Mysteriöser Satz stammt von Munch selbst

22.02.2021 | 17:12 Uhr
"Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!" Wie dieser Satz auf Edvard Munchs weltberühmtes Werk "Der Schrei" gekommen ist, darüber wurde lange gerätselt.
Untersuchungen des Gemäldes mit Hilfe von einer Infrarotkamera halfen, das Rätsel um den Schriftzug zu entschlüsseln. Quelle: dpa
Ein rätselhafter und kaum sichtbarer Schriftzug auf dem Original des Meisterwerks "Der Schrei" ist von Edvard Munch selbst auf das Ölgemälde geschrieben worden.

Kuratorin des Nationalmuseums bestätigt Untersuchung

Mit Hilfe von Infrarotaufnahmen fand das norwegische Nationalmuseum in Oslo heraus, dass der Satz von Munch persönlich stammt.
Es besteht kein Zweifel, dass die Inschrift Munchs eigene ist.
Mai Britt Guleng, Kuratorin
Die Handschrift an sich und Ereignisse der Entstehungszeit untermauerten diese Feststellung. "Kunstgeheimnis gelöst", urteilte die "New York Times" bereits.
"Kan kun være malet af en gal Mand!" steht in einer Ecke des Gemäldes. ("Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!")Quelle: Børre Høstland/The National Museum/dpa

Mit Bleistift auf das Gemälde geschrieben

"Der Schrei" - auf Norwegisch "Skrik" - zählt zu den bekanntesten Motiven der Kunstgeschichte. Er ist zu einem zeitlosen Ausdruck menschlicher Angst und selbst zur Vorlage verschiedener Emojis auf dem Smartphone geworden, die Furcht ausdrücken sollen. Munch hat vier "Schrei"-Versionen gemalt, neben dem besagten Original aus dem Jahr 1893 zählt die spätere Version von 1910 zu den berühmtesten davon.
Das kleine Geheimnis des "Schrei"-Originals findet sich im rötlichen Himmel in der oberen linken Ecke des Gemäldes. "Kan kun være malet af en gal Mand!", steht dort auf Norwegisch geschrieben. Übersetzt heißt das: "Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!"
Der für das bloße Auge kaum wahrnehmbare Satz wurde mit Bleistift auf die Farbe des Gemäldes geschrieben, nachdem Munch es fertiggestellt hatte. Wie die Anmerkung dorthin kam, darüber wurde seit längerem spekuliert. Eine Theorie lautete, dass ein empörter Zuschauer das Sätzchen einst in den Himmel des "Schrei"-Originals geschrieben hatte. Andere mutmaßten, dass der winzige, 1904 erstmals entdeckte Schriftzug vom Maler selbst stammte.

Spekulationen über Munchs Geisteszustand

Diese Theorie können die norwegischen Kunstexperten nun bestätigen. Zum einen konnten sie die Handschrift dank der Infrarotaufnahmen mit Notizen und Briefen von Munch abgleichen, zum anderen fußen sie ihre Feststellung auf ein Ereignis 1895, als Munch das Werk erstmals in seiner Heimatstadt Oslo zeigte, die damals noch Kristiania hieß.
Edvard Munchs "Das kranke Kind"
"Der Schrei" hatte damals viel Kritik und Spekulationen über Munchs Geisteszustand ausgelöst, was unter anderem dazu führte, dass ein junger Medizinstudent namens Johan Scharffenberg auf einem Diskussionsabend Munchs Werke als Beweis hinzuzog, dass der Künstler nicht ganz bei Verstand sei.
Munch verletzte das sehr, wie er nach Angaben des Museums immer wieder in Briefen und Tagebucheinträgen schrieb. Sowohl sein Vater als auch seine Schwester litten demnach unter Depressionen, Munch selbst wurde 1908 nach einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert.
Das Urteil des Studenten soll somit hinter dem mysteriösen Satz auf dem Meisterwerk stecken. Das Museum hält es für wahrscheinlich, dass Munch seine Worte schon kurz danach auf dem Werk verewigt hat, vielleicht aber auch erst später.

Dezember 1979, Gotha

Bei einem bis heute unaufgeklärten Kunstraub werden aus Schloss Friedenstein fünf Gemälde mit einem damaligen Wert von 4,5 Millionen D-Mark gestohlen - etwa von Jan Brueghel dem Älteren und Hans Holbein. Die Straftat ist mittlerweile verjährt.

März 1990, Boston

Der Einbruch in das Gardner Museum in Boston gilt als größter Kunstraub der Geschichte. Die als Polizisten verkleideten Täter lassen sich das Museum nachts von zwei Wachmännern aufschließen und nehmen 13 Gemälde mit, unter anderem von Degas, Rembrandt und Manet. Ihr Wert wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt. Obwohl das Museum eine Belohnung von zehn Millionen Dollar auslobt, sind die Bilder bis heute verschwunden.

Juli 1994, Frankfurt

Diebe überwältigen nachts den Sicherheitsdienst der Kunsthalle Schirn und stehlen drei Bilder von William Turner und Caspar David Friedrich. Versicherungswert: 70 Millionen D-Mark. Jahre später tauchen die Bilder wieder auf. Die Täter kommen bis zu elf Jahre in Haft, die Hintermänner bleiben unbekannt.

Dezember 2002, Amsterdam

Aus dem Van Gogh Museum in Amsterdam werden zwei Gemälde des niederländischen Künstlers gestohlen. Die Täter werden bald gefasst, sie verraten aber nicht, wo sich die wertvollen Kunstwerke befinden. Erst im September 2016 finden italienische Ermittler die Bilder bei einer Drogenrazzia im Haus eines Mafioso bei Neapel.

August 2004, Oslo

Zwei Gemälde des Malers Edvard Munch werden aus dem Munch Museum in Oslo entwendet. Es handelt sich um ein Exemplar von "Der Schrei" und das Bild "Die Madonna" mit einem Gesamtwert von 80 Millionen Euro. Beide Kunstwerke werden 2006 beschädigt wiederentdeckt, seit 2008 sind sie wieder in dem Museum zu sehen.

Februar 2006, Rio de Janeiro

Während des Karnevals werden Kunstwerke von Dalí, Matisse, Picasso und Monet aus einem Museum in Rio de Janeiro gestohlen. Die Bilder mit einem geschätzten Gesamtwert von 54 Millionen Euro sind bis heute nicht wiedergefunden worden.

August 2007, Nizza

Aus dem Museum Beaux Arts in Nizza stehlen Diebe zwei Werke von Bruegel, eines von Sisley sowie ein besonders wertvolles Bild von Monet. Ein Jahr später werden die Kunstwerke wiederentdeckt, fünf Männer werden festgenommen und im Dezember 2011 zu Haftstrafen verurteilt.

Februar 2008, Zürich

Vier Gemälde von Monet, Van Gogh, Degas und Cézanne werden aus der Sammlung E.G. Bührle in Zürich gestohlen. Ihr Wert liegt bei insgesamt 112 Millionen Euro, nur der Monet und der Van Gogh tauchen wieder auf.

Mai 2010, Paris

Aus dem Museum für Moderne Kunst in Paris werden fünf Werke von Matisse, Picasso, Modigliani, Georges Braque und Fernand Léger gestohlen. Im September 2011 werden drei Verdächtige festgenommen, doch die Kunstwerke mit einem Gesamtwert von über 100 Millionen Euro bleiben verschwunden.

August 2010, Kairo

Am hellichten Tag wird Van Goghs Gemälde "Mohnblumen" aus dem Museum Mahmud Chalil in Kairo gestohlen. Ein Unbekannter schneidet das auf 55 Millionen Dollar geschätzte Werk mit einem Teppichmesser aus dem Rahmen. Es bleibt unauffindbar.

Oktober 2012, Rotterdam

In der Kunsthalle von Rotterdam werden sieben Meisterwerke gestohlen, darunter Gemälde von Pablo Picasso, Henri Matisse, Claude Monet und Paul Gauguin. 2014 werden vier Rumänen verurteilt, 2018 taucht ein gestohlener Picasso in Rumänien wieder auf.

November 2015, Verona

Bei einem Raubüberfall auf das Castelvecchio-Museum in Verona werden 15 wertvolle Gemälde gestohlen, darunter Meisterwerke von Rubens und Tintoretto. Die Diebe knebeln einen Wachmann und eine Kassiererin und entkommen mit den Gemälden. Das Museum schätzt deren Gesamtwert auf 15 Millionen Euro.

März 2017, Berlin

Aus dem Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel wird eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Die Polizei vermutet, dass die kanadische Sonderprägung namens "Big Maple Leaf" zertrümmert, eingeschmolzen und das Gold verkauft wurde. Seit Januar stehen die mutmaßlichen Diebe vor Gericht. (Quellen: dpa, AFP)
Quelle: dpa

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