Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

22.05.2020 | 17:44 Uhr
In der Muttermilch einer Frau haben Forscher Corona-Erbgut nachgewiesen. Unklar ist aber, ob ihr ebenfalls erkranktes Kind sich tatsächlich darüber angesteckt hat.
Kann die Muttermilch das Coronavirus übertragen?Quelle: Paul Zinken/dpa
Virologen aus Ulm haben das neue Coronavirus erstmals in der Muttermilch einer an Covid-19 erkrankten Frau nachgewiesen. Auch ihr Säugling sei an dem Virus erkrankt, teilten die Wissenschaftler um Jan Münch und Rüdiger Groß von der Universität Ulm mit.
Es sei aber noch nicht klar, ob sich das Kind wirklich über die Muttermilch angesteckt habe. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "The Lancet".

Neugeborenes hat das Virus

Die Virologen hatten die Muttermilch von zwei Frauen auf Erbgut (RNA) des neuen Coronavirus untersucht, die sich nach der Entbindung im Krankenhaus zusammen mit ihren Neugeborenen ein Zimmer teilten.
Als eine der Frauen Krankheitssymptome entwickelte, wurde sie mit ihrem Neugeborenen isoliert und beide positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Die Zimmernachbarin bemerkte erst später Symptome, wurde dann aber - ebenso wie ihr Kind - ebenfalls positiv getestet.

Trotz Mund-Nasen-Schutz beim Stillen

In den Muttermilch-Proben der zuerst erkrankten Frau fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf das neue Coronavirus.
Das Ergebnis in den Proben der zweiten Mutter war dagegen vier Mal positiv. Woran das liegt, sei derzeit noch nicht klar, sagte Münch. Nach 14 Tagen sei kein Virus mehr in der Muttermilch nachweisbar gewesen und die Mutter sowie ihr Kind erholten sich von Covid-19.

Die später erkrankte Mutter hatte beim Umgang mit ihrem Kind einen Mund-Nasen Schutz getragen und Hände und Brüste desinfiziert. Zudem sterilisierte sie regelmäßig die Utensilien für das Stillen.

Unklar, ob Viren in der Milch infektiös sind

Es bleibe unklar, ob sich das Baby tatsächlich beim Stillen infizierte, betonen die Forscher.
Unsere Studie zeigt, dass Sars-CoV-2 bei stillenden Frauen mit akuter Infektion in der Muttermilch nachweisbar sein kann. Aber wir wissen noch nicht, wie oft dies der Fall ist, ob die Viren in der Milch auch infektiös sind und durch das Stillen auf den Säugling übertragen werden können.
Virologen der Universität Ulm
Typischerweise wird das Virus über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bisher keinen Nachweis des neuen Coronavirus in Muttermilch verzeichnet. "Es gibt keinen Grund, das Stillen zu vermeiden oder zu beenden", heißt es dazu in den Empfehlungen auf der Homepage der Organisation.
In ihrer Schwangerschaft erkrankt Kathrine Dawson am Coronavirus – mit weitreichenden Folgen für sie und ihr Baby. Nur ein Einzelfall?

Mehr Informationen zu Covid-19

Aktuelles zur Coronavirus-Krise