: Giffey fällt auf "Fake-Klitschko" herein

von Julia Klaus
24.06.2022 | 22:40 Uhr
Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey ist auf einen Betrüger reingefallen, der sich als Vitali Klitschko ausgegeben hat. Es sei ein Deepfake gewesen, sagte die Senatskanzlei.
Franziska Giffey mit dem "Fake-Klitschko"Quelle: Twitter/Senatskanzlei Berlin
Es muss eine seltsame Situation für Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) gewesen sein: Sie dachte, sie spricht mit Vitali Klitschko, dem Bürgermeister vom kriegsgeplagten Kiew. Denn sie sah und hörte ihn auf dem Bildschirm der Videokonferenz vor sich.
Doch dabei soll es sich um einen Betrüger gehandelt haben, der Deepfake-Technologie nutzte, um Giffey reinzulegen. Das schrieb zumindest die Senatskanzlei am Freitagabend auf Twitter. Der Staatsschutz sei eingeschaltet.
Staatskanzlei zu "Fake-Klitschko"
Das Gespräch zwischen Giffey und dem Fake-Klitschko wurde vorzeitig abgebrochen. Denn: "Der Verlauf des Gesprächs und die Themensetzung haben auf Berliner Seite ein Misstrauen hervorgerufen", twitterte die Senatskanzlei.
Ein Gespräch mit dem ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, habe danach Klarheit gebracht: Die Person, die Giffey vor sich gesehen hatte, war nicht Vitali Klitschko.
Staatskanzlei Berlin

Was ist ein Deepfake?

Deepfakes sind manipulierte Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, die mit Künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Sie lassen sich ganz einfach herstellen, etwa mit einer App - eine sehr bekannte und beliebte Form von Deepfakes ist das "face swapping", bei dem das eigene Gesicht in ein fremdes Foto oder Video montiert wird.
In Giffeys Fall könnte jemand die Faceswapping-Technik genutzt haben, um mit dem Gesicht von Vitali Klitschko zu sprechen. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit des "voice swapping", dabei kann sogar die Stimme der Person, die dargestellt werden soll, künstlich erzeugt werden.
Deepfakes werden für Propaganda-Zwecke auch im Ukraine-Krieg genutzt. Lesen Sie hier, wie:
Bei einer ZDFheute-Recherche vor zwei Jahren hatte der IT-Forensiker Martin Steinebach vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie bereits gewarnt:
Die Deepfakes haben das große Risiko, dass sie von jedem erzeugt werden können und in sozialen Medien zur Meinungsmache in Filterblasen zur Unterstützung von Falschmeldungen herangezogen werden können.
Martin Steinebach, Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie

Mit neuen technischen Mitteln, steigen auch die Möglichkeiten der Manipulation. Verfälschtes Videomaterial im Netz gefährdet zunehmend Politik und Gesellschaft.

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Betrug flog erst nach einer Viertelstunde auf

Eine Senatssprecherin sagte der Nachrichtenagentur dpa, die erste Viertelstunde sei unauffällig verlaufen. Dann aber sei es plötzlich um die Frage gegangen, warum so viele Ukrainerinnen und Ukrainer Sozialleistungen in Berlin erschleichen wollten.
"Und es gab die Bitte, dass wir durch unsere Behörden unterstützen mögen, dass gerade junge Männer in die Ukraine zurückgehen, um dort zu kämpfen", so die Sprecherin. Das letzte Thema sei dann noch auffälliger gewesen.

Deepfakes stellen im Netz ein immer größeres Problem da. Unternehmen und Regierungen versuchen mit neuester Technik, sie zu finden.

29.03.2020 | 03:00 min
"Er hat gefragt, ob wir Kiew beratend unterstützen könnten, eine Art CSD (Christopher Street Day) auszurichten. Das war angesichts des Krieges schon mehr als seltsam." Der CSD ist der Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Personen und Intersexuellen.
In Madrid hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida sei bei dem Videotelefonat mit dem angeblichen Klitschko schnell misstrauisch geworden habe das Gespräch beendet, so sein Sprecher.

Spaß oder politische Botschaft?

Franziska Giffey hatte nach dem Fake-Gespräch gesagt:
Es gehört leider zur Realität, dass der Krieg mit allen Mitteln geführt wird - auch im Netz, um mit digitalen Methoden das Vertrauen zu untergraben und Partner und Verbündeten der Ukraine zu diskreditieren.
Franziska Giffey, Berlins Regierende Bürgermeisterin
Welchen Hintergrund der Fake-Anruf hatte - ob sich jemand einen Spaß erlaubt hat oder ob eine politische Botschaft dahinter steckte, ist bislang nicht klar.
Auf der Webseite der Senatskanzlei steht noch immer Giffeys Termin für 17 Uhr am Freitagnachmittag: "Gespräch mit Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew (Videoschaltkonferenz)".
Ob ein Gespräch mit dem echten Klitschko noch nachgeholt wird, schrieb Giffey bislang nicht. Der Termin sei seit Langem geplant gewesen.

Zweifel an "Deepfake"-Theorie

An der These, dass es sich bei dem Klitschko-Anruf um einen "Deepfake" handelt, kommen mittlerweile Zweifel auf. Der rbb-Investigativjournalist Daniel Laufer hat den Video-Call analysiert und mehrere Hinweise gesammelt, die eher gegen einen Deepfake sprechen. 
Demnach seien die veröffentlichten Screenshots des Gesprächs nahezu identisch mit Bildern aus einem Video-Interview von Anfang April. Laufer zufolge wurden einzelne Videoschnipsel aus dem Original "schlau vorgeschnitten" und sie in Echtzeit neu zusammengesetzt. Er twitterte:
Das wäre immer noch noch eine Fälschung, aber eben ein sogenanntes Shallow Fake/Cheap Fake - und kein technologisch anspruchsvolles, mit Künstlicher Intelligenz generiertes Deep Fake.
rbb-Investigativjournalist Daniel Laufer
[Anmerkung der Redaktion, 27. Juni 2022: Da es mittlerweile Zweifel an der "Deepfake"-Theorie in Bezug auf das vermeintliche Klitschko-Telefonat mit Giffey gibt, wurde diesem Artikel nachträglich ein Absatz hinzugefügt, der eben diese Zweifel erwähnt.]
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