: Wie viel Klimakrise steckt in der Sommerflut?

von Katja Horneffer
24.08.2021 | 00:01 Uhr
Eine Studie hat untersucht, wieviel wahrscheinlicher Flutkatastrophen wie die an Ahr und Erft durch den Klimawandel werden. Was droht uns in der Zukunft?
Hochwasserkatastrophen gibt es immer wieder – zuletzt im Ahrtal und an der Erft. Doch die Wahrscheinlichkeit für solche Naturkatstrophen steigt. Das liegt auch am Klimawandel.
Es ist eine der Fragen, die viele umtreibt: In wieweit lassen sich Extremwetterereignisse mit der Klimakrise, mit der globalen Temperaturerhöhung in Verbindung bringen? Werden Wetterextreme intensiver? Werden sie wahrscheinlicher?
Diesen Fragen hat sich die "World Weather Attribution" verschrieben, ein Zusammenschluss internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. "Attributions- oder Zuordnungsforschung", das klingt erstmal sperrig. Betrachtet werden Klimamodelle:
Modelle also, die sehr grobmaschig die Atmosphäre der ganzen Erde abbilden, die viele Jahrzehnte in die Zukunft rechnen können und dadurch eben gerade nicht das Wetter vom 24. August 2031 in Deutschland vorhersagen können.
Der Klimawandel erhöhe die Intensität und Wahrscheinlichkeit für Extremwetter - vor allem bei Hitzewellen, so eine der Hauptautorinnen des Weltklimaberichts Dr. Friederike Otto.

Wie wahrscheinlich werden Buschfeuer in Zukunft?

Was die Klimamodelle aber sehr gut abbilden können, ist, wie sich Mittelwerte ändern im Klimawandel, und wie das Klima aktuell ohne den menschlichen Einfluss durch Treibhausgasemissionen wäre. Aber noch immer müssen Klimamodelle viele Prozesse vereinfachen, weil die Rechnerkapazitäten nicht ausreichen.
Untersucht wurde so bereits, wie viel wahrscheinlicher die Hitzewelle in Sibirien 2020, die Buschbrände in Australien 2019/2020 und erst kürzlich die Hitzewelle in Nordamerika durch den menschgemachten Klimawandel geworden ist.
Der Weltklimarat hat bei der Erderwärmung Alarmstufe Rot ausgerufen. Er warnt davor, dass die Menschheit die Kontrolle über das Klima verlieren könnte.

Hitzewelle 150 Mal wahrscheinlicher

Die Hitzewelle in Nordamerika Ende Juni/Anfang Juli 2021 zum Beispiel ist durch den Klimawandel 150 Mal wahrscheinlicher geworden und dürfte statt wie in der vorindustriellen Zeit alle 1.000 Jahre bei einer globalen Temperaturerhöhung von 2 Grad (gegenüber vorindustrieller Zeit) alle fünf bis zehn Jahre auftreten.
Ein Starkregenereignis wie das Mitte Juli in Westdeutschland und Belgien ist aus der Sicht von weltumspannenden Klimamodellen ein sehr kleinräumiges Ereignis. Vereinfachungen waren erforderlich: Die Studie bezieht sich auf ganz Westeuropa. Außerdem wurden nur die Niederschläge im Sommerhalbjahr von April bis September betrachtet.
Das Extremwetter in Europa dauert an: In Spanien könnte es zum Hitzerekord kommen, Italien meldet leichte Entspannung. Die Türkei vermeldet über 40 Tote durch Überschwemmungen.

Klimawandel erhöht Regenintensität

Das Ergebnis: Ein Starkregenereignis wie Mitte Juli 2021 ist im aktuellen Klima ein Phänomen, das etwa alle 400 Jahren eintritt. Es ist damit 1,2- bis 9-fach wahrscheinlicher geworden als in der vorindustriellen Zeit. In den Jahren 1850 bis 1900 wäre mit einem solchen Starkregenereignis etwa alle 2.000 Jahre zu rechnen gewesen.
Und in einem Klima mit einer globalen Temperaturzunahme gegenüber der vorindustriellen Zeit von 2 Grad (also in einer 0,8 Grad wärmeren Welt als heute) wird alle 300 Jahre solch ein Extremregen Westeuropa treffen.
Außer den Wiederkehrzeiten wurde untersucht, inwieweit sich die Niederschläge verstärkt haben. Die Intensität der Niederschläge hat sich durch den menschengemachten Klimawandel um 3 bis 19 Prozent erhöht. Diese Ergebnisse passen zum 6. Sachstandsbericht des IPCC. Keine Überraschung also und dennoch besorgniserregend.
Katja Horneffer arbeitet in der ZDF-Wetterredaktion.

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