: Auch unechtes Lächeln macht glücklicher

23.10.2022 | 11:25 Uhr
Seit langem ist in der Psychologie umstritten, ob sich der Gesichtsausdruck auf die Gefühlslage auswirkt. Ein Experiment zeigt nun: Auch ein unechtes Lächeln macht glücklicher.
Bitte lächeln! Laut einer Studie macht auch unechtes Lächeln glücklicher.Quelle: imago
Die Anspannung von Gesichtsmuskeln, wie sie für ein Lächeln üblich ist, macht Menschen ein wenig glücklicher. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Untersuchung mit 3.878 Teilnehmern aus 19 Ländern, darunter auch Deutschland. Der Effekt ist zwar klein, aber in der statistischen Auswertung der Messergebnisse klar nachweisbar.
An der Studie, die im Fachjournal "Nature Human Behaviour" erschienen ist, waren sowohl Wissenschaftler beteiligt, die einen solchen Effekt als gegeben ansahen, als auch solche, die dem skeptisch gegenüberstanden. Nicholas Coles von der Stanford University in Kalifornien leitete die Untersuchung.

Studie zum Lächeln in 19 Ländern durchgeführt

Die Facial-Feedback-Hypothese - die Hypothese zum Rückkopplungseffekt des Gesichtsausdrucks - hat bisher die forschenden Psychologen entzweit. Einige gingen von einem Effekt des Anspannens der Gesichtsmuskeln auf entsprechende Emotionen aus, andere nicht. Auch Studien ergaben unterschiedliche Ergebnisse.
Coles stand unentschieden zwischen Befürwortern und Gegnern der Hypothese. Eine von ihm angestoßene Meta-Studie brachte ebenfalls kein klares Ergebnis. So rief er die internationale Forschungsgruppe Many Smiles Collaboration in Leben. Das Studiendesign in 19 Ländern sah so aus:
  • Eine Probandengruppe sollte einen lächelnden Schauspieler imitieren.
  • Die zweite Probandengruppe wurde angewiesen, die Mundwinkel nach oben zu ziehen.
  • Eine dritte Gruppe musste auf einen Stift beißen, ohne ihn mit den Lippen zu berühren.
Danach sollten die Teilnehmer auf einer Skala von 1 ("überhaupt nicht") bis 7 ("extrem stark") angeben, wie glücklich (happy) sie sich in diesem Moment fühlen.

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Lächelnde Probanden waren glücklicher

Tatsächlich gaben die Probanden, die in irgendeiner Weise lächelten, im Durchschnitt einen höheren Wert auf der Skala an als diejenigen mit neutralem Gesichtsausdruck. Der Effekt war bei den Gruppen mit dem lächelnden Schauspieler und den gehobenen Mundwinkel statistisch eindeutig, aber klein - weniger als ein Punkt auf der Skala. Bei der Gruppe mit dem Stift zwischen den Zähnen zeigte sich der Effekt in so geringem Maße, dass es auch Zufall sein könnte.
Die Forscher vermuten, dass bei diesem Experiment die Muskelanspannung für "beißen" die Konstellation für "lächeln" überlagern könnte.

Frage bleibt offen: Kann Lächeln in Therapie helfen?

Der Effekt war erkennbar unabhängig davon, ob sich die Versuchsteilnehmer während des Versuchs lustige Bilder ansahen oder nicht. Nicht eindeutig beantworten kann die Studie die Frage, ob die Erkenntnisse für die Stimmungsaufhellung bei Patienten im Rahmen einer therapeutischen Behandlung genutzt werden können.
Die Wissenschaftler schreiben:
Es ist möglich, dass sich relativ kleine Gesichts-Rückkopplungs-Effekte im Laufe der Zeit zu bedeutenden Veränderungen des Wohlbefindens summieren.
Quelle: dpa

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