: Papst weist Synodalen Weg in die Schranken

21.07.2022 | 20:40 Uhr
Der Vatikan hat die deutsche Reforminitiative Synodaler Weg in die Schranken gewiesen: Neue Strukturen oder Lehren seien nicht zulässig. Reformer weisen die Kritik zurück.
Der Reformprozess der Kirche läuft unter dem Begriff "Synodaler Weg"Quelle: dpa
Der Vatikan hat die Reforminitiative Synodaler Weg in Deutschland in die Schranken gewiesen. Das Diskussionsforum habe kein Recht, Bischöfe und Gläubige "zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. 
Es sei nicht zulässig, "neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden", heißt in der nicht unterzeichneten kurzen Erklärung des Heiligen Stuhls weiter. Die deutschen Reformvorschläge sollten daher lediglich in den Reformprozess der Weltkirche mit einfließen.

Mehrheit der deutschen Bischöfe befürwortet Synodalen Weg

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" nannte die Kritik "nicht gerechtfertigt". Sie bedauerte eine "gefährliche Kommunikationslücke" zwischen Deutschland und dem Vatikan. Die Organisation plädierte dafür, Dokumente des Synodalen Wegs schnell in mehreren Sprachen zugänglich zu machen.

Synodaler Weg

Im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien. In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten.

Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat. Oberstes Organ des Synodalen Wegs ist die Synodalversammlung. Sie zählt 230 Mitglieder, die für eine möglichst große Bandbreite kirchlichen Lebens stehen sollen. Schwerpunktthemen des Reformdialogs sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.

Die Synodalversammlung ist das zentrale Gremium des Reformprozesses Synodaler Weg, den die deutschen Katholiken 2019 begonnen hatten. Er ist eine Reaktion auf den Missbrauchsskandal.

Die Initiative, die es in dieser Form in der katholischen Kirche noch nie gab, war ursprünglich auf zwei Jahre angelegt. Wie eine Synode hat auch der Synodale Weg beratenden Charakter. Das letzte Wort bei einer möglichen Umsetzung der Beschlüsse in ihrem Bistum haben die Ortsbischöfe. Das soll die Einheit mit der Weltkirche gewährleisten und einen nationalen Sonderweg verhindern.

Quelle: KNA

Die Einheit der Kirche werde eher durch reformfeindliche Kreise bedroht, erklärt die Organisation. Diese hätten "keine Antwort auf die geistliche und sexualisierte Gewalt, die zu einem dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche geführt hat". Sie seien auch nicht bereit, "sich mit den systemischen Ursachen zu befassen".
Die Mehrheit der deutschen Bischöfe befürwortet den Synodalen Weg. Papst Franziskus hatte sich zuvor bereits kritisch zu der Reformbewegung geäußert und vor Abspaltungstendenzen gewarnt.
Quelle: AFP

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