: "Notlage": 193.000 Schüler aus Ukraine

06.10.2022 | 12:34 Uhr
Immer mehr Schüler aus der Ukraine müssen in Deutschlands Schulen unterrichtet werden. Und der Anstieg reißt nicht ab - im Gegenteil: Bald sind es 200.000 Kinder und Jugendliche.
Mehr als 193 000 ukrainische Schüler - Lehrerverband sieht "Notlage".Quelle: dpa
Mehr als 193.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges an den Schulen in Deutschland aufgenommen worden. Was nach außen bisher relativ geräuschlos zu funktionieren scheint, stellt die Einrichtungen und Lehrkräfte vor große Herausforderungen, wie Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände der Deutschen Presse-Agentur bestätigten.
Ihrer Ansicht nach verschärfen sich die durch den Lehrermangel bereits bestehenden Probleme.

Der bauliche Zustand vieler Schulen ist verheerend. Kaputte Fenster, Schimmel - Das Gymnasium am Europasportpark ist wohl eine der marodesten Schulen Berlins.

06.10.2022 | 01:59 min

Schüler-Zahlen steigen seit Beginn des Ukraine-Kriegs stetig

Die Kultusministerkonferenz (KMK) gab die Zahl der an den Schulen in Deutschland angemeldeten geflüchteten Schüler aus der Ukraine am Donnerstag mit 193.141 an, 2.242 mehr als in der Vorwoche. Die Länder melden die Zahlen wöchentlich an die KMK.

Die meisten Schüler sind bisher untergekommen in:
  • Nordrhein-Westfalen: 36.558
  • Bayern: 29.014
  • Baden-Württemberg: 26.573
Die Zahlen sind seit dem Beginn des Krieges im Februar stetig angestiegen und haben nach den Sommerferien wegen neuer Anmeldungen noch einmal einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa elf Millionen Schülerinnen und Schüler.

"Kaum noch zu lösende Herausforderungen" an Schulen

Viele Klagen über die Aufnahme einer so großen Zahl neuer Schüler innerhalb so kurzer Zeit sind zwar bisher nicht zu hören. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der nach eigenen Angaben als Gewerkschaft die Interessen von mehr als 160.000 Pädagogen vertritt, spricht aber auf Nachfrage von "kaum noch zu lösenden Herausforderungen" an den Schulen.
Raumknappheit, Lehrkräftemangel und fehlende Unterstützung durch andere Professionen, beispielsweise bei der Bearbeitung von Traumata, führen dazu, dass eine erfolgreiche Integration trotz höchstem Engagement der Lehrkräfte kaum leistbar ist.
Udo Beckman, Vorsitzender Verband Bildung und Erziehung (VBE)
Teils finde zum Beispiel seit Wochen und Monaten nahezu keine Kommunikation zwischen geflüchteten Schülern und Lehrkräften statt, weil Dolmetscher und Ehrenamtliche fehlten.

Ukraine: Hier können Sie spenden

Quelle: ZDF
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Wie arbeitet das Aktionsbündnis?

Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hilft Menschen in der Ukraine und auf der Flucht. Gemeinsam sorgen die Organisationen Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland für Unterkünfte und Waschmöglichkeiten, für Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Auch psychosoziale Hilfe für Kinder und traumatisierte Erwachsene ist ein wichtiger Bestandteil des Hilfsangebots.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstrich ebenfalls, für die vielen an Schulen und Kitas angemeldeten ukrainischen Kinder und Jugendlichen fehlten pädagogische Fachkräfte und geeignete Räume.
Aktuell warten schulpflichtige Kinder deshalb häufig monatelang auf einen Platz in der Schule oder sie erhalten nur ein eingeschränktes Bildungsangebot. Das erschwert die Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen massiv.
Maike Finnern, GEW-Vorsitzende

Meidinger: 12.000 bis 14.000 zusätzliche Lehrkräfte nötig

Vom Deutschen Lehrerverband hieß es, die Aufnahme der ukrainischen Kinder und Jugendlichen verschärfe den Lehrkräftemangel und führe indirekt zu Stundenkürzungen und Streichung von Zusatzangeboten für alle Schülerinnen und Schüler.
Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, "sondern das ist die reale Lage", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. "Die Politik sollte so ehrlich sein, diese Notlage nicht schönzureden."
Meidinger zufolge bräuchte es für 200.000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler 12.000 bis 14.000 zusätzliche Lehrkräfte.
Die Stimmung bei den Schulleitungen schwankt zwischen Stolz, die Versorgung gesichert und neue Beschulungskräfte gefunden zu haben, bis hin zu wirklicher Verzweiflung, mit den Problemen und den fehlenden Ressourcen weitgehend allein gelassen zu werden.
Heinz-Peter Meidinger, Lehrerpräsident
Am Geld für zusätzliches Personal liege es meist nicht, sondern daran, dieses vor Ort auch zu bekommen. Das Problem, genügend Lehrkräfte zu finden, gab es zudem auch schon vor dem Krieg in der Ukraine.
Als positiv bezeichnete er, dass Willkommenskultur und Aufnahmebereitschaft an den Schulen und innerhalb der Schulfamilien nach wie vor ungebrochen seien. Er sprach auch von großer Motivation und Anstrengungsbereitschaft bei vielen ukrainischen Kindern und deren Eltern.
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Quelle: Jörg Ratzsch, dpa

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