: Tiktok-Hobby-Detektive behindern Polizei

13.03.2023 | 11:01 Uhr
Während der Aufklärung eines Vermisstenfalls in Großbritannien haben Hobby-Ermittler Polizei gespielt und "Ermittlungsergebnisse" auf Tiktok gepostet. Die Polizei ist sauer.
Hobby-Detektive haben in Großbritannien die Polizeiarbeit gestört.Quelle: dpa
Zwei Männer buddeln in einem Wäldchen herum, andere steigen über Absperrbänder. Und alles wird gefilmt und ins Netz geladen, meistens bei Tiktok. Die Suche nach einer vermissten Frau hat Großbritannien wochenlang in Atem gehalten - aber auch zahlreiche Schaulustige ins verschlafene Dörfchen St. Michael's on Wyre gelockt.

Ein Social-Media-Ermittler wurde festgenommen

"Social-Media-Nutzer haben Privatdetektiv gespielt", sagte Detective Superintendent Rebecca Smith von der Polizei. Diese gab kürzlich bekannt, dass ein 34-Jähriger festgenommen worden sei, weil er unter anderem innerhalb einer Absperrung gefilmt hatte - der Mann war extra 210 Kilometer weit angereist, um die Suche zu beobachten.
Wir hatten Spinner da, Leichenfledderer, die Türklinken aufgedrückt und durch Fenster geglotzt haben.
Michael Vincent, Gemeindevorsteher
Anwohner Oliver Fletcher sagte der BBC, Wildfremde hätten sein Haus gefilmt, seine Großmutter habe sich nicht mehr hinaus getraut. Für den ehemaligen Polizeichef Bob Eastwood ist das Verhalten der modernen Gaffer in dem Fall ein "Gamechanger", der alles ändert.

Ärger über Gaffer ist groß

Rückblende: Am 27. Januar bringt eine 45-Jährige ihre Töchter in die Schule, dann geht sie am Fluss Wyre mit ihrem Hund Gassi. Über das Handy loggt sie sich in einen Geschäftsanruf ein - und nie wieder aus. Hund und Telefon werden gefunden, von der Frau fehlt jede Spur. Taucher suchen mehrmals den Fluss ab.
Je länger die Suche dauert, desto lauter werden die Spekulationen und umso mehr Schaulustige strömen heran. Im Internet wabern Gerüchte. Schließlich sieht sich die Polizei gezwungen, äußerst private Details aus der Krankenakte der Vermissten zu veröffentlichen.
Nach gut drei Wochen wird die Leiche der Frau im Fluss gefunden.

Soziale Medien als "gefräßige Bestie"

Im Dorf ist der Ärger über die modernen Gaffer groß, die live ihre Spurensuche streamen. Doch das Interesse vor allem auf Tiktok war enorm. Innerhalb von drei Wochen wurden dort Videos mit dem Namen der Vermissten als Hashtag 270 Millionen Mal abgerufen.
Wir tolerieren weder Mobbing noch Belästigungen auf Tiktok und entfernen Inhalte, die gegen unsere Richtlinien verstoßen.
Reaktion von Tiktok
Nicht alle waren sauer auf die ungebetenen Helfer. "Diese Berichte könnten jemanden dazu bringen, sich mit echten Informationen zu melden", sagte eine Mutter der BBC.
Doch andere warnen vor einer großen Gefahr. Mit einer "großen Bestie, gefräßig nach Informationen" vergleicht Ex-Polizist Eastwood die sozialen Medien. "Leute erfinden Dinge, dazu werden Experten gemischt, die keine Beweise haben." Ins gleiche Horn stößt die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Gewerkschaft der Polizei: Social Media Detektive stören unsere Arbeit

"Hobby-Detektive mit einem Hang zu Social-Media-Aktivitäten stören eher die polizeilichen Ermittlungen, als dass sie diese effektiv unterstützen würden", sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Alexander Poitz der Deutschen Presse-Agentur.
Zudem könnten Social-Media-Beiträge falsche Verdächtigungen auslösen und Unbeteiligte Nachstellungen und Gefahren aussetzen. Klar dürfte sein, dass die Polizei sich in Zukunft verstärkt auf Tiktok-Detektive einstellen muss.
Die GdP appelliert an die Vernunft:
Lasst die Polizei ihre Arbeit machen. Warum? Weil sie es kann.
Gewerkschaft der Polizei
Quelle: Benedikt von Imhoff, dpa

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