: Experte: DWD warnte bereits am Montag

19.07.2021 | 15:40 Uhr
Gewaltige Regenmassen trieben Mittwochnacht Flüsse und Bäche übers Ufer - mehr als 150 Menschen starben in den Fluten. Der DWD gab bereits am Montag erste Warninformationen heraus.
Lag es an der Warnkette, dass viele Opfer und Geschädigte nicht rechtzeitig benachrichtigt oder erreicht wurden? Die britische Hochwasser-Expertin Prof. Cloke, die früh vor hohen Niederschlagsmengen warnte, wirft Deutschland „Systemversagen“ vor.
Im Fall der schweren Unwetter in der vergangenen Woche im Westen Deutschlands haben die Rechenmodelle des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bereits am Montag klare Hinweise gegeben. "Wir haben am Montag die Vorabinfo herausgeben können, in der schon stand, dass bis zu 200 Liter (Niederschlag pro Quadratmeter) erwartet werden", sagte Franz-Josef Molé, der Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der Deutschen Presse-Agentur. "Früher ging es eigentlich nicht."

Präzise Warnungen schwierig

Die Vorhersageexperten arbeiteten mit etwa 100 verschiedenen Simulationen ihrer unterschiedlichen Rechenmodelle - "und die haben im Prinzip mehrheitlich ziemlich sicher auf den Westen Deutschlands gezielt für den Zeitraum Nacht von Mittwoch auf Donnerstag".
Das ist insofern ungewöhnlich, da präzise Warnungen bei Unwettern mit Extremregen in der Regel ausgesprochen schwierig sind: Meist handelt es sich um kleinräumige und sehr dynamische Ereignisse.
Da kann innerhalb einer halben Stunde ein ganz anderer Bereich betroffen sein als in den Modellen gezeigt - das macht das Ganze so schwierig.
Franz-Josef Molé, DWD
Elektronische Warnungen vor der Flut haben viele nicht erreicht. Karl-Heinz Banse, Präsident des Feuerwehrverbands plädiert dafür, die manuellen Sirenen wieder zu aktivieren.
Im Fall des Unwetters in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hätten die DWD-Experten bereits am Montag "schon eine große Region markiert und auch diese extremen Mengen reingeschrieben", betonte Molé.
Wir haben nicht nur vor Starkregen gewarnt, sondern vor Dauerregen. 
"Normalerweise ist den Wasserverbänden klar, dass das die schlimmste Lage ist, die man im Sommer haben kann - Starkregenfälle eingebettet in ein Dauerregengebiet", sagte Molé weiter.

"Niederschlagsmengen exorbitant hoch"

Konnte jemand ahnen, wie schlimm die Unwetter die betroffenen Regionen tatsächlich treffen würden? "In dem Fall waren die Niederschlagsmengen so exorbitant hoch, dass die Orte eigentlich gar nicht hätten geschützt werden können", meinte Molé. Mit immer besseren Computermodellen und Datenmengen hat sich nach DWD-Angaben schon viel getan, um Vorhersagen noch präziser zu machen.
Kritiker werfen der Bundesregierung vor, Hochwasserwarnungen nicht ernst genug genommen und rechtzeitig weitergeleitet zu haben.
Dass es bei gleicher Wetterlage mit einem Tiefdruckgebiet aus dem Mittelmeerraum erneut zu einer ähnlich bedrohlichen Unwetterlage kommen kann, konnte Molé nicht ausschließen. "Die Luftmasse ist insgesamt wärmer als noch vor Jahrzehnten - und wärmere Luft kann mehr Feuchte aufnehmen", sagte er. "Und wenn bei so einer Wetterlage warme Luft vom Mittelmeer herangetragen wird, dann regnet es auch stärker."

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ...

... übernimmt in Deutschland die behördliche Wettervorhersage und stellt diese Informationen den Behörden, Bürgern und Unternehmen zur Verfügung. Er betreibt unter anderem auch ein rund um die Uhr besetztes nationales Warnzentrum, in dem Daten aus nationalen und internationeln Beobachtungsprogrammen zusammenfließen. Kündigen sich Unwetter an, gibt der Wetterdienst abgestufte amtliche Warnungen heraus.

Die Warnungen veröffentlicht der Wetterdienst selbst oder über staatliche Warn-Apps wie Nina und Katwarn. Zugleich reicht er detailliertere Unwettervorhersagen über ein spezielles internes Kastrophenschutzportal an die Lagezentren der Behörden und Rettungsorganisationen weiter. So sind Feuerwehr und Polizei daran angeschlossen. Gleiches gilt für die Hochwasserzentralen der Länder, die Daten des Wetterdiensts für ihre Arbeit nutzen.

Quelle: AFP

Quelle: dpa

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