: Schutzschild vor Gletscher schmilzt schneller

12.06.2021 | 06:36 Uhr
Das Schelfeis vor dem antarktischen Kontinent verhindert ein schnelles Schmelzen der Gletscher. Doch dieser Schutz wird schnell schwächer.
Eisberge und Eisschollen in der ArktisQuelle: imago
Ein für das Südpolargebiet wichtiger Gletscher ist womöglich stärker gefährdet als bislang angenommen. Das Schelfeis, das den Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis daran hindere, ins Meer zu stürzen, breche schneller ab als zuvor, hieß es in einer am Freitag in der Fachzeitschrift "Science Advances" veröffentlichten Untersuchung.

Eisverlust beschleunigt

Der Eisverlust habe sich seit 2017 beschleunigt, weshalb Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Sorge äußerten, dass der Gletscher nicht erst in einigen Jahrhunderten kollabieren werde. Das auf dem Meer schwimmende Schelfeis wirkt wie ein Korken, der verhindert, dass die Eismassen des schnell schmelzenden Gletschers zügig ins Meer gedrückt werden.

Kein anderer Antarktis-Gletscher verliert mehr Eis als Pine Island. Laut einer Studie könnte das Schmelzen bald unumkehrbar sein. Das würde auch unsere Nordseeküsten bedrohen.

10.04.2021 | 02:56 min
Allerdings hat sich das Schelfeis zwischen 2017 und 2020 etwa 20 Kilometer zurückgezogen, wobei sich kilometergroße Eisberge lösten. Ein Zeitraffervideo mit Sateliten-Bildern verdeutlicht den Rückgang des Eises.

Gletscher könnten kollabieren

"Man kann sehen, wie Dinge einfach auseinandergerissen werden", sagte der Hauptautor der Studie Ian Joughin von der Universität Washington. "Es sieht also fast so aus, als würde die Beschleunigung selbst den Gletscher schwächen."
Bis jetzt seien etwa 20 Prozent des Hauptschelfs verloren gegangen.
Es ist nicht völlig undenkbar, dass das ganze Schelf in ein paar Jahren nachgibt und verschwindet.
Ian Joughin, Glaziologe

Eisverlust in der Antarktis - Pine-Island-Gletscher macht Sorgen

Der Pine-Island-Gletscher ist einer von zweien in der Westantarktis, die den Forschenden die größten Sorgen bereiten. Er enthält 180 Billionen Tonnen Eis und ist für etwa ein Viertel des Eisverlustes in der Antarktis verantwortlich. Sein Eis könnte den Meeresspiegel um etwa einen halben Meter steigen lassen.
Das andere Sorgenkind ist der Thwaites-Gletscher. "Pine Island und Thwaites sind jetzt unsere größte Sorge, denn sie fallen auseinander und dann wird der Rest der Westantarktis nach fast allen Modellen folgen", sagte die Eisforscherin Isabella Velicogna von der University of California in Irvine, die nicht an der Studie mitgearbeitet hat. Das könnte alles Folge des Klimawandels sein.
Quelle: ap