Corona-Mythen in Kettenbriefen

von Katja Belousova
19.03.2020 | 16:21 Uhr
Aktuell kursiert eine Reihe digitaler Kettenbriefe mit alternativen Fakten und umstrittenen Tipps rund ums Coronavirus. Ein Faktencheck.
Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus. Wie gefährlich ist es, wie leicht wird es übertragen und wie kann man sich am besten schützen? Wir fassen zusammen, was sicher bekannt ist – und was nicht.
So mancher wird schon vom Arzt aus dem Krankenhaus im chinesischen Shenzhen gehört haben. Der dorthin versetzt wurde und von einfachen Tipps zum Schutz vor dem Coronavirus zu berichten weiß. So heißt es zumindest in WhatsApp-Kettenbriefen, die derzeit im Umlauf sind - und viel Unwissen verbreiten.
Je nach Brief kommt der Mediziner aus China, Italien oder Russland. Mal ist es ein Onkel, mal eine Nichte eines Bekannten. In welchem der unzähligen Krankenhäuser in der Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole Shenzhen er oder sie arbeitet, wird nicht erwähnt.
Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie hier nachlesen:

"Uniklinik Wien" soll vor Ibuprofen warnen

Aktuell ist auch die Sprachnachricht einer Mutter in Umlauf. Sie warnt andere Eltern vor Ibuprofen - und beruft sich auf die "Uniklinik Wien". Es ist eine Falschnachricht von vielen. Eine Auswahl:
Solche Coronavirus-Mitteilungen kursieren derzeit bei Messenger-Diensten.Quelle: ZDF/WhatsApp

Fünf Coronavirus-Mythen und die Fakten dazu

Mythos: Mediziner der Uni Wien haben herausgefunden, dass Ibuprofen eine Corona-Lungenerkrankung verschlimmert.
Fakt: Die Medizinische Universität Wien hat die Meldung dementiert. Ihr Pressesprecher erklärte im Gespräch mit heute.de, dass keiner der Ärzte an der Klinik das bestätigen könne. Ein Dementi gab es auch auf Facebook. Dort hieß es: "Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt".
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im Zusammenhang mit der Corona-Erkrankung zunächst vor Ibuprofen gewarnt, nahm die Warnung später aber zurück. Die WHO-Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe.
Mythos: Das Virus ist nicht hitzebeständig und stirbt bei einer Temperatur von 26 bis 27 Grad.
Fakt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diese Behauptung widerlegt. Immerhin beträgt unsere Körpertemperatur 36,5 bis 37 Grad - trotzdem fühlt sich das Virus darin wohl. Tipps, wie ins Warme zu fahren, Heißgetränke zu konsumieren oder ein heißes Bad, helfen laut WHO nicht gegen das Coronavirus.
Mythos: Das Virus ist so groß, dass jede normale Maske es filtern kann.
Fakt: Schutzmasken schützen nur bedingt vor dem Coronavirus - und das auch nur, wenn man gleichzeitig auf seine Handhygiene und andere Schutzmaßnahmen achtet, schreibt die WHO. Sie empfiehlt gesunden Menschen, nur dann Masken zu tragen, wenn sie sich um erkrankte Personen kümmern.
Darüber hinaus wird vor allem medizinischem Personal das Tragen spezieller Atemschutzmasken empfohlen. Auch Menschen, die bereits infiziert sind, sollten Masken tragen, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen müssen. Das minimiert die Verbreitung, kann sie aber nicht gänzlich verhindern.

Mythos: Die Inkubationszeit kann bis zu 20 Tage betragen, bevor die Symptome von Covid-19 sichtbar werden.

Fakt: Laut Robert-Koch-Institut beträgt die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn der Erkrankung - im Mittel fünf bis sechs Tage, in manchen Fällen bis zu zwei Wochen. Wie die Johns Hopkins University schreibt, würden Studien zufolge nur 101 von 10.000 Patienten auch nach einer 14-tätigen Quarantäne noch Symptome aufweisen.
Mythos: Alle 15 Minuten Wasser zu trinken hilft, das Virus durch die Speiseröhre in den Magen zu befördern.
Fakt: Ausreichend trinken ist sicherlich niemals ein schlechter Hinweis. Wasser zu trinken, schützt aber nicht davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, erklärt die WHO auf Twitter.

Das Fazit

Selbst wenn diese Kettenbriefe bisweilen sogar durchaus sinnvolle Tipps enthalten wie: "Denken Sie also daran, dass Sie Ihre Hände gründlich mit Seife waschen", ist Vorsicht geboten. Denn vieles, das dort verbreitet wird, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.
Vertrauenswürdige Informationen finden Sie hingegen beim Robert Koch Institut, bei der WHO oder auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums. Behördenchef Jens Spahn bat in einem Tweet darum, mitzuhelfen, dass keine Falschnachrichten weiterverbreitet würden.
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