kW an einem Viertel der Tankstellen, bis Ende 2026 an drei Viertel der Tankstellen verfügbar sein. An Schnellladesäulen lassen sich die Batterien in relativ kurzer Zeit aufladen. 
  • Bezahlen an öffentlich zugänglichen Ladesäulen soll einfacher werden, Ladesäulenbetreiber künftig mindestens eine kontaktlose Zahlung mit Kreditkarte anbieten. Dieses Gesetz muss allerdings noch durch den Bundesrat.
  • Die Bundesregierung hat Gesetze erlassen, nach denen Mieter mit einem eigenen Stellplatz einen Anspruch darauf haben, eine Wallbox installieren zu dürfen. Parkplätze an neuen Gebäuden sollen künftig mit Schutzrohren für Elektrokabel ausgestattet werden, an "Nichtwohngebäuden" muss ab 2025 mindestens ein Ladepunkt errichtet werden.
Die deutsche Autoindustrie ist Arbeitgeber für Millionen und eine wichtige Stütze des Wohlstands - auch dank ihrer guten Beziehungen zur Politik. Dann kommt die Krise.

Wie kann ich mein Auto laden, wenn ich keinen Stellplatz habe?

Beim Laden von E-Autos werde es weiterhin einen "bunten Mix" geben, erklärt Matthias Vogt, ADAC-Experte für Elektromobilität.
Die größte Herausforderung besteht bei den Leuten, die keinen festen Stellplatz haben, die an der Straße parken.
Matthias Vogt, ADAC-Experte für Elektromobilität
Doch selbst in diesen Fällen gebe es immer öfter die Möglichkeit, das Auto beim Arbeitgeber zu laden - oder bei nur geringen Fahrleistungen ein- bis zweimal die Woche an öffentlichen Ladestationen, so Vogt. Das gehe bisher ganz gut, "aber je mehr Leute das sind, desto mehr öffentliche Ladesäulen braucht man".
Vogt ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden: In den letzten Jahren habe das Fördergeld bereits vieles bewirken können beim Aufbau der Ladeinfrastruktur, sagte er im Gespräch mit ZDFheute.
Jetzt kommen die Autos. Und das wird ein Rennen geben. Wer legt jetzt mehr zu: die Autos oder die Infrastruktur?
Matthias Vogt, ADAC-Experte für Elektromobilität
Strom tanken ist für Fahrer eines E-Autos nicht einfach – Anschlüsse bleiben oft Mangelware. Mit bis zu 900 Euro fördert nun die KfW den Einbau von privaten Ladestationen.

Führen mehr Ladesäulen zu mehr E-Autos?

All die Maßnahmen zum Ausbau und Verbesserung der Ladeinfrastruktur könnten die Elektromobilität in Deutschland deutlich beschleunigen - das ist das Ergebnis einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, die im Februar veröffentlicht wurde.
Demnach führen zusätzliche Ladepunkte zu einer signifikanten Zunahme von E-Autos, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten. Der Effekt von Schnellladestationen auf die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen könnte demnach sogar vier mal so groß sein.

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