: Brasiliens Jugend beginnt zu kämpfen

von T. Käufer und R. Samuel
02.05.2021 | 09:07 Uhr
Die Klimaschutzbewegung gewinnt in Brasilien an Kraft. Und das in einer Zeit, in der wichtige Weichenstellungen zum Schutz des Amazonas-Regenwalds vorgenommen werden sollen.
Gewinnt zunehmend an Stellenwert: Fridays for Future in Brasilien (Archivbild)Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Bislang ist Fridays for Future vor allem eine Bewegung, die in den wohlhabenden Staaten der Welt großen Zulauf hat. In Lateinamerika hat die Klimaschutz-Initiative um Greta Thunberg bislang noch keine solche Wucht entfaltet wie zum Beispiel in Europa.
Das liegt daran, dass für die Jugendlichen in diesem Teil der Welt oft das eigene Überleben erst einmal den Tagesablauf bestimmt. Soziale Fragen, wie Zugang zu Schul- und Universitätsbildung, zum Arbeitsmarkt und die Sicherheitslage, prägen die Diskussion.

Verpflichtung zur Umwelterziehung aus Lehrplan gestrichen

Dass Friday for Future in Brasilien noch keinen so großen Stellenwert hat, begründet die 26-jährige Renata Padilha aus Porto Alegre im Gespräch mit ZDFheute damit, dass das brasilianische Bildungssystem qualitativ nicht gut ausgestattet sei und falsche Schwerpunkte setze: "Hier im Bundesstaat Rio Grande do Sul wurde zum Beispiel die Verpflichtung zur Umwelterziehung aus dem Schulprogramm gestrichen."
Aktivistin bei Fridays for Future Brasil: die 26-jährige Renata Padilha.Quelle: Foto: Privat
Die Konsequenzen seien, dass das Thema Umweltschutz nicht bis zu den Menschen durchdringe. Renata Padilha erklärt das so:
Die Medien sprechen nicht über das Thema, die Schulen nicht und es existiert in der Gesellschaft keine Debatte.
Renata Padilha, Klimaaktivistin
Es fehle "in den brasilianischen Medien an einer eigenen Bereitschaft über diese Thematik zu berichten und auch daran, den Jugendlichen Raum zu geben".

Abholzung des Amazonas-Regenwalds schreitet rasant voran

Doch inzwischen beginnt auch in Lateinamerika die Debatte um den Klimaschutz Fahrt aufzunehmen. Grund dafür ist vor allem die umstrittene Amazonas-Politik von Brasiliens rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der seit Beginn seiner Amtszeit Umweltvorschriften lockerte, die entsprechenden Umweltbehörden schwächte und in dessen Amtszeit die Abholzung wieder spürbar zunahm.
Zwar hat unter Bolsonaro die Abholzung nicht so verheerende Ausmaße erreicht, wie unter Ex-Präsident Lula da Silva (2003 - 2011). In dessen ersten beiden Amtsjahren wurde doppelt so viel abgeholzt, wie in den ersten beiden Jahren von Bolsonaro als Präsident. Dennoch: Auch unter Bolsonaro zeigt der Trend wieder nach oben.

Klimaktivisten warnen US-Präsident Biden vor Bolsonaro

In diesem Kontext wird die brasilianische FFF-Bewegung medial deutlich stärker wahrgenommen. Geographie-Student Marcelo Rocha (23) sagt:
Wir wollen, dass die Jugend an den Prozessen rund um die Klimapolitik beteiligt wird.
Marcelo Rocha, Klimaaktivist
Schließlich bestimme die Klimapolitik ganz erheblich die Zukunftsaussichten der jungen Generation. "Was wir wollen, ist ein klarer Kurswechsel der Regierung."
Um den Kampf um Umwelt- und Klimaschutz verstärkt in die brasilianischen Medien zu tragen, schrieb die Bewegung jüngst einen offenen Brief an US-Präsident Joe Biden, in dem sie vor dem brasilianischen Präsidenten warnt. Zu den Unterzeichnern gehören auch Marcelo Rocha und Renata Padilha.
23 Jahre alt und Klimaaktivist in Brasilien: Marcel Rocha.Quelle: Foto: Privat
"Die Regierung Bolsonaro ist der Feind der Umwelt", heißt es in dem Schreiben. Seit seiner Wahl seien Umweltschutzbehörden gezielt geschwächt worden, dieser Regierung sei nicht zu trauen. Der offene Brief schaffte es in die brasilianischen Medien, wurde sogar international zitiert. Ein erster Schritt ist gemacht. Querbindungen zu professionellen NGOs wie Greenpeace zeigen ihre Wirkung.

Wird Bolsonaro sein Versprechen halten?

Beim Klimagipfel von Joe Biden kündigte Bolsonaro ganz neue Töne an. Brasilien solle bereits 2050 klimaneutral wirtschaften, also zehn Jahre früher als bisher geplant.
Zudem sollen bis 2030 alle illegalen Abholzungen im Amazonas-Gebiet unterbunden und die Gelder für die zuvor geschwächten Umweltbehörden sofort verdoppelt werden. Versprechen, an denen sich Bolsonaro ab sofort messen lassen muss. Nun auch von Friday for Future Brasil.

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