: Dreyer: "Das Leid nimmt immer weiter zu"

16.07.2021 | 10:31 Uhr
Nach der Hochwasserkatastrophe steigt die Zahl der Toten in Rheinland-Pfalz auf über 50 - viele weitere werden vermisst. Ministerpräsidentin Malu Dreyer über die Lage vor Ort.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) informiert über die aktuelle Lage in Rheinland-Pfalz.
Nach dem verheerenden Hochwasser ist das Schicksal vieler Menschen noch immer ungeklärt. "Es ist tatsächlich wirklich eine Katastrophe. Das Leid nimmt immer weiter zu", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im ZDF-Morgenmagazin.
In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten inzwischen auf über 50 gestiegen, Dutzende weitere werden vermisst. Zwar seien viele Einsatzkräfte inzwischen bei Aufräumarbeiten. Doch an anderen Stellen gehe es noch immer darum, Menschen zu suchen und sie zu retten, so die Politikerin.

Hunderte Menschen mit Hubschraubern gerettet

Alleine am Vortag seien mit Hubschraubern mehr als 300 Personen gerettet und zahlreiche Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht worden. Doch das Leid im Bundesland sei groß, erklärte die Ministerpräsidentin.
Unser Land hat so etwas noch nie gesehen.
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz

Finanzielle Hilfen vom Bund dringend notwendig

Es sei völlig klar, dass das Land, insbesondere die Kommunen, diese Katastrophe nicht alleine stemmen könnten, sagte Dreyer. Deshalb sei es äußerst wichtig gewesen, dass Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) stellvertretend für die Bundesregierung vor Ort gewesen sei und Hilfen zur Bewältigung der Folgen zugesagt hätte.
"Es ist uns zugesichert worden, dass wir im Sinn einer nationalen Katastrophe Unterstützung erhalten. Das brauchen wir auch dringend," sagte Dreyer mit Blick auf Hilfszusagen des Bundes.
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Dreyer: Langer und teurer Weg

Viele Menschen hätten ihre Häuser und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Es werde eine lange Zeit dauern, bis diese Landstriche wieder aufgebaut seien. Auch deshalb sei es so wichtig und beruhigend, dass der Bund signalisiert hätte, "dass das eine Sache ist, die gemeinsam gestemmt" werden müsse, so Dreyer.
Gleichzeitig fordert die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin mehr Anstrengungen in Sachen Klimaschutz. Sie spricht sich für rasche Maßnahmen und eine schnelle Umsetzung aus. Die Hochwasserkatastrophe sei mehr als ein Hinweis dafür, dass es "keine Zeit mehr zu verlieren" gebe.
Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, um erneuerbare Energien schneller auszubauen. Sie plädiert dafür, "mit Hochdruck" an der Veränderung zu arbeiten und den Klimaschutz nach vorne zu treiben.
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Dreyer: Klimawandel zeigt sich deutlich

Mehrere Jahre Dürre und nun diese Überschwemmungen - der Klimawandel zeige sich deutlich, sagte sie.
Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass der Klimawandel seine Folgen hat, dem kann man nicht mehr helfen.
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
Alle Menschen seien aufgefordert zu handeln, und zwar "sehr sehr schnell".
Zwar würde Rheinland-Pfalz Hochwasser kennen und seit Jahren mit entsprechenden Konzepten daran arbeiten, den Schutz vor Überschwemmungen sicherzustellen - doch die jüngsten Ereignisse hätten alle Dimensionen gesprengt.
Die Ministerpräsidentin kündigte an, auch in den Gemeinden Schutzprogramme zu entwickeln, in denen es zuvor noch nie Hochwasser gegeben habe. Klar ist für Dreyer aber auch: "Wir müssen vor allem die Ursache beseitigen." Jenes Ausmaß könne nicht allein durch Hochwasserschutz beseitigt werden.

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