: Waldumbau - notwendig, aber zu langsam

von Marcus Groß
03.08.2022 | 11:55 Uhr
Rund 2,8 Millionen Hektar deutscher Wald müssten umgebaut werden, um ihn widerstandsfähig gegen den Klimawandel zu machen. Doch die Mammutaufgabe kommt nur schleppend voran.
Mischwälder wie dieser in Brandenburg sollen widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit sein.Quelle: dpa
Oberförster Thomas Weber steht auf einer Wegkreuzung im Wald. Er kommt gerne hierher, um das Thema Waldumbau zu erklären. Seit 1994 arbeitet er für den Stadtwald Fürstenwalde. Knapp 4.500 Hektar Wald gehören der Stadt und das seit dem Jahre 1285.

Kiefern-Wälder werden umgebaut

Wald kann in Deutschland ganz unterschiedliche Besitzer haben:
  • 65 Prozent der Wälder in Brandenburg gehören privaten Waldbesitzern
  • rund 25 Prozent dem Land
  • sechs Prozent sind Stadtwald - er gehört Kommunen wie Fürstenwalde
  • außerdem gibt es Kirchenwald
Der Oberförster zeigt auf ein umzäuntes Waldstück und sagt:
Wir wollen einen gemischten Wald und wir wollen Bio-Diversität.
Thomas Weber, Oberförster in Fürstenwalde
Direkt vor ihm liegen anderthalb Hektar umgebauter Kiefernwald. Der Zaun schützt vor Wildverbiss und hilft den jungen Bäumen beim Wachsen.

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16.05.2022 | 01:23 min

Umgebauter Wald als Schutz vor Waldbränden

Früher befand sich an dieser Stelle ein Kieferndickicht. Dann wurden Bäume entnommen, um Licht zu schaffen. Damit neuer Mischwald entsteht, müssen pro Hektar zwischen drei- und siebentausend Bäume gepflanzt werden. Gesät wurden hier Roteiche und Esskastanie, es sprießen aber auch immer andere Begleitbaumarten, erklärt Förster Weber: kleine Birken, Traubeneiche, Eberesche.
Der Waldexperte sagt:
Ein umgebauter Wald ist der beste Schutz vor Waldbränden.
Thomas Weber, Oberförster in Fürstenwalde
Denn in Mischwäldern liegt weniger brennbare Biomasse als im Nadelwald auf dem Waldboden. Zudem brennen Blätter von Bäumen einfach schlechter als Fichtennadeln, das weiß jeder, der schon mal Kiefernzweige auf ein Lagerfeuer gelegt hat. Auch verringern Laubbäume die Hitze im Wald, sie spenden Schatten und Feuchtigkeit.

Rekordhitze, Überflutungen, Dürre: normale Wetterphänomene oder bereits die Folgen des Klimawandels? Die Dokumentation mit Harald Lesch fasst den Stand der weltweiten Klimaforschung zusammen.

17.08.2022 | 43:13 min

Feuchter Waldboden macht es Feuern schwer

Gegenüber dem umzäunten Kiefernareal liegt ein bereits umgebauter Mischwald.
Im Mischwald ist es rund fünf bis zehn Grad kälter als im Kiefernwald.
Thomas Weber, Oberförster in Fürstenwalde
Er steht im Schatten der Blätter, es ist es angenehm kühl. Auf dem Boden schiebt er die Blätter beiseite, feuchter Waldboden klebt an seinen Händen. Dass ein Waldbrand sich hier schlechter ausbreitet, scheint offensichtlich.

Der Waldumbau ist teuer

Waldumbau ist das Mittel der Wahl, aber er dauert nicht nur Jahrzehnte, er ist zudem teuer. Zwischen 7.000 und 10.000 Euro kostet der Hektar umgebauter Wald. Viele Waldbesitzer schreckt das ab. Allein in Brandenburg gibt es 100.000 private Waldbesitzer.
Die Forstbehörden müssten gezielt auf sie zugehen und sie praktisch beim Waldumbau unterstützen, das sei ihre Aufgabe, erklärt der Förster. Doch die Personaldecke ist zu dünn.

Eric will herausfinden, wie wir dem Wald helfen können.

03.06.2022 | 24:02 min

Milliarden wären für Waldumbau nötig

Wälder erbringen wichtige Ökosystemleistungen für die Gesellschaft, sagen Fachleute. Sie speichern CO2, sind Grundlage für Artenvielfalt, reinigen das Wasser und die Luft und sind Erholungsraum für den Menschen. Das habe sich vor allem während der Corona-Pandemie gezeigt. Deshalb müsse der Waldumbau auch finanziell von der Gesellschaft mitgetragen werden.
In ganz Deutschland müssten rund 2,85 Millionen Hektar Wald umgebaut werden, das ist rund ein Viertel der deutschen Waldfläche. Insgesamt sind in Deutschland rund ein Drittel der Landoberfläche mit Wald bedeckt, rund elf Millionen Hektar.
Zwischen 13 und 43 Milliarden Euro könnte das kosten, sagt Professor Andreas Bolte. Er ist der Leiter des Thünen Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, einer Forschungsanstalt des Bundes. Aber Deutschland hängt beim Waldumbau hinterher.
Wir haben aktuell ungefähr 20.000 Hektar, die jährlich umgebaut werden, wir bräuchten aber tatsächlich die vierfache Menge oder sogar mehr.
Andreas Bolte, Leiter des Thünen Instituts für Waldökosysteme
Bolte spricht von 90.000 Hektar in den nächsten 30 Jahren.

Waldumbau schützt vor Schädlingen und Waldbrand

Sowohl der Leiter des Thünen-Instituts als auch der Förster in Fürstenwalde sind der Meinung, dass der Waldumbau nicht warten kann. Denn je länger gewartet wird, desto schwerwiegender sind die Folgen.
Sind die Bäume durch Klimawandel und Trockenheit geschwächt, haben es auch Schädlinge wie der Borkenkäfer, Pilze oder andere Insekten leichter, sie zu schädigen. Und liegt das Holz erstmal tot im Wald, haben es Feuer leichter, sich auszubreiten. Aus einem Bodenfeuer kann dann im Nu ein Flammeninferno werden, das bis in die Baumkronen wandert. Durch Winde kann es sich ungehindert ausbreiten. Dann wird es schwer, den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Bäume reagieren besonders empfindlich auf die aktuelle Wetterlage in Deutschland. Der ausbleibende Regen macht sie anfällig für Schädlinge wie den Borkenkäfer.

30.07.2022 | 01:31 min
Oberförster Weber im Eberswalder Stadtforst sagt:
Ich glaube, wir haben nicht mehr viel Zeit für den Waldumbau. Wir sehen, dass die Trockenphasen und die Extreme immer stärker werden.
Thomas Weber, Oberförster in Fürstenwalde
Er fordert ein ganz anderes Tempo beim Waldumbau.

Schon 414 Brände dieses Jahr in Brandenburg

Auch Brandenburg hat noch einen weiten Weg vor sich. Von 1,1 Millionen Hektar Waldfläche müssten 500.000 Hektar Kiefernbestände dringend umgebaut werden. Wie schnell ein Wald in Flammen aufgehen kann, zeigen Jahr für Jahr die Waldbrände. Brandenburg zählt zu den trockensten Bundesländern Deutschlands. Allein in diesem Jahr hat es 414 Mal gebrannt.
Rund 1.300 Hektar Wald sind dabei vernichtet worden. Für die Gesellschaft sind Wälder systemrelevant, deshalb müssen sie geschützt und umgebaut werden. Nur dann können sie zukünftigen Generationen auch weiterhin als Ressource zur Verfügung stehen.

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