: "Digitalisierung ist mehr als PDF-Dokumente"

12.11.2020 | 00:22 Uhr
Sind Schule für die zweite Corona-Welle gewappnet? Im ZDF-Interview spricht Online-Lehrer Bob Blume über fehlende Konzepte und ein falsches Verständnis von Digitalisierung.
Mittlerweile befinden sich mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Dies hat vermehrte Schulschließungen zur Folge, warnt der Deutsche Lehrerverband. Die Konsequenz: Homeschooling. Die Schulen hätten mittlerweile nachgerüstet und verschiedene "Unterrichtskonzepte" für den Fernunterricht entwickelt, so KMK-Vorsitzende Stephanie Hubig.
Der Lehrer, Autor und Blogger Bob Blume ist da im Interview mit dem heute journal up:date ganz anderer Meinung. Lesen Sie im Folgenden eine Zusammenfassung seiner Thesen.

Passen die Konzepte der Politik zur Realität?

Bob Blume: "Ich würde nicht so weit gehen und über Konzepte sprechen, es sind Leitlinien, an die man sich anpassen muss. Das funktioniert irgendwie." Allerdings seien tatsächliche Konzepte etwas anderes. Das würden auch die vermehrten Corona-Fälle zeigen.

Bob Blume ...

Quelle: Thomas Clemens
geb. in Herdecke, ist ein deutscher Lehrer, Schulbuchautor, Blogger und Webvideoproduzent. Er befasst sich mit Themen der digitalen Bildung, dem Referendariat und Unterrichtsgestaltung.

Haben wir aus dem ersten Teil-Shutdown etwas gelernt?

Blume: "Die Schulen haben Konzepte erstellt und zwar in einer erheblichen Mehrarbeit. Aber ich glaube, politisch ist zu wenig gekommen. Wenn ich mir überlege, dass sechs Monate Zeit waren (...), dann muss ich sagen: Fenster zu öffnen und Masken auf, das ist einfach ein bisschen zu wenig."

Und was die Digitalisierung angeht?

Blume: "Die Digitalisierung steckt in Deutschland leider immer noch in den Kinderschuhen. Der Digitalpakt ist ja erst im September 2019 in die Wege geleitet worden und kurz darauf kam schon Corona." Daraufhin hätten die Schulen zwar "ihr Bestes gegeben, um digitale Unterrichtskonzepte vorzulegen."
Allerdings mangelte es am zeitlichen Rahmen, alles musste nebenher geschehen. Von politischer Seite sei nicht genügend Zeit geschaffen worden, für Weiterbildung in diesem Bereich. "Es hätte viel mehr getan werden können."

Wie kann Digitalisierung funktionieren?

Blume: "Digitalisierung ist ein sehr deutsches Wort. Ich würde eher von: 'Lernen unter den Bedingungen der Digitalität' sprechen. Das ist mehr, als etwas einfach zu digitalisieren, beispielsweise ein Blatt Papier in Form eines PDF-Dokuments hochzuladen.
Wirklich gutes digitales Lernen funktioniert beispielsweise multimedial. Es funktioniert, indem das ganze Lernen nicht mehr ortsgebunden oder zeitgebunden ist, sondern das selbstständig gelernt werden kann. Kreativ, kritisch und kollaborativ."

Was muss sich ändern?

Blume: "Das sind alles Dinge, die passieren nicht von heute auf morgen. Deshalb ist das, worüber wir derzeit sprechen, eigentlich auch eher digitaler Notfall-Unterricht. Wirkliches Lernen unter den Bedingungen der Digitalität, würde erfordern, dass man Konzepte macht, die auch wirklich nachhaltig funktionieren. Und da liegt noch einige Arbeit vor uns."
Das Interview führte Moderatorin Hanna Zimmermann im heute journal update.

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