Erfolgsgeschichte: Das Ozonloch schrumpft

von Mark Hugo
16.09.2020 | 06:00 Uhr
Vor 33 Jahren hat sich die Weltgemeinschaft entschlossen, an einem Strang zu ziehen - das Ozonloch schrumpft wieder. Ein Erfolg. Auch ein Modell für andere globale Umweltprobleme?
Eine gute Nachricht: Die Ozonschicht erholt sich seit einigen Jahren wieder. Wieso diese Schicht so wichtig ist.
Wissenschaftler schlagen Alarm. Die Regierungen der Welt erkennen den Ernst der Lage, setzen sich an einen Tisch und einigen sich auf eine Lösung. So - in aller Kürze - war es mit dem Ozonloch. Am 16. September 1987 wurde das Montreal-Protokoll verabschiedet und bis heute von allen 197 UNO-Staaten ratifiziert.
Beschlossen waren damit eine schrittweise Reduktion und schließlich ein Verbot des Ozonkillers Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) etwa in Spraydosen und als Kältemittel. Seit Anfang des Jahrtausends wird er weltweit praktisch nicht mehr hergestellt. "Vielleicht das bisher erfolgreichste einzelne internationale Abkommen", nannte Ex-UNO-Generalsekretär Kofi Annan das Protokoll später.

Das Ozonloch schwindet - langsam

Problem gelöst? Noch nicht ganz. Beobachtungen zeigen, dass sich das jährlich immer wieder neu aufklaffende Ozonloch auf der Südhalbkugel verkleinert. In der Ozonschicht gibt es gegenüber 2000 etwa zwölf Prozent weniger FCKW, sagt der Stratosphärenforscher Dr. Jens Uwe Grooß vom Forschungszentrum Jülich.
Allerdings geht es nur langsam voran, denn FCKW hat eine Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren. Grooß: "Das meiste ist noch da und da muss man einfach warten, bis die Gesamtheit der Chlorsubstanzen abgebaut ist." Warten bis etwa 2060. Erst dann könnte es wieder Werte wie 1980 geben.

Die Ozonschicht

Die Ozonschicht umschließt die Erde in einer Höhe von 15 bis 30 Kilometern, der sogenannten Stratosphäre. Sie filtert einen großen Teil der schädlichen UV-Strahlung der Sonne heraus. Ganz ohne Ozonschicht gäbe es nicht nur deutlich mehr Hautkrankheiten. Auch Klima und Umwelt wären betroffen und Ernten würden ausfallen.
Über der Arktis ist die Ozonschicht momentan so dünn wie seit Jahren nicht mehr. Quelle: dpa

Das Ozonloch

1985 wurde das „Ozonloch“ erstmals über der Antarktis entdeckt. Es entsteht dadurch, dass Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und andere schädliche Verbindungen in die Stratosphäre aufstiegen. Bei extrem niedrigen Temperaturen im Winter baut sich dadurch das Ozon ab und das Loch – oder eigentlich eine Ausdünnung der Schicht - entsteht. Weil es in der Antarktis deutlich kälter ist als am Nordpol, ist das Phänomen auf der Südhalbkugel um ein Vielfaches größer. Bei einer Ausdehnung des Ozonlochs von bis zu 25 Millionen Quadratkilometern ist jedes Jahr wieder für drei bis vier Monate zum Beispiel Australien betroffen.

Der Ozonkiller FCKW

FCKW galt lange als Wundermittel, weil es nicht gesundheitsschädlich ist. Daher wurde es häufig als Treibmittel in Spraydosen, zum Aufschäumen von Schaum- und Dämmstoffen, als Kältemittel in Klimaanlagen und Kühlschränken und als Reinigungs- oder Löschmittel verwendet. Dass es in der Stratosphäre unter bestimmten Bedingungen Chlorverbindungen freisetzt, die Ozon abbauen können, wurde erst in den 80er Jahren entdeckt. Nach dem Verbot infolge des Montreal-Protokolls  wird es praktisch nicht mehr verwendet. Ein anderes Problem gibt es allerdings durch alternativ verwendete Kältemittel. Diese sind meist klimaschädlich. Im Kigali-Zusatz einigten sich die Vertragsstaaten 2016 deshalb darauf, auch diese nach und nach zu ersetzen.
Jedenfalls, wenn sich alle an das FCKW-Verbot halten. Letztes Jahr fanden Forscher heraus, dass Fabriken im Osten Chinas den Schadstoff noch immer illegal freisetzten. Und noch ein weiterer Faktor bremst: Der Klimawandel. Im Gegensatz zur Erwärmung am Boden führt der CO2-Anstieg in der Stratosphäre zu einer Abkühlung. Und Kälte dort begünstigt den Ozonabbau.

Ozonschwund auch in der Arktis

Das ist auch einer von mehreren Gründen, warum in diesem Frühjahr ein verstärkter Ozonabbau in der Arktis beobachtet wurde. Allerdings hatte das vor allem mit ungewöhnlich niedrigen Temperaturen im letzten Winter zu tun und einem hartnäckigen Polarwirbel, der die kalte Luft festgehalten hat. "Man muss jetzt aber nicht alle Theorien über den Haufen werfen", sagt Dr. Grooß. Größere Temperaturschwankungen in der Arktis seien nämlich normal.
Außerdem war das Phänomen weit kleiner als das bis zu 25 Millionen Quadratkilometer große Ozonloch, das sich jedes Jahr auf der Südhalbkugel bildet. Ganz oben im Norden war daher die Lage dieses Jahr nicht wirklich bedrohlich. "Man hatte Mitte März vielleicht so viel Sonnenstrahlung wie sonst zwei Wochen später", schätzt der Stratosphärenforscher.

Ohne Montreal-Protokoll Lage "ziemlich desaströs"

Unterm Strich aber erholt sich die Ozonschicht allmählich wieder. Hätte es das Montreal-Protokoll nicht gegeben und wäre weiter FCKW in die Atmosphäre freigegeben worden, dann wäre die Lage heute "ziemlich desaströs", glaubt der NASA-Wissenschaftler Paul Newman, der die Politiker damals beraten hatte.
Wegen der höheren UV-Strahlung auf der Erdoberfläche hätten wir weltweit Missernten, die Menschen bekämen schneller einen Sonnenbrand und damit häufiger Hautkrebs.
Paul Newman, NASA-Wissenschaftler, zu den Folgen des Ozonlochs
Auch für Grooß war das Protokoll "wirklich ein Erfolg". Und es habe gezeigt, dass es möglich ist, "ein globales Umweltproblem zu lösen, indem man alle Regierungen mit ins Boot nimmt und gemeinsam entscheidet." Ein Modell also auch für andere Krisen? "Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Klimavereinbarungen ähnlich durchgesetzt werden - wohlwissend, dass das schwieriger ist." FCKW wurde damals nur von einer Handvoll Firmen produziert. CO2 sei eine andere Größenordnung, sagt Grooß. "Aber letztlich haben wir alle keine andere Wahl."    

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