: Erstmals Bild von Schwarzem Loch

12.05.2022 | 16:47 Uhr
Astronomen haben erstmals ein Bild des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße vorgestellt. Mehrere beteiligte Forschungseinrichtungen weltweit berichteten über den Erfolg.

Ein Team internationaler Astronomen hat das erste Bild des Schwarzen Lochs mitten in unserer Galaxie veröffentlicht. Es trägt den Namen Sagittarius A*. Das Bild gilt als erster visueller Beweis dieses Phänomens im Zentrum der Milchstraße.

12.05.2022 | 02:40 min
Wie fotografiert man ein Objekt, das von Natur aus unsichtbar ist? Vor diesem Problem stehen Astronomen seit den ersten theoretischen Spekulationen über Schwarze Löcher - Objekte, deren Schwerkraft so gewaltig ist, dass nicht einmal Licht aus ihnen entkommen kann. Die Antwort: Man nimmt nicht das unsichtbare Objekt selbst auf, sondern seine unmittelbare Umgebung - und macht es so als dunkle Mitte in einem leuchtenden Ring sichtbar.

Beweis, dass Sagittarius A* existiert

Es ist das erste Bild eines supermassereichen Schwarzen Lochs mitten in unserer Galaxie. Dabei handelt es sich um den ersten direkten visuellen Beweis dieses Phänomens im Zentrum der Milchstraße, wie die Forscher des Projekts Event Horizon Telescope (EHT) an diesem Donnerstag bei Pressekonferenzen im bayerischen Garching, in Washington und anderen Städten mitteilten. An dem Durchbruch war auch das Max-Planck-Institut beteiligt.

Einem internationalen Team von Forschenden ist es erstmals gelungen, ein schwarzes Loch in unserer Milchstraße zu fotografieren – obwohl die eigentlich unsichtbar sind.

12.05.2022 | 01:30 min
Die Anfertigung des Bildes mithilfe eines Netzwerks aus Hochleistungsteleskopen habe "unser Verständnis von dem, was ganz im Zentrum unserer Galaxie geschieht, verbessert", erklärte der EHT-Forscher Geoffrey Bower von der Academia Sinica in Taiwan. Das erste Bild dieses Phänomens im Zentrum der Milchstraße biete "neue Einblicke, wie diese riesigen Schwarzen Löcher mit ihrer Umgebung interagieren".

So scharf ist das Teleskop: Vom Mond aus eine Apfelsine auf der Erde sehen

Die Daten der Teleskope werden mit speziellen Supercomputern kombiniert, so dass sich ein gigantisches virtuelles Teleskop vom Durchmesser der Erde ergibt. Es besitzt eine Detailschärfe, mit der sich vom Mond aus eine Apfelsine auf der Erde identifizieren ließe, wie beteiligte Forscher einmal erläuterten. Oder aber von Berlin aus eine Zeitung in New York lesen.

Was sind Schwarze Löcher?

Wann wurde zum ersten Mal ein Bild veröffentlicht?

Quelle: Imago
Im Jahr 2019 wurde zum ersten Mal das Bild eines Schwarzen Lochs veröffentlicht - eine Sensationsaufnahme des Schwerkraftmonsters in der weit entfernten Galaxie Messier 87 (M87). Jetzt wurde zum ersten Mal in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, ein Schwarzes Loch fotografiert - mit der Masse von mehr als vier Millionen Sonnen.

Was sind Schwarze Löcher?

Schwarze Löcher im Universum sind Orte der Extreme, ihre Eigenschaften sprengen die Vorstellungskraft. Die Masse ist in ihnen so stark zusammengepresst, dass nichts ihrer enorm hohen Anziehungskraft entkommt - nicht einmal Licht. Niemand weiß genau, was in den mysteriösen Giganten vor sich geht. Die Objekte selbst sind unsichtbar. Sie verraten sich jedoch über die Materie, die sie verschlucken: Fällt Materie in ein Schwarzes Loch, heizt sie sich auf Millionen Grad auf und strahlt dann hell. Dieses charakteristische Leuchten können Teleskope registrieren. Zudem bewegen sich ab einem gewissen Abstand andere Himmelskörper in Umlaufbahnen um die Löcher.

Wie entstehen Schwarze Löcher?

Schwarze Löcher können eine Masse von einigen Sonnen bis mehreren Milliarden Sonnen haben. Sie können zum Beispiel aus ausgebrannten Riesensternen entstehen, die am Ende ihrer Existenz unter der eigenen Schwerkraft zusammenstürzen. Wie extrem massereiche Schwarzen Löcher entstehen, wissen Forscher noch nicht genau.

Wie groß sind Schwarze Löcher?

Schwarze Löcher besitzen zwar unvorstellbar viel Masse, sind dabei aber recht klein. Ein Schwarzes Loch mit der Masse unserer Erde wäre beispielsweise nur etwa so groß wie eine Erbse. Im Jahr 2020 hatten der Deutsche Reinhard Genzel und die US-Forscherin Andrea Ghez den Physik-Nobelpreis für die Entdeckung des supermassereichen Schwarze Lochs im Zentrum unserer Milchstraße erhalten. Zudem wurde der Brite Roger Penrose geehrt, der erkannte, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.
Zum ersten Mal gelang das den Forschern des EHT-Projekts 2019 mit einem riesigen Schwarzen Loch in der rund 55 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Messier 87 (M87).
Nun gelang ihnen dies auch bei dem kleineren und schwerer abzubildenden Schwarzen Loch inmitten unserer Galaxie, das 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Loch inmitten des Schützen

In der Dunkelheit des Universums lauern Schwarze Löcher: Orte, an denen die Schwerkraft so stark ist, dass nichts entkommen kann und sich sogar Raum und Zeit verformen.

14.04.2022 | 44:45 min
Es liegt von der Erde aus gesehen im Sternbild des Schützen und wurde daher nach der lateinischen Bezeichnung des Sternbildes Sagittarius A* genannt, kurz Sgr A*. Seine Existenz war seit 1974 vermutet worden, nachdem eine ungewöhnliche Quelle von Radiowellen im Zentrum unserer Galaxie ausgemacht worden war.
In den 90er Jahren gelang es, die Orbits der hellsten Sterne nahe des Zentrums der Milchstraße zu kartografieren. Damit wurde die Präsenz eines supermassereichen kompakten Objektes dort bestätigt. Als einzige plausible Erklärung galt ein Schwarzes Loch - und nun gibt es dafür einen direkten visuellen Beweis.
Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, Anton Zensus, erklärte dazu:
Unsere Entdeckung zeigt, dass es sich bei dem Objekt im galaktischen Zentrum tatsächlich um ein schwarzes Loch handelt.
Anton Zensus, Max-Planck-Institut
Das Schwarze Loch selbst ist auf der Aufnahme zwar nicht zu sehen, weil es naturgemäß keine Strahlung aussendet. Zu sehen ist aber ein charakteristischer dunkler Fleck, der von einer hellen ringartigen Struktur umgeben ist - das Schwarze Loch ähnelt einem riesigen, orangefarbenen Donut.
An dem Beweis haben mehr als 300 Wissenschaftler aus 80 Ländern fünf Jahre lang gearbeitet. Sie setzten das nun vorliegende Bild aus mehreren Momentaufnahmen von Sagittarius A* zusammen.

Sie gehören zu den ungewöhnlichsten Phänomenen des Universums: Schwarze Löcher. Obskure Orte, aus denen kein Licht entkommt

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Quelle: dpa, AFP

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