Ende eines Flüchtlings-Trecks

von Tobias Käufer
11.10.2020 | 23:21 Uhr
Die Massen-Armut in Honduras bewegte Tausende Menschen zur Teilnahme an einem Migranten-Treck in Richtung USA. Doch der wurde diesmal bereits in Guatemala gestoppt.
Quelle: epaAuf dem weg in die USA, gestoppt in Guatemala: Für die Migranten geht es zurück an die honduranische Grenze.
Vor gut zwei Jahren machten sich mehrere Tausend Menschen aus dem armen Drei-Länder-Eck Guatemala, El Salvador und Honduras in einem Migranten-Treck auf den Weg in Richtung USA. Die internationale Aufmerksamkeit war enorm, Hilfsorganisationen und Teile der lokalen Bevölkerung unterstützten die Karawane. Doch beim Versuch, die US-Grenze im nordmexikanischen Tijuana zu überwinden, scheiterte die Karawane an einer unüberwindlichen US-Grenze.

Corona-Krise hat Notlage weiter verschärft

"Neben der akuten Notlage, die die große Armut und Ausweglosigkeit vieler Menschen noch verschärft, sind es die seit Jahrzehnten grassierende Gewalt, Kriminalität und der Raubbau an der Existenzgrundlage der Menschen, weshalb viele die Flucht als einzige Alternative für eine bessere Zukunft für sich ausmachen", sagt Mittelamerika-Expertin Inés Klissenbauer vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat im Gespräch mit ZDFheute.
Hinzu kommen die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf den informellen Sektor, der von der Statistik nicht erfasst wird, in dem aber mindestens 60 Prozent der honduranischen Bevölkerung arbeiten.
Inés Klissenbauer
Vor einer Woche machten sich deshalb erneut rund 3.000 Menschen aus Honduras auf den Weg in Richtung Norden. Doch diesmal mussten sie schon im Nachbarland Guatemala aufgeben. Was ist diesmal anders?
Quelle: ZDF/Thao Vu MinhDas Drei-Länder-Eck Mexiko - Honduras - Guatemala - El Salvador.

Keine Solidarität der Bevölkerung

Der entscheidende Unterschied: Wegen der auch in Mittelamerika grassierenden Corona-Pandemie verhängte Guatemala den Gesundheitsnotstand. Einreisen ins Land waren nur mit negativen Corona-Test möglich. Guatemalas Vize-Präsident Guillermo Castillo sagte:
Wir können angesichts der großen Zahl von Personen ohne ein Mindestmaß an Hygienestandards nicht das Leben der Guatemalteken riskieren.
Guillermo Castillo
Weil die rund 3.000 Migranten aus Honduras aber trotzdem die Grenze in El Corontino unkontrolliert überschritten, blieb diesmal die Solidarität der einheimischen Bevölkerung aus. Stattdessen ließ die Regierung aus Guatemala-Stadt im Norden des Landes einen menschlichen Sicherheitsring aus Soldaten aufbauen, der für die Karawane unüberwindbar wurde.

Deutliche Warnungen aus Mexiko

Auch aus Mexiko empfingen die Migranten diesmal andere Signale als vor zwei Jahren. Damals versuchte der neue mexikanische Präsident Andres Manuel Lopez Obrador die mittelamerikanischen Migranten mit der Integration in den mexikanischen Arbeitsmarkt von einem illegalen und gefährlichen Grenzübertritt in die USA abzuhalten.
Doch die Corona-Pandemie hat auch Mexikos Wirtschaft hart getroffen. Die Arbeitslosigkeit betraf noch vor wenigen Wochen direkt oder indirekt rund 25 Prozent der mexikanischen Bevölkerung. Diesmal warnte Mexiko: Wer illegal die Grenze übertritt, muss ins Gefängnis.
Hintergrund der veränderten Haltung Mexikos und Guatemalas sind neue Asylabkommen mit den USA sowie die Drohung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Mexiko und Mittelamerika mit Sanktionen zu belegen, sollten diese die Migration nicht unterbinden.

Migranten haben kaum eine Chance auf Asyl

Die katastrophale Versorgungslage und die Ausweglosigkeit ließen rund 2.000 Honduraner das Angebot der guatemaltekischen Armee annehmen: Den Rücktransport an die honduranische Grenze. Nur ein kleiner Teil der Karawane versucht, sich in Kleingruppen aufgeteilt weiter in Richtung Norden vorzukämpfen. Ihre Chancen auf Asyl sind ähnlich gering wie die der Teilnehmer der ersten Karawane von vor zwei Jahren.
Laut Schätzungen honduranischer Medien sind gut drei Viertel wieder nach Hause zurückgekehrt, der Rest hat sich in Mexiko niedergelassen oder versucht, illegal die USA zu erreichen. Nur wenige Teilnehmer haben über einen offiziellen Asylantrag, dessen Bearbeitung oft Monate dauert, ihren amerikanischen Traum verwirklichen können und konnten legal in die USA einreisen.