: Über 90 Tote im Großraum Ahrweiler

17.07.2021 | 07:11 Uhr
Gestern lag die Zahl der Toten in Rheinland-Pfalz nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch bei 63. Nun spricht die Polizei von 90 - und befürchtet noch mehr.
Die meisten Opfer hat Rheinland-Pfalz zu betrauern. Mit am schlimmsten ist die Lage in Ahrweiler. Retten, Bergen, Aufräumen - und das oft ohne funktionierendes Strom- oder Telefonnetz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dauerregen hat zu schweren Überflutungen in Rheinland-Pfalz und NRW geführt. Mindestens 170 Menschen sind dort durch das Hochwasser ums Leben gekommen, viele werden noch vermisst.
  • Auch in Südostbayern traten Bäche und Flüsse über die Ufer, hier war insbesondere der Landkreis Berchtesgadener Land betroffen.
  • Die betroffenen Länder und der Bund haben finanzielle Unterstützung zugesagt.
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Nach der Hochwasserkatastrophe im Großraum Ahrweiler in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Todesopfer bis Samstagmorgen nach Polizeiangaben auf über 90 gestiegen. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Opfer hinzukommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über insgesamt 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen.
Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst. In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe. Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362.
Ahrweiler ist besonders stark vom Hochwasser betroffen. Immer noch werden dutzende Menschen vermisst, der Landkreis spricht von mehr als tausend. Wie ist diese Zahl einzuordnen?

Durch Hochwasser: Zwölf Tote in Behinderteneinrichtung

Unter den Toten sind zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig, an der Mündung der Ahr in den Rhein. "Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses", sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des Wohnheims zu bringen.
"Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät." Am Freitag war an dem Gebäude eine etwa drei Meter hoch reichende Schlammschicht zu sehen, die über die Fenster des Erdgeschosses reichte.
Bei der Hochwasser-Katastrophe sind in Rheinland-Pfalz Dutzende Menschen ums Leben gekommen. In Sinzig hat es zwölf Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen getroffen.

Polizei: Ahrtal soll weiträumig umfahren werden

In vielen Ortschaften sei weiterhin das Strom- und Telefonnetz ausgefallen. Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 bei der Polizei melden. Die Hotline sei rund um die Uhr erreichbar und nehme jeden Hinweis entgegen.
Eingestürzte Häuser, zerstörte Existenzen, mehr als 130 Tote und dutzende Vermisste - die Fluten haben im Westen verwüstete Gegenden hinterlassen. Dorthe Ferber berichtet aus Erftstadt.
Die Polizei war in der Nacht nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Die Polizei bittet darum, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungswege müssen für Rettungskräfte frei gehalten werden.
Bei den Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind insgesamt mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen.
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