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: Immer noch: Tödliche Fluchtroute Mittelmeer

von Michaela Waldow
02.09.2020 | 05:30 Uhr
Der syrische Junge Alan Kurdi ertrinkt im Mittelmeer auf der Flucht: Sein Körper am Strand wird 2015 zum Mahnmal der Flüchtlingskrise. Noch immer ertrinken Menschen auf der Flucht.
Der angespülte Leichnam des ertrunkenen Flüchtlingskindes Alan Kurdi an der türkischen Küste nahe BodrumQuelle: dpa
Der leblose Körper des syrischen Jungen Alan Kurdi am Strand bei Bodrum: Dieses Bild wird zum Mahnmal der Flüchtlingskrise, das Foto des bei der Flucht im September 2015 im Mittelmeer ertrunkenen Kleinkindes geht um die Welt. Am Abend des 1. September besteigt Familie Kurdi im türkischen Dorf Akyarlar ein Schlauchboot, das sie zur nahen griechischen Insel Kos bringen sollte. Kurz danach sinkt das Boot. Alan, sein Bruder und seine Mutter ertrinken.
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Die emotionale Wucht des Fotos vom ertrunkenen Kind löste in der Bevölkerung eine Welle der Empathie aus, änderte die Wahrnehmung zur Flüchtlingskatastrophe und richtete den Blick auf das Sterben im Mittelmeer.
Lasst dies das letzte Mal sein!
Abdullah Kurdi, Vater von Alan
Die Hoffnung von Abdullah Kurdi erfüllte sich nicht: Seit September 2015 sind laut UNHCR bis jetzt (Stand 31. August 2020) 13.296 Menschen im Mittelmeer bei der Flucht ertrunken oder gelten als vermisst.
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Die wirkliche Anzahl der Opfer zu bestimmen, ist schwierig. Die Zahl der im Meer ertrunkenen Kinder schätzt die Internationale Organisation für Migration (IOM) für den Zeitraum 2014 bis 2018 auf 678. Zur Ermittlung der Zahlen summiert die IOM die Toten, die gefunden werden, als weitere Quelle dienen Berichte Überlebender. Die Zahl der Toten kann also nur geschätzt werden, die Dunkelziffer ist vermutlich um einiges höher. Auch verlässliche Zahlen über das Alter der Ertrunkenen gibt es nicht, nur bei vierzehn Prozent der Toten sind Altersangaben verfügbar.

Ankünfte nach Mittelmeerrouten

Die westliche Mittelmeerroute geht von Marokko nach Spanien, Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge sind Marokko, Algerien und Guinea. Die zentrale Mittelmeerroute führt nach Italien. Die meisten Flüchtlinge dort kommen aus Tunesien, Pakistan und von der Elfenbeinküste. Die östliche Mittelmeerroute führt über die Türkei nach Griechenland. Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge über die Ostroute sind Afghanistan, Syrien und Irak.
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Zahl der gesamten Ankünfte nimmt ab

Die Anzahl der Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland übersetzen, ist von 36.300 in 2017 auf 74.600 in 2019 gestiegen. Die gesamten Ankünfte der Menschen, die die europäische Union erreichen, nimmt aber ab: Kamen 2017 185.100 Flüchtlinge an, waren es 2019 123.700.
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Zwar nehmen die Flüchtlingsbewegungen über die Mittelmeerroute nach Europa seit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 ab und damit auch die Anzahl der Menschen, die ertrinken. Dennoch bleibt laut UNO der Weg übers Mittelmeer die tödlichste Seeroute der Welt.