: Sänger und Komponist Paul Simon wird 80

13.10.2021 | 11:09 Uhr
Mit "Simon & Garfunkel" war Paul Simon in den 60er Jahren ein Superstar. Als Solokünstler ist er bis heute erfolgreich. Nun wird der US-Sänger und Komponist 80 Jahre alt.
Paul Simon bei einem Konzert in New York im September 2021. Quelle: AP
Paul Simon gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Sein großer Songkatalog umfasst Lieder aus fast 60 Jahren. Zusammen mit seinem musikalischen Partner Art Garfunkel bildete Simon das wohl erfolgreichste Duo der Popgeschichte "Simon & Garfunkel".
Nun wird der kreative Kopf, der Sänger und Komponist Paul Simon, 80 Jahre alt.

"Simon & Garfunkel" trafen den Nerv der Zeit

Wenn es nach den Fans ginge, hätte sich das Folk-Rock-Duo, das von 1965 bis zu seinem Ende 1970 weltweit riesigen Erfolg hatte, nie auflösen dürfen. Mit ihren melancholischen Songs mit oft nachdenklichen Texten trafen "Simon & Garfunkel" den Nerv der Zeit.
Bis heute verkauften sie mehr als 100 Millionen Tonträger. Zeitlos sind perfekt arrangierte Songs wie "Sound Of Silence", "Mrs. Robinson", "The Boxer", "Scarborough Fair" und besonders die Jahrhundertballade "Bridge Over Troubled Water".
"Simon & Garfunkel": Schon als Schuljungen machten die beiden New Yorker als "Tom & Jerry" zusammen Musik. Hier bei einem Auftritt im Jahr 1982.Quelle: dpa
Paul Simon schrieb die gefühlvollen Melodien sowie die anspruchsvollen Texte, in denen es oft um Einsamkeit und die Entfremdung der Menschen voneinander ging. Art Garfunkel - er wird am 5. November ebenfalls 80 Jahre alt - prägte mit seiner hohen Stimme Simons Musik, die dadurch manchmal nur scharf am Kitsch vorbeiging.

Solokarriere in den 70er Jahren

Am 13. Oktober 1941 wurde Paul Simon als Sohn jüdisch-ungarischer Einwanderer in Newark im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Schon als Literaturstudent arbeitete er als Songschreiber für Musikverlage.
Gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Architekturstudenten Art Garfunkel, unternahm er in der Folkszene von Greenwich Village in New York erste musikalische Gehversuche. Als der Erfolg in New York zunächst ausblieb, reiste Simon 1964 allein nach London, fasste dort Fuß in der florierenden Folk-Szene.
Der zuvor aufgenommene Song "Sound Of Silence" wurde, neu arrangiert mit Schlagzeug und elektrischer Gitarre, veröffentlicht - und ein 1965 ein Riesenhit und zum ersten Nummer-eins-Hit des Duos in den USA. Spätestens der Hollywood-Film "Die Reifeprüfung" (1967), in dem der Schauspieler Dustin Hoffman in der Rolle des jugendlichen Liebhabers reüssierte, machte die leisen Folk-Rocker weltbekannt. Dazu bot das Duo den Titel "Mrs. Robinson".

Streit über "Bridge Over Troubled Water"

Im Streit über "Bridge Over Troubled Water" kam es 1970 zum Bruch zwischen Simon und Garfunkel - auf dem Höhepunkt des Erfolgs. Letzterer wollte Simons vielleicht schönsten Song nicht singen, in dem es um Gemeinschaft und Vertrauen geht. Simon war verärgert - und schwamm sich künstlerisch frei: 13 Studioalben als Solist folgten bis heute.
Immer wieder jedoch rauften sich "Simon & Garfunkel" für einzelne Auftritte zusammen. Ihr Gratiskonzert im New Yorker Central Park im Jahr 1981 vor rund 500.000 Zuschauern gilt als eines der besten Livekonzerte überhaupt. Zehn Jahre später trat Simon am selben Ort vor 750.000 Menschen auf - diesmal ohne Garfunkel.
Am 15. August 1991 schreibt Paul Simon Geschichte: Konzert aus dem Central Park.

Simon gilt als Mitbegründer der "Weltmusik"

1986 überschritt er mit seinem Album "Graceland" kulturelle Grenzen: Er nahm es gemeinsam mit südafrikanischen Musikern auf, machte dadurch deren Musik in westlichen Ländern bekannter. Das Album war auch ein Statement gegen die Rassentrennung und Unterdrückung der Schwarzen in dem damaligen Apartheid-Staat Südafrika.
Südafrikanische politische Aktivisten kritisierten das Projekt jedoch: Er habe den UN-Kulturboykott gegen Südafrika gebrochen und schwarze Musiker ausgebeutet, befand etwa die Unabhängigkeitsorganisation ANC.
Das wohl erfolgreichste Duo der Popgeschichte "Simon & Garfunkel" bleibt seit mehr als 50 Jahren zerstritten wie Katz und Maus. Hier bei einem Auftritt 2004 in Köln. Quelle: dpa
Paul Simon, der immer wieder demokratische US-Präsidentschaftskandidaten unterstützt hat, sieht sich als ein Vermittler, der auch die Menschen in den politisch zerrissenen USA zusammenführen will.
Der Mann, der 2018 seinen Rückzug von der Bühne ankündigte, sagte:
Wir brauchen Brücken, damit sich das Land vereinen kann.
Paul Simon
Dazu setzt er ein, was er hat: seine Stimme und seine Songs.
Quelle: Alexander Lang, epd