: Steinmeier: Beethoven ist "in"

17.12.2020 | 19:52 Uhr
Ludwig van Beethoven ist einer der am meisten gespielten Komponisten. Zu seinem 250. Tauftag wird seine Musik vor allem online erklingen.
Beethoven zum 250. Geburtstag einmal anders: Aus seinen Tagebüchern und Briefen gibt es Antworten auf Fragen, wie Beethoven sich als Mensch sah – oder wie er seine körperliche Beeinträchtigung meisterte.
Ein außergewöhnlicher Künstler - so würdigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Komponisten Ludwig van Beethoven. "Ob in Wien, Berlin, Paris oder London: Beethoven war in. Er ist es bis heute, als meistgespielter Komponist der Welt", sagte Steinmeier in seiner am Abend ausgestrahlten Festrede zum 250. Tauftag des Komponisten.
"Beethoven ist pure Emotion", sagt Steinmeier. Daher werde seine Musik auf der ganzen Welt verstanden. Steinmeier eröffnete mit seiner per Video eingespielten Rede ein Online-Konzert mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra.

Beethoven-Jubiläumsjahr wurde verlängert

Zum 250. Tauftag Ludwig van Beethovens (1770-1827) wird die Musik zu Ehren des Meisters vor allem online erklingen - wegen der Corona-Pandemie.
Wer Beethovens Musik hören will, muss auf das Live-Erlebnis verzichten und auf das Internet ausweichen, auf CDs oder Streaming. Die Veranstalter von "BTHVN2020" haben das Jubiläumsjahr vorsorglich um 250 Tage bis September 2021 verlängert.
Heute jährt sich der in einem Kirchenbuch eingetragene Tauftag von Ludwig van Beethoven zum 250. Mal. Für viele ist Beethoven der berühmteste Komponist der Welt.

Melodien sind globale Ohrwürmer

Ob als Klingelton oder zur Untermalung historischer Daten, meistens banal, selten passend: an Beethovens Musik kommt niemand vorbei. "Dáda Dáda Dadadadadaaa" (langsam geträllert) oder "Ta Ta Ta Taaaa" (etwas schneller) - die Klavierminiatur "Für Elise" und die ersten Takte der 5. Sinfonie sind globale Ohrwürmer.
Wenn es staatstragend werden soll, erklingt die Neunte. Aus 16 Takten "Ode an die Freude" entstand die Europa-Hymne.
Gewiss, Rihanna oder Taylor Swift haben viel mehr Downloads, auch wenn Beethovens Musik auf Spotify inzwischen mehr als sechs Millionen Hörer im Monat hat. Wenn es aber darum geht, einen Künstlerhelden zu küren, steht der mit 56 Jahren in Wien gestorbene Ludwig ganz oben.
Schon E.T.A. Hoffmann wusste:
Beethovens Musik bewegt den Hebel des Schauers, der Furcht, des Entsetzens, des Schmerzes.

Sinfonien werden zu Musikdenkmälern

Ein Verständnis, wie er zum Mythos wurde, bekommt man, wenn man seine Musik hört, etwa in den alten Aufnahmen großer Dirigenten. Auf der rauschenden Tonspur verklären Otto Klemperer und Wilhelm Furtwängler die Sinfonien zu Musikdenkmälern.
Dabei war Beethovens Leben alles andere als eine Heldensaga. In den knapp sechs Jahrzehnten, die er in Bonn und Wien verbrachte, im Schatten der Französischen Revolution und von Napoleons Truppen, im Glanz (und der Spießigkeit) der Habsburgermonarchie, gehen höchste Inspiration und Alltags-Kleinklein nahtlos ineinander über.
Wegbereiter der Romantik

Schicksalsschlag: Verlust des Gehörs

Und er hat viel gelitten. Vor allem am Verlust seines Gehörs ("der edelste Teil"), den er mit 27 Jahren erstmals bemerkt und der ihn in den letzten Lebensjahren völlig taub werden lässt.
In seinem "Heiligenstädter Testament" denkt er 1802 sogar über Selbstmord nach. Viele seiner wichtigsten Werke hat Beethoven nie gehört.
Seitdem er 14 ist, spielt er Orgel in der Hofkapelle. Dann sucht er neue Horizonte. Mit 22 Jahren zieht er nach Wien, um sich als Komponist ausbilden zu lassen.
Es sind schwierige Wiener Anfangsjahre. Das Publikum liebt die leichte Muße, Beethoven macht ungern Zugeständnisse an den Massengeschmack. Er hadert mit sich und seiner Kunst, wie aus den mit energischer Hand aufgezeichneten Partituren deutlich wird. In Beethoven brodelt es.
Zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven erscheint nun die Graphic Novel "Goldjunge" von Mikael Ross. Er legt den Fokus auf die Kindheits- und Jugendjahre des Wunderkindes.

Er sprengte das Korsett seiner Zeit

Dass heute ausgerechnet Melodien wie "Für Elise" oder die "Ode an die Freude" hängenbleiben, ist zwar verständlich, wird aber dem Gesamtwerk nicht gerecht.
In den 32 Klaviersonaten, etwa der "Hammerklaviersonate", in den Streichquartetten, seiner einzigen Oper "Fidelio" oder den Violin- und Cellosonaten wird Beethovens Kern hörbar. Mit diesen Kompositionen sprengte er das musikalische Korsett seiner Zeit.
Die Nachwelt hat viele Beethoven-Mythen gepflegt. Auch sein Tod wurde Teil dieser Verehrung.
Als er auf seinem Totenbett liegt, bringt ihm ein Diener noch zwei Flaschen Rüdesheimer Jahrgang 1806. Beethoven kann nicht mehr trinken. "Schade! - Schade! - zu spät!!", sollen seine letzten Worte gewesen sein. Auf seinem letzten Weg wird Beethoven von mehr als 20.000 Menschen begleitet.
Quelle: dpa, epd

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