: Russland schickt Forschungslabor zur ISS

21.07.2021 | 11:21 Uhr
Schon seit 2007 will Russland ein Modul für Forschungen zur ISS bringen. Doch der Start wurde immer wieder verschoben, jetzt nimmt die Raumfahrtnation einen neuen Anlauf.
Das russische Forschungsmodul "Nauka" wird auf die ISS gebracht. Quelle: imago
Es sollte schon seit Jahren im All sein, doch ein Start wurde immer wieder verschoben: Heute will Russland sein Forschungsmodul mit dem Namen "Nauka" (Wissenschaft) zur Internationalen Raumstation (ISS) schicken. Eine Trägerrakete vom Typ Proton-M soll das 13 Meter lange Labor vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe der zentralasiatischen Republik Kasachstan zum Außenposten der Menschheit in 400 Kilometer Höhe bringen. Der Flug soll acht Tage dauern.

Russlands ISS-Engagement ungeklärt

Lange ist in Moskau gerätselt worden, ob das fliegende Labor überhaupt jemals zum Einsatz kommt. Unzählige Male sind geplante Starttermine gestrichen worden, weil Probleme auftauchten oder Geld fehlte. Zuletzt hatte Russland seine künftige Beteiligung an der ISS infrage gestellt - und sich bis heute nicht eindeutig positioniert, wie lange die stolze Raumfahrtnation ihren Teil der Station betreiben will. Der Vertrag dazu läuft 2024 aus.
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Europas langjähriger Raumfahrtchef Jan Wörner sieht den Start des Moduls als wichtiges Signal über den Tag hinaus. "Ich werte Nauka als klar positives Zeichen für eine längere Nutzung der ISS von Seiten Russlands", sagt der frühere Leiter der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

"Nauka"-Technik gilt als veraltet

Kritiker monieren schon seit Jahren, dass die Technik des Labors längst überholt ist. Mit dem Bau war bereits 1995 begonnen worden. Es war damals aber nur zu 70 Prozent fertiggestellt worden. Ursprünglich sollte es schon 2007 fliegen. "Nauka" ist das Schwestermodul von "Sarja", das 1998 als erstes Segment ins All gebracht worden war. Das letzte Mal hatte Russland 2010 ein neues Modul zur ISS geflogen. "Nauka" soll am russischen Segment angebracht werden. Für die Fertigstellung wird mit mehreren Außeneinsätzen russischer Kosmonauten gerechnet.
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Als Mehrzweckmodul ist es vorrangig für die Forschung gedacht. Es soll aber auch als Mannschaftsquartier mit eigenem Lebenserhaltungssystem dienen. "Nauka" misst 13 mal 4,11 Meter bei einem Gewicht von mehr als 20 Tonnen. Das fliegende Labor verfügt unter anderem über den Roboterarm European Robotic Arm (ERA), der von der Esa entworfen wurde, und große Solarpaneele. Es können auch Sauerstoff und Wasser produziert werden. Und die Raumfahrer verfügen dann über eine zusätzliche Toilette - nicht unwichtig, wenn künftig wieder Touristen die ISS besuchen sollten.

Wettlauf mit Nationen wie China und den USA

Unklar ist angesichts der doch betagten Technik, ob das Modul in einigen Jahren für die geplante neue russische Raumstation Ross genutzt werden könnte - zumal diese Station laut vorläufigen Planungen in einem gänzlich anderen Orbit fliegen soll. Doch Russland braucht gute Nachrichten. Die Raumfahrtnation dürfte sich durch die jüngsten Erfolge von China und der USA herausgefordert sehen und den Start von "Nauka" auch als Lebenszeichen verstehen.
Staatschef Wladimir Putin forderte zuletzt mehr Tempo, damit Russland nicht von anderen Raumfahrtnationen abgehängt wird. Russland erinnert nun an glanzvolle Zeiten, etwa als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch ins All geflogen war. Die Proton-Rakete trägt die Aufschrift "60 Jahre Erster Flug des Menschen in den Kosmos 1961-2021".
Quelle: dpa

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