Interview

: Rückenschmerzen im Homeoffice - das hilft

21.08.2021 | 17:14 Uhr
Was tun, wenn der Rücken zum Problem wird? Häufiger Auslöser für die Schmerzen ist der improvisierte Arbeitsplatz im Homeoffice. Eine Ergonomie-Beraterin erklärt, was hilft.
Viele Menschen klagen über Rückenschmerzen - gerade auch im Homeoffice. Der häufigste Fehler: der Laptop am Küchentisch. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, fast jeder kennt sie. In der Pandemie ist ein Auslöser hinzugekommen: der improvisierte Arbeitsplatz zuhause. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der Kaufmännischen Krankenkasse: Rund ein Fünftel der eingereichten Atteste im ersten Halbjahr 2021 sind auf Rückenleiden zurückzuführen.
Hier kommt Susanne Weber zum Einsatz: Die Ergonomie-Beraterin und Physiotherapeutin sorgt für einen gesunden Rücken am Schreibtisch, neuerdings für den im Homeoffice.
ZDFheute: Die Pandemie hat Millionen Arbeitnehmer*innen ins Homeoffice gezwungen. Was beobachten Sie immer wieder, was sind die häufigsten Fehler, die Heimarbeiter am improvisierten Arbeitsplatz machen?
Susanne Weber: Viele Mitarbeiter sitzen auf Esszimmerstühlen an einem festen Tisch. Der häufigste Fehler ist der Laptop am Küchentisch, weil diese Haltung den Nacken stark belastet.
Sie müssen sich vorstellen: Der Kopf wiegt vier bis fünf Kilo. Je länger ich am Laptop arbeite und den Kopf nach vorne neige, desto mehr nimmt die Belastung auf der hinteren Halswirbelsäule zu. Neige ich mich mit nur 30 Grad nach vorn, steigt der Druck auf gut 20 Kilo. Deshalb klagen viele im Homeoffice über Nacken-, Kopf- oder Kieferschmerzen.

Zur Person: Susanne Weber

Quelle: Anni Brück
Susanne Weber ist Ergonomie-Beraterin und Physiotherapeutin. Mit ihrer Arbeit sorgt sie für einen gesunden Rücken am Schreibtisch - in der Pandemie auch für den im Homeoffice.
ZDFheute: Was können Betroffene dem am besten entgegenwirken?
Susanne Weber: Folgender Technik-Trick bringt bei der Arbeit mit dem Laptop am Küchentisch Erleichterung: Bildschirm, Tastatur und Maus sollten getrennt werden. Für eine Komfortsteigerung und Nackenentlastung lohnt auch die Investition in einen Laptopständer. Das ist die Minimalausstattung im Home-Office.
Als "Hausmittel" eignet sich auch erstmal ein Stapel Bücher. Außerdem sollte jeder spätestens alle 90 Minuten eine Bewegungspause einlegen: Ob einen Haltungswechsel vom Sitzen zum Stehen oder mal ein Telefonat im Gehen führen.
ZDFheute: Die meisten Angestellten sitzen acht Stunden täglich am Schreibtisch: Wie sitze ich eigentlich richtig?
Susanne Weber: Optimal ist es, wenn der Stuhl ein paar Grundfunktionen hat. Höhenverstellbar sollte er unbedingt sein. Die Sitzhöhe sollte so eingestellt sein, dass die Oberschenkel bis zum Knie eine abfallende Linie bilden und der Winkel zwischen Rücken und Oberschenkel sollte größer als 90 Grad sein.
Man sollte aufrecht und entspannt sitzen, sodass beide Füße einen guten Bodenkontakt haben. Wichtig ist auch: Arme nicht vergessen. Die Schultern sind locker und entspannt.
Unterarme und Handgelenke liegen auf Armlehnen und Tisch auf. Hoch gezogene Schultern versetzen die Schulter-Nackenmuskulatur nämlich in einen Dauerspannung, was Schmerzen verursacht.  
Rückenschmerzen im Homeoffice? Massagegeräte für Zuhause sollen helfen.
ZDFheute: Was glauben Sie ist nötig, um das Thema Rückenschmerzen in der Breite der Gesellschaft anzugehen? 
Susanne Weber: Aktuelle Studien bestätigen, wie dringend wir handeln müssen. Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen und langfristig auch für Arbeitsunfähigkeiten.
Wir brauchen beim Thema Rückengesundheit und Ergonomie einfach mehr Aufklärung, Sensibilisierung und Motivation vom EntscheidungsträgerInnen und MitarbeiterInnen. MitarbeiterInnen benötigen Impulse, um ihren Weg zur persönlichen Gesundheit für sich zu entdecken, um leistungsbereit aber vor allem gesund zu bleiben.
Durch meine Beratungen versuche ich zu helfen und immer individuell auf die jeweiligen Arbeitsplatzsituationen und Verhaltensmuster einzugehen.
ZDFheute: Was tun Sie selbst, wenn es mal im Rücken zwickt? Oder auch: wie beugen Sie vor? 
Susanne Weber: Mein Tag startet immer mit Bewegung – eine kurze Yogaeinheit auf der Matte oder ein kurzer Spaziergang oder eine Joggingrunde sowie eine kurze Meditationseinheit. Abends gehe ich gerne auf den Golfplatz.
Generell gilt: Bewegung ist bei bereits vorhandenen Rückenschmerzen und auch zur Prävention das A und O – in welcher Form auch immer, da darf und muss jeder auf sein Gefühl und seine Vorlieben hören.
Das Interview führte Anni Brück von der Redaktion "plan b".
Am Samstag um 17:35 Uhr sendet das ZDF die Dokumentation "plan b: Rücken ohne Schmerzen".

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