Neun Festnahmen nach Enthauptung nahe Paris

17.10.2020 | 18:30 Uhr
Nach der Ermordung eines Geschichtslehrers in einem Pariser Vorort gibt die Staatsanwaltschaft Details bekannt. Präsident Macron hatte die Tat als Terroranschlag eingestuft.
Nach der brutalen Ermordung eines Lehrers bei Paris sitzt der Schock im Land tief. Indes hat die Staatsanwaltschaft weitere Details über Tat, Opfer und Täter bekanntgegeben. Demnach wurde der Getötete enthauptet. Die Ermittler nahmen neun Menschen fest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine enthauptet ein 18-Jähriger am Freitagnachmittag einen Geschichtslehrer.
  • Der mutmaßliche Täter wird kurze Zeit später von der Polizei aufgegriffen und getötet.
  • Staatspräsident Emmanuel Macron spricht am Freitagabend von einem islamistischen Terroranschlag.
  • Laut Staatsanwaltschaft hatte der Lehrer Anfang Oktober Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt.
  • Insgesamt nimmt die Polizei neun Menschen fest.
Nach der mutmaßlich terroristisch motivierten Enthauptung eines Lehrers bei Paris hat die Staatsanwaltschaft weitere Details über die Tat bekanntgeben. Der mutmaßliche Täter sei in Frankreich bislang nicht strafrechtlich belangt oder wegen Radikalisierung erfasst worden. Der 18-Jährige sei als Flüchtling nach Frankreich gekommen und habe seit diesem Frühjahr eine Aufenthaltsgenehmigung.
Der Vorfall hatte sich am Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ereignet. Der 47-jährige Geschichtslehrer wurde enthauptet aufgefunden, so der Staatsanwalt. Er sei auf dem Weg von der Schule nach Hause gewesen.

Motiv wohl Mohammed-Karikaturen

Der Staatsanwalt führte aus, dass dem Angriff bereits Drohungen gegen den Lehrer und die Schule vorausgegangen waren. Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen der Debatte über Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Unterricht entsprechende Zeichnungen gezeigt. Daraufhin veröffentlichte ein Vater Posts in sozialen Netzwerken, beschwerte sich bei der Schulleitung und machte gegen den Lehrer mobil.
Der mutmaßliche Täter soll nach der Tat ein Foto des Opfers im Netz gepostet und dazu einen Text geschrieben haben. "Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed herabzusetzen", hieß es nach Angaben des zuständigen Staatsanwalts in dem Post.
Nach dem grausamen Mord an einem Lehrer bei Paris herrscht in ganz Frankreich Fassungslosigkeit, das Land steht unter Schock. ZDF-Korrespondent Thomas Walde berichtet aus Paris.

Täter nach Angriff auf Polizei getötet

Der mutmaßliche Täter wurde nur kurze Zeit nach dem Angriff im nahe gelegenen Éragny von der Polizei aufgegriffen. Laut Medien hat er versucht, die Polizei anzugreifen - daraufhin hat diese auf ihn geschossen und ihn getötet. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet. In der Nähe des Tatorts habe die Polizei außerdem ein rund 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer gefunden.
Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, wurden am Freitagabend vier Menschen, darunter ein Minderjähriger, von der Polizei in Gewahrsam genommen. Am Samstagmorgen folgten fünf weitere Festnahmen. Sie alle sollen zur Familie des mutmaßlichen Angreifers gehören.

Macron: "Sie werden damit nicht durchkommen"

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sprach bereits am Freitagabend von einem islamistischen Terroranschlag. "Einer unserer Mitbürger wurde heute ermordet, weil er lehrte, weil er Schülern die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben lehrte", sagte Macron.
"Ich rufe alle unsere Landsleute auf, zusammenzustehen, vereint zu sein (...)", so der Präsident. "Sie werden damit nicht durchkommen", sagte er mit Blick auf Gewalt und Terroristen.
Quelle: dpa, AFP

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