: 25 Jahre Haft für "Hotel Ruanda"-Held

20.09.2021 | 19:17 Uhr
Paul Rusesabagina wurde durch den Hollywood-Film "Hotel Ruanda" bekannt. Nun hat ein Gericht in Kigali den 67-Jährigen in einem Terrorismus-Verfahren zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Während es Völkermordes in Ruanda gewährte Paul Rusesabagina (Mitte) als Hotelmanager mehr als 1.200 Menschen Zuflucht. (Archiv)Quelle: Muhizi Olivier/AP/dpa
Ein Gericht in Ruanda hat den "Hotel Ruanda"-Helden Paul Rusesabagina des Terrorismus für schuldig befunden, und zu einer Gefängnisstrafe von 25 Jahren verurteilt.
Rusesabagina habe den bewaffneten Flügel einer von ihm mitgegründeten Oppositionsbewegung finanziell und logistisch unterstützt, erklärte das Gericht während der Urteilsverkündung in Kigali.
Dieser bewaffnete Flügel, die Nationale Befreiungsfront (FLN), sei verantwortlich für tödliche Anschläge in Ruanda in den Jahren 2018 und 2019, hieß es weiter. Rusesabagina war während der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Rusesabagina rettete mehr als 1.200 Menschen

Rusesabagina wurde durch den Hollywood-Film "Hotel Ruanda" bekannt. 1994 starben während des Völkermordes in Ruanda innerhalb weniger Wochen mehr als 800.000 Menschen. Die meisten Opfer gehörten der Tutsi-Minderheit an, aber auch Hutus wurden von Vertretern der Hutu-Mehrheit getötet.
Quelle: ZDF
Rusesabagina, heute 67 Jahre alt, leitete damals das "Hotel des Mille Collines" in Kigali. Dort gewährte er mehr als 1.200 Menschen Zuflucht und rettete damit ihre Leben. Später wurde er zu einem scharfen Kritiker des amtierenden ruandischen Präsidenten Paul Kagame und ging ins Exil nach Belgien.

Clooney-Stiftung: "Show-Prozess"

Für internationale Kritik sorgte im August 2020 Rusesabaginas offenbar erzwungenes Erscheinen vor dem Gericht in der Hauptstadt Kigali. Kagames Regime war es demnach gelungen, den Oppositionellen während einer Reise von den USA nach Burundi in eine gecharterte Maschine zu locken und ihn nach Ruanda zu fliegen.
Die EU und Aktivisten sprachen von einer "illegalen Verschleppung". Wie Enthüllungsreporter später herausfanden, spionierte die Regierung in Kigali Rusesabaginas Tochter mithilfe der Spionagesoftware "Pegasus" aus.
Die Clooney Foundation for Justice, eine Stiftung des Schauspielers George Clooney und seiner Frau, der Anwältin Amal, bezeichnete das Verfahren als "Show-Prozess". Das Strafmaß käme einem Todesurteil gleich, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung, die das gesamte Verfahren juristisch mitverfolgt hatte.
Quelle: dpa, KNA

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