: Nach Baby-Milchpulver: USA gehen Tampons aus

von Luis Hanusch
22.06.2022 | 17:36 Uhr
Erst wurde das Baby-Milchpulver knapp, jetzt gibt es in den USA immer weniger Tampons. Republikaner suchen die Schuld bei Männern und Biden. Der Mangel könnte Monate andauern.
Leere Regale: In den USA werden Tampons knapp. Quelle: ZDF/Luis Hanusch
"Das Versorgungsproblem, über das niemand spricht." So bezeichnete das "Time Magazine" Anfang Juni den Mangel an Tampons in den USA und löste damit große Diskussionen aus. Denn gerade erst hatte sich die Versorgungskrise um das fehlende Baby-Milchpulver in den Supermärkten gelegt, da stehen Verbraucher vor den nächsten leeren Regalen - auch in Washington D.C., wie die 19-jährige Anna erzählt.
Wir haben es uns nicht ausgesucht, dass wir einmal im Monat unsere Periode bekommen, sondern Tampons sind etwas, was wir wirklich brauchen.
Anna, 19 Jahre
Auch Ellen, 31 Jahre, findet die Situation beängstigend: "Ich weiß, dass man immer eine Binde tragen kann, aber viele Frauen werden in dieser Zeit des Monats von einer bestimmten Form des Schutzes abhängig, und man sollte Zugang zu dem haben, womit man sich am wohlsten fühlt."

Wegen des Ausfalls eines Werks war Babynahrung in den USA wochenlang Mangelware. Schließlich wurde per Militärflugzeug von Deutschland aus Babynahrung in die USA gebracht.

23.05.2022 | 00:20 min

Republikaner: Trans-Menschen und Biden sind schuld

Die Suche nach der Ursache für den Mangel an Tampons hat längst begonnen, in den politisch gespaltenen USA wird die Schuld häufig beim politischen Gegner gesucht. So auch diesmal, denn den Republikanern zufolge soll Präsident Joe Biden für die Versorgungskrise verantwortlich sein. Ein offizieller Twitter-Account der Partei bezeichnete den Mangel an Tampons und Babynahrung als "Bidens Krieg gegen Frauen".
Noch weiter ging die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, die auf Twitter Trans-Menschen für die Tampon-Knappheit verantwortlich machte. "Frauen finden keine Tampons in Supermarktregalen, aber Männer finden Tampons auf öffentlichen Toiletten", so Greene in einem Tweet.
Tweet von Marjorie Taylor Greene

Viele Gründe für Versorgungskrise

Die Abgeordnete aus dem Bundesstaat Georgia ist für extreme Aussagen bekannt, von den tatsächlichen Gründen für diese Versorgungskrise ist sie damit aber weit entfernt. "Leergeräumte Tampon-Regale sind vor allem ein Ergebnis vieler Hamsterkäufe in der letzten Zeit", erklärt Patrick Penfield, Professor für Lieferkettenpraxis an der Syracuse University im Bundesstaat New York, auf ZDFheute-Anfrage.
Ähnlich wie beim Toilettenpapier in Deutschland sei es dadurch zu weiteren Panikkäufen gekommen, die die Fabriken so kurzfristig nicht mit mehr Ware ausgleichen konnten. Laut Penfield hätten die Produzenten aber selbst mit Rohstoff- und Personalmangel zu kämpfen – nach wie vor verursacht durch die Corona-Pandemie. Und auch der Ukraine-Krieg macht sich bemerkbar, denn der Dünger für die für Tampons benötigte Baumwolle kommt meist von dort oder aus Russland.

Wie geht es weiter?

Einer der größten Tampon-Produzenten in den USA, Tampax-Hersteller Procter & Gamble (P&G), bittet auf ZDFheute-Anfrage um Geduld: "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine vorübergehende Situation in den USA handelt, und das Tampax-Team produziert rund um die Uhr Tampons, um die gestiegene Nachfrage nach unseren Produkten zu befriedigen."
Die gute Nachricht: Ganz so schlimm wie bei der Babynahrung schätzt Experte Patrick Penfield die Situation um Tampons nicht ein. Alternativen, wie Binden oder Menstruationstassen, seien weiterhin vorhanden. Dennoch könnte es bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert hat.

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