FAQ

: Versicherungen: Was Betroffene wissen müssen

von Susanne Gindorf-Litz
16.07.2021 | 15:23 Uhr
Extremwetter hat in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz enorme Schäden angerichtet. Welche Versicherungen greifen und was Betroffene tun müssen - Fragen und Antworten im Überblick.
Welche Versicherung im Schadensfall greift.
Ganze Häuser wurden von den Fluten weggerissen. Menschen haben zum Teil ihr Zuhause und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Experten gehen davon aus, dass durch den Klimawandel Extremwetter zunehmen werden.
Wie kann man sich als Hausbesitzer oder Mieter gegen Schäden durch Starkregen und Hochwasser absichern? Und was ist zu tun, wenn ein Schaden eintritt? Im Interview mit ZDFheute gibt Anna Follmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Antworten.
Die Flut hat viele in Existenznot gebracht. Man kann sich gegen die Schäden versichern, aber in Rheinland-Pfalz zum Beispiel tun das gerade mal 35 Prozent der Hauseigentümer.

Welche Versicherung zahlt für Schäden am Haus durch Hochwasser und Starkregen?

Hier tritt in der Regel die Wohngebäudeversicherung in Kraft, allerdings nur dann, wenn man den Zusatz Elementarschaden hinzugewählt hat, erklärt Follmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sogenannte Elementarschäden durch Naturkatastrophen oder Unwetter müssen also ausdrücklich mitversichert werden. Denn: Wohngebäudeversicherungen übernehmen in der Basisversion keine Schäden durch von außen eindringendes Wasser in Folge von Unwettern und Naturkatastrophen.
Die Bundesregierung will den Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe schnell helfen. Doch den Hauptschaden werden Versicherungen begleichen. Sina Mainitz mit einer Einordnung.

Wer zahlt für Schäden an der Einrichtung?

Hier gilt ähnlich wie bei der Wohngebäudeversicherung: Man muss den Elementarschutz extra zur Hausratversicherung dazubuchen. Schäden durch von außen eindringendes Wasser übernimmt die Hausratversicherung nicht automatisch.

Was muss man zum Elementarschutz wissen?

Mit Elementarschäden sind die Schäden gemeint, die durch das Wirken der Natur hervorgerufen werden. Darunter fallen Schäden durch Hagel, Sturm (ab Windstärke 8), Überschwemmung, Starkregen, Erdbeben, Erdsenkung, Schneedruck oder auch Vulkanausbrüche.
Das Problem ist, dass man nicht von allen Versicherern automatisch den Elementarschutz angeboten bekommt, so Follmann. Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher, explizit nach der Elementarschadenversicherung zu fragen, da es eben wichtig sei, Schäden wie Hochwasser oder auch Starkregen abzusichern, die sonst in der normalen Wohngebäude- oder Hausratversicherung nicht mit drin wären.

Kann man abgelehnt werden?

Wenn man in einem Gebiet wohnt, wo Hochwasser sehr häufig auftreten, wie beispielsweise in Fluss- oder Bachnähe, kann es schwieriger sein, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen, schildert Follmann:
Es kommt nach unseren Erfahrungen leider immer wieder vor, dass man Probleme hat, vielleicht überhaupt einen Versicherer zu finden oder eben auch eine bezahlbare Versicherung zu zumutbaren Kosten zu finden.
Anna Follmann, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Auch wichtig zu wissen: Nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen habe man kein Anrecht auf eine Elementarschadenversicherung.

Wenn ein Schaden eintritt, was ist zu tun?

Tritt ein Schaden ein, ist der Versicherungsnehmer verpflichtet, so Follmann, alles Mögliche zu unternehmen, was zumutbar ist, um Schlimmeres zu verhindern.
Folgendes sollte man beachten:
  • den Strom und das Wasser abstellen, wenn der Keller vollgelaufen ist und Elekronik bzw. Elekrogeräte betroffen sind
  • versuchen, Wasser abzuschöpfen und sich notfalls an die Feuerwehr wenden
  • die Gegenstände, die noch zu retten sind, in Sicherheit bringen
  • zerstörte Gegenstände nicht voreilig entsorgen
Betroffene sollten sich außerdem unverzüglich und nachweislich mit dem Versicherer in Verbindung setzen und eine Schadensliste erstellen.
Es sollte möglichst mithilfe eines Zeugen alles in Augenschein genommen und mit Fotos und Videos dokumentiert werden.
Anna Follmann, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Alle Gegenstände, die beschädigt seien oder anderer erkennbarer Schaden sollte in einer Liste erfasst werden. Welche Schäden sind erkennbar? Welche Gegenstände haben Schaden genommen?

Wann ist von Seiten des Versicherers eine erste Zahlung erwarten?

Betroffene sollten sich mit der Schadenregulierung nicht vertrösten lassen, so Follmann. Wenn alle Unterlagen vorgelegt sind, kann spätestens einen Monat nach Schadensanzeige eine Abschlagszahlung verlangt werden. Dies sei in Paragraf 14 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes geregelt.

Wenn man vorübergehend in ein Hotel ziehen muss – wer zahlt?

Bei Wohneigentum kann dies auch über die Wohngebäudeversicherung mit abgedeckt sein. Allerdings ist das von den Versicherungsbedingungen abhängig. Denn nicht jede Versicherung decke diesen Schutz automatisch ab. Allerdings kann man das über eine Sonderkondition absichern.
Follmann empfiehlt, sich im Vorhinein zu überlegen: Lohnt es sich für mich, dafür vielleicht eine teurere Versicherung zu haben? Oder wäre man im Ernstfall auch in der Lage, die Hotelkosten selbst zu zahlen?
Bei einer Mietwohnung sollten Betroffene unverzüglich den Vermieter kontaktieren, sodass dieser den Schadensfall gegebenenfalls mit seiner Wohngebäudeversicherung abwickeln kann.
Extremwetter-Ereignisse häufen sich. 2019 zahlten Versicherungen in Deutschland insgesamt rund 3 Milliarden Euro an Versicherte, doch wann erstatten sie Schäden durch Naturgefahren? Wir fragen Rita Reichard von der Verbraucherzentrale NRW.
Quelle: mit Material von afp

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