Was häusliche Quarantäne bedeutet

06.04.2020 | 11:46 Uhr
von Luisa Houben
Das Coronavirus ist hoch ansteckend. Um seine Verbreitung zu verhindern, kann das Gesundheitsamt häusliche Quarantäne verordnen. Was bedeutet das?
In Gangelt in Nordrhein-Westfalen warten Menschen vor einer Apotheke.Quelle: DPA

Wer muss in Quarantäne?

Das Infektionsschutzgesetz legt fest, dass Quarantäne bei "Kranken sowie Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern" angeordnet werden kann. Zuständig dafür sind die Gesundheitsämter.
Das RKI empfiehlt, sich dort oder bei einem Arzt zu melden, wenn man Kontakt zu einer Person hatte, bei der das Coronavirus nachgewiesen wurde - unabhängig davon, ob Symptome aufgetreten sind oder nicht. Das gleiche gilt, wenn man von der Reise in eines der Risikogebiete zurückkehrt oder Symptome feststellt. Im Gespräch wird entschieden, welche Maßnahmen notwendig sind.
Welches Gesundheitsamt für Sie zuständig ist, können Sie auf dieser Seite des RKI nachschauen.

Wie verhalte ich mich in häuslicher Quarantäne?

Sollte das zuständige Gesundheitsamt häusliche Quarantäne verordnen, wird folgendes empfohlen:
Zuhause bleiben, Abstand zu anderen halten, regelmäßiges Händewaschen, Wohn- und Schlafzimmer gut belüften und Haushaltsgegenstände wie Geschirr oder Wäsche nicht mit anderen Familienmitgliedern oder Mitbewohnern teilen.
Laut RKI sollte die Person ein eigenes Badezimmer nutzen, wenn diese Möglichkeit besteht. Wäsche sollte regelmäßig und gründlich gewaschen werden, Hygieneartikel nicht geteilt werden.
Zudem gilt, was zur generellen Vorsorge empfohlen wird: Hustenetikette beachten und Einwegtaschentücher benutzen und diese anschließend wegwerfen.

Wie lange dauert eine Quarantäne?

Bei einem Corona-Verdacht wird der Zustand der betroffenen Person in der Regel für 14 Tage beobachtet. Der Grund dafür ist, dass die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn von Symptomen der Krankheit, nach bisherigem Stand so lange dauert.
Um auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes rasch reagieren zu können wird Betroffenen geraten, bei Symptomen das Gesundheitsamt oder einen Arzt zu kontaktieren.

Wer versorgt mich in der Zeit?

Familie, Freunde und Nachbarn können Personen in Quarantäne unterstützen, zum Beispiel beim Einkaufen von Lebensmitteln. Ein Merkblatt das RKI rät, dass Helfer Lebensmittel einfach vor der Tür abstellen. Wichtig sei, dass enger Körperkontakt vermieden wird.
In Gangelt im Kreis Heinsberg in NRW helfen außerdem Ehrenamtler des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Malteser bei der Versorgung der Menschen, berichtet Landrat Stephan Pusch (CDU). Dort befinden sich rund 1.000 Personen in Quarantäne.
Sehen Sie das ganze Interview zur Situation in Gangelt aus dem ZDF-Morgenmagazin:

Neben der Lebensmittelversorgung ist auch wichtig die seelische Gesundheit zu pflegen. Denn isoliert Zuhause können verstärkt Ängste und Sorgen aufkommen, sich tatsächlich angesteckt zu haben oder ausgegrenzt zu werden.
Um Einsamkeitsgefühlen, Anspannung oder Schlafstörungen vorzubeugen, wird deswegen empfohlen mit Freunden und Familienangehörigen per Telefon oder Internet im Kontakt zu bleiben. Seelsorgetelefone können ebenfalls eine Anlaufstelle sein.
Um Stress abzubauen und fit zu bleiben, kann Sport helfen, zum Beispiel mit Gymnastikübungen oder einem Heimtrainer.

Kann ich mich auf häusliche Quarantäne vorbereiten?

Wer sich darauf vorbereiten will, zwei Wochen Zuhause bleiben zu müssen, kann sich an einem Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) orientieren. Darin empfiehlt das BBK unabhängig von der Ausbreitung des Coronavirus "Maßnahmen zur Bevorratung von Lebensmitteln" im Sinne eines effektiven Selbstschutzes, so ein Sprecher des Innenministeriums.
Für die Versorgung einer Person für 10 Tage wird empfohlen:
  • 20 Liter Wasser
  • 3,5 kg Getreideprodukte, wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis
  • 4,0 kg Gemüse, Hülsenfrüchte im Glas oder Dosen
  • 2,5 kg Obst, Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier
  • 0,357 kg Fette, Öle
Wichtig sei es, bei der Vorbereitung auf die Haltbarkeit der Produkte, Allergien und Diät-Vorschriften zu achten.

Alle Entwicklungen zur Ausbreitung des Coronavirus im Liveblog:

Mehr zum Coronavirus