35 Filialen schließen - Abschied voller Frust

17.10.2020 | 19:34 Uhr
Viele Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof hatten heute ihren letzten Arbeitstag. Bis Monatsende sollen 35 Filialen schließen. Ein Abschied voller Frust - und Wut.
Hunderte Mitarbeiter der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof haben gegen ihren Jobverlust protestiert. In Nordrhein-Westfalen gab es mehrere Aktionen vor den Kaufhäusern.
Bis zum Ende des Monats sollen bundesweit rund 35 Galeria Kaufhof und Karstadt Filialen schließen. Einige Häuser hatten bereits am Samstag zum letzten Mal geöffnet - für viele ein Abschied voller Frust. Hunderte Mitarbeiter der Warenhauskette haben auf die Schließung ihrer Filialen aufmerksam gemacht und dagegen protestiert. Dabei haben sie "ihr" Galeria symbolisch zu Grabe getragen.

Mitarbeiter in ganz Nordrhein-Westfalen betrauern "ihr Galeria"

In ganz Nordrhein-Westfalen waren Aktionen vor den Kaufhäusern geplant. In Essen war etwa eine Traueraktion mit Kranzniederlegung vor der Filiale geplant. Auch in Düsseldorf organisierte die Belegschaft eine Aktion gegen die Schließungen der Geschäfte. Einige Mitarbeiter trugen schwarze T-Shirts oder Trauer-Sticker.
In Düsseldorf machen Mitarbeiter der Warenhauskette ihrem Unmut besonders plakativ Luft.Quelle: dpa/Roland Weihrauch
Dort konnten die Beschäftigten ihrem Ärger zudem besonders plakativ Luft machen. Der bekannte Karneval-Wagenbauer Jacques Tilly unterstützte die Aktion. Er fertigte eine überlebensgroße Pappfigur an, die Firmeneigner René Benko darstellte. Mit Boxhandschuhen schlugen Mitarbeiter darauf ein, bis die Skulptur schließlich auseinander fiel.
Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat ihre Sanierungspläne bekanntgegeben: Demnach werden 62 der 172 Filialen geschlossen.

Verdi: "Traurige Mitarbeiter und berechtigte Wut auf die Geschäftsführung"

Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof trösten einander wegen der Schließung ihrer Filiale in Düsseldorf.Quelle: dpa/Roland Weihrauch
Für die meisten Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof war nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Samstag der letzte Tag. In Bonn und Essen waren die Lichter schon früher ausgegangen - nachdem die Regale leergekauft waren. Im Januar sollen sechs weitere Schließungen folgen. Besonders für kleine Städte darunter sind die Filialschließungen ein herber Rückschlag im Kampf um Publikumsverkehr in ihren Innenstädten.

Mit den rund 130 verbleibenden Warenhäusern will der angeschlagene Konzern schnell wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Die Gewerkschaft Verdi warf der Geschäftsführung indes Missmanagement vor. Gewerkschaftssekretärin Miriam Jürgens betonte, viele langjährige Mitarbeiter würden "berechtigte Wut" empfinden.
Viele sind nicht nur unendlich traurig über ihren Jobverlust, sie empfinden auch berechtigte Wut auf die derzeitige Unternehmensleitung.
Miriam Jürgens, Verdi
Bundesweit verlieren laut Verdi rund 2.500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. In Nordrhein-Westfalen sind von den Schließungen unter anderem Filialen in Essen, Dortmund, Hamm, Bonn und Düsseldorf betroffen.
Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will 62 ihrer Filialen schließen – darunter auch eine in Worms. ZDF-Reporter Bobby Cherian erklärt, was das für die Stadt bedeutet.
Quelle: dpa

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